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Der Mann, der aus der Geschichte floh

Ein Jahr ist es her, seit der frühere ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch untergetaucht ist. Wo er heute lebt, darüber kursieren vor allem Gerüchte.

Ein Jahr ist es her, seit er aus Kiew geflohen ist: Der ukrainische Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch. (2. April 2014)
Ein Jahr ist es her, seit er aus Kiew geflohen ist: Der ukrainische Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch. (2. April 2014)
AP Photo/Ivan Sekretarev
Am 21. Februar 2014 hat er zusammen mit Oppositionellen ein Abkommen unterzeichnet, um die blutigen Auseinandersetzungen zu beenden - es scheitert.
Am 21. Februar 2014 hat er zusammen mit Oppositionellen ein Abkommen unterzeichnet, um die blutigen Auseinandersetzungen zu beenden - es scheitert.
Reuters
Seither trat Wiktor Janukowitsch nicht mehr öffentlich auf. Wladimir Putin soll ihm mittlerweile per Dekret die russische Staatsbürgerschaft verliehen haben. Im Bild: Janukowitsch und Putin an einem Treffen im Dezember 2013.
Seither trat Wiktor Janukowitsch nicht mehr öffentlich auf. Wladimir Putin soll ihm mittlerweile per Dekret die russische Staatsbürgerschaft verliehen haben. Im Bild: Janukowitsch und Putin an einem Treffen im Dezember 2013.
Reuters
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Am 21. Februar 2014 verlässt Wiktor Janukowitsch überraschend die ukrainische Hauptstadt. Kurz nachdem in Kiew Sicherheitskräfte auf Demonstranten schiessen und fast hundert Menschen bei Strassenkämpfen getötet werden, flieht der Präsident ins ostukrainische Charkow.

Seine abenteuerliche Flucht über die Krim und die späteren Rebellenhochburgen Lugansk und Donezk endet vorerst im südrussischen Rostow am Don, wo der Politiker mit besten Verbindungen nach Moskau nach eigenen Angaben bei «einem alten Freund» unterkommt.

Russlands Präsident Wladimir Putin räumt später ein, dass Janukowitsch darum gebeten habe, «ihn nach Russland zu bringen - und das haben wir gemacht.» In Rostow am Don gibt Janukowitsch mehrere Pressekonferenzen. Anfangs erklärt er noch, dass er immer noch der Präsident der Ukraine sei. Aufsehen erregt auch seine Aufforderung an Putin, russische Soldaten in die Ostukraine zu schicken.

Spur verliert sich

Nach der Wahl seines Nachfolger Petro Poroschenko kündigt Janukowitsch Ende Mai in seiner bislang letzten öffentlichen Stellungnahme an, dass er die Entscheidung des ukrainischen Volkes «respektieren» werde. Danach verliert sich seine Spur.

«Janukowitsch ist aus der Geschichte verschwunden. Oder besser: Er ist daraus geflohen», sagt Alexander Konowalow vom Institut für Strategische Studien in Moskau. Angeblich kommt Janukowitsch zunächst im Moskauer Nobelvorort Barwicha unter.

Einer seiner Nachbarn, der frühere Moskauer Präfekt Oleg Mitwol, sagt russischen Medien, dass er dort für umgerechnet 49 Millionen Franken ein Anwesen gekauft habe. Janukowitsch, der offiziell noch verheiratet ist, lebt dort angeblich mit der Schwester seiner früheren Köchin.

Russischer Bürger per Dekret

Im Juni 2014 verlässt Janukowitsch die russische Hauptstadt und bezieht nach Angaben von Mitwol eine Luxus-Datsche in Sotschi. Über die Gründe für den Umzug wird nichts bekannt. Ukrainische Medien spekulieren, dass Janukowitsch unter Depressionen und einem Alkoholproblem leide.

Nach Angaben eines Beraters des ukrainischen Innenministeriums, Anton Geraschtschenko, hat Putin Janukowitsch mittlerweile per Dekret die russische Staatsbürgerschaft verliehen. Der Kreml bestätigt die Angaben nicht - und hält sich auch sonst bedeckt, wenn es um das Schicksal seines früheren Verbündeten geht.

Keine einfache Beziehung

«Die Beziehungen zwischen Janukowitsch und Russland waren nie einfach, und das hat auch Auswirkungen auf seine jetzige Situation», sagt der Politikwissenschaftler Konstantin Kalatschew. Janukowitsch werde von Russland zwar «beherbergt», aber nur «toleriert».

Vor dem ersten Jahrestag der heftigen Strassenkämpfe auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan, am 20. Februar häufen sich in russischen Medien Berichte über Janukowitsch - vor allem negative.

Es sei schon von einer «Diffamierungskampagne» die Rede, sagt Kalatschew. Janukowitsch sei für Russland nicht mehr «nützlich», weder in der Ukraine-Krise noch für Propagandazwecke, sagt er zur Begründung.

SDA/pst

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