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Der Held von Kopenhagen

«Er hat uns gerettet»: Der Wächter, der vor der Synagoge in Kopenhagen erschossen wurde, hat wohl ein Blutbad verhindert. Er warnte die Menschen in der Synagoge vor dem Anschlag.

Er war dem dänischen Geheimdienst schon vor den Anschlägen bekannt: Der 22-jährige Attentäter Omar Abdel Hamid al-Hussein. (Archivbild)
Er war dem dänischen Geheimdienst schon vor den Anschlägen bekannt: Der 22-jährige Attentäter Omar Abdel Hamid al-Hussein. (Archivbild)
AFP
Einschusslöcher im Kulturcafé: Ein Kriminaltechniker der dänischen Polizei untersucht den ersten Tatort in Kopenhagen. (15. Februar 2015)
Einschusslöcher im Kulturcafé: Ein Kriminaltechniker der dänischen Polizei untersucht den ersten Tatort in Kopenhagen. (15. Februar 2015)
AP
Fahnden nach den Tätern: Ein Polizist am Tatort. (14. Februar 2015)
Fahnden nach den Tätern: Ein Polizist am Tatort. (14. Februar 2015)
Mathias OEgendal/Scanpix Denmark, Reuters
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Der bei dem Attentat in Kopenhagen vor einer Synagoge getötete Wachmann hat möglicherweise ein Blutbad verhindert. Nach Aussagen Beteiligter warnte er die in der Synagoge Feiernden vor dem Anschlag.

«Er ist ein Held, er hat uns gerettet», sagte die Mutter des 12-jährigen Mädchens, dessen Bat-Mizwa in dem Gebäude gefeiert wurde, dem israelischen TV-Sender Channel 2 am Sonntag in einem Telefoninterview. Zu der Feier waren rund 80 Menschen versammelt.

Der 37-Jährige sei nach ersten Schüssen in die Synagoge gekommen, berichtete die Mutter. «Wir sollten die Musik ausmachen und alle in den Keller gehen.» Später habe er Polizisten geholfen, die Anwesenden durch einen Notausgang zu Bussen zu bringen.

Der 37-Jährige sei schon mehrere Jahre als Freiwilliger in dem Sicherheitsteam der jüdischen Gemeinde tätig gewesen. Er war in der jüdischen Gemeinde und in seiner Familie für seine grosse Hilfsbereitschaft und Warmherzigkeit bekannt, spielte im jüdischen Fussballverein und war auch begeisterter Basketballer.

Als Knabe ging er auf die jüdische Schule in Kopenhagen, später studierte er Politikwissenschaft. Bei dem Anschlag auf die Synagoge wurde der Wachmann getötet und zwei Polizisten verletzt.

Oberrabbiner lobt den Wächter

«Er war ein Mensch, der immer gewillt war, zu helfen. Ein fantastischer, fantastischer Kerl.» Der dänische Oberrabbiner Jair Melchior kannte den jüdischen Mann, der bei dem Anschlag auf eine Synagoge in Kopenhagen erschossen wurde. Der 37-Jährige sei ein langjähriger, «unersetzlicher» Wachmann gewesen, der die jüdische Gemeinde der Stadt geschützt habe, sagte Melchior.

Der Mann hatte ein Gebäude hinter der Synagoge für eine Bat-Mizwa-Feier bewacht. Der Attentäter schoss ihm in den Kopf. Zwei Polizisten, die ebenfalls vor Ort waren, wurden leicht verletzt. Zuvor hatte der Attentäter auf einer Diskussionsveranstaltung über Meinungsfreiheit mit dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks durch die Fenster eines Kulturzentrums geschossen. Dabei wurde ein 55-jähriger Filmemacher getötet und drei Polizisten verletzt.

Melchior sagte auf dem Internationalen Flughafen in Tel Aviv, wo er auf einen Rückflug in die dänische Hauptstadt wartete, der junge Mann habe die jüdische Schule besucht und sich schon seit seiner Jugend um die Sicherheit der Gemeinde mit gekümmert. Er sei ein talentierter Basketballspieler gewesen, habe in Politik einen Abschluss erlangt, eine Zeit lang in Israel gelebt und gelernt, fliessend Hebräisch zu sprechen. Er habe gewollt, dass ihn jüngere Mitglieder im Sicherheitsdienst ersetzen sollten. Die Gemeinde habe ihn jedoch gedrängt, seinen Posten zu behalten. Seine Familie sei in der jüdischen Gemeinde Kopenhagens aktiv.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

In Dänemark leben rund 7000 Juden. Davon sind 2000 in der jüdischen Gemeinde aktiv. Diese betreibt ihren eigenen Sicherheitsdienst, der in Abstimmung mit der Polizei die jüdischen Einrichtungen der Stadt schützt.

Melchior sagte, die Gemeinde habe die Polizei nach den Terroranschlägen von Paris vor fünf Wochen um verbesserte Sicherheitsvorkehrungen gebeten. Die dänische Polizei habe begonnen, diese neu zu bewerten. Nach der ersten Attacke auf das Kulturzentrum am Nachmittag habe die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen für das Gebäude der Jüdischen Gemeinde erhöht, in der die Bat-Mizwa-Feier stattgefunden hatte, sagte Melchior.

Vor fünf Wochen war in Paris bei den Terrorattacken ebenfalls eine jüdische Einrichtung Ziel von Terroristen. Islamistische Extremisten hatten zunächst die Redaktion der französischen Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» angegriffen. Danach war ein Supermarkt für koschere Lebensmittel überfallen worden. Insgesamt starben 20 Menschen, darunter die drei Attentäter.

40-Millionen-Plan

Der dänische Geheimdienst erklärte, der Täter könnte von der Attacke auf «Charlie Hebdo» inspiriert worden sein. Er könne auch durch von der Terrormiliz Islamischer Staat oder anderen geschicktes Material beeinflusst worden sein.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte die Juden in Europa nach dem erneuten Anschlag auf, nach Israel auszuwandern. Seine Regierung plane, mithilfe eines mit umgerechnet rund 40 Millionen Euro ausgestatteten Plans zu einer «grossen Einwanderung» zu animieren, sagte er zu Beginn eines Kabinettstreffens. Er sprach vor allem die Juden in Frankreich, Belgien und der Ukraine an.

«Wieder sind auf europäischem Boden Juden nur deshalb ermordet worden, weil sie Juden sind», sagte er. «Es ist zu erwarten, dass sich diese Angriffswelle ebenso wie mörderische antisemitische Attacken fortsetzen.»

Melchior sagte, er sei enttäuscht über Netanyahus Aufruf. «Terror ist kein Grund, nach Israel zu ziehen», sagte er. «Menschen ziehen aus Dänemark nach Israel, weil sie Israel lieben, wegen des Zionismus.»

sda/AP/chk

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