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Der Sultan, der Zar und die europäischen Zaungäste

Redaktor Andreas Saurer über Europas autokratische Nachbarn Erdogan und Putin.

Andreas Saurer

Am 11. Januar 2015 standen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der türkische Premier Ahmet Davutoglu in Paris in der ersten Reihe, um der Opfer des Anschlags auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» zu gedenken und ein Zeichen für die Meinungsfreiheit zu setzen. Anfang dieses Monats rief Merkel ihren Amtskollegen in Ankara an, um diesen wissen zu lassen, dass sie das Schmähgedicht des deutschen TV-Satirikers Jan Böhmermann auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan «bewusst verletzend» finde. In der Zeit dazwischen haben über eine Million Flüchtlinge Deutschland erreicht. Dazwischen liegen die islamistischen Anschläge von Paris und Brüssel – und die Übergriffe von Köln in der Silvesternacht. Die Meinungsfreiheit hat da plötzlich selbst in Deutschland einen schweren Stand.

Seit 2005 hat die Kanzlerin die starken Männer in ihrer Koalition und in ihrer Partei im Griff, in der EU gilt sie nach wie vor als einflussreichste Figur. Bei Erdogan und beim russischen Präsidenten Wladimir Putin aber versagt ihre Aura. Erdogan ist seit 2003 der starke Mann am Bosporus, Putin zieht in Moskau sogar seit 1999 die Fäden. Seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im syrisch-türkischen Grenzgebiet Ende November ist das Verhältnis zwischen Ankara und Moskau auf dem Gefrierpunkt.

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