Zum Hauptinhalt springen

Der Ehrgeiz war ihre Religion

Margaret Thatcher stieg 1979 zur ersten Premierministerin Grossbritanniens auf. In dieser Position blieb sie so lange wie kein anderer Regierungschef zuvor. Und veränderte das Land nachhaltig.

Den Spitznamen «eiserne Lady» erhielt Thatcher 1976 in einem Kommentar von Radio Moskau – zu ihrem Wohlgefallen offenbar.Im Bild: Thatcher an einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen. (23. Juni 1982)
Den Spitznamen «eiserne Lady» erhielt Thatcher 1976 in einem Kommentar von Radio Moskau – zu ihrem Wohlgefallen offenbar.Im Bild: Thatcher an einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen. (23. Juni 1982)
AP
Trauer in Grossbritannien: Die Flaggen auf der Residenz des britischen Premiers ...
Trauer in Grossbritannien: Die Flaggen auf der Residenz des britischen Premiers ...
AFP
Margaret Thatcher wuchs als Margaret Roberts auf. Die Tochter eines Kolonialwarenhändlers und einer Schneiderin besuchte dank einem Stipendium die Schule.Im Bild (von links nach rechts): Schwester Muriel, Vater Alfred, Mutter Beatrice und Margaret Roberts. (1945)
Margaret Thatcher wuchs als Margaret Roberts auf. Die Tochter eines Kolonialwarenhändlers und einer Schneiderin besuchte dank einem Stipendium die Schule.Im Bild (von links nach rechts): Schwester Muriel, Vater Alfred, Mutter Beatrice und Margaret Roberts. (1945)
Keystone
1 / 28

Sie war charismatisch, humorvoll und soll sich liebevoll um ihre Nächsten gekümmert haben - doch für die Nachwelt wird Margaret Thatcher vor allem die eiserne Lady bleiben. Als solche unterwarf sie ihr Land in den elf Jahren als britische Premierministerin einem der schmerzvollsten Reformprozesse seiner Geschichte. International setzte sie Zeichen durch den Falkland-Krieg und die enge Partnerschaft mit US-Präsident Ronald Reagan beim Fall des Eisernen Vorhangs, in der EU bleibt sie wohl als die Frau in Erinnerung, die oft «Nein» sagte. Heute starb Thatcher im Alter von 87 Jahren.

Geboren am 13. Oktober 1925 wächst Margaret Hilda Roberts im zentralenglischen Grantham als Tochter eines Händlers auf, der seine wenige freie Zeit in der Methodistenkirche und dem Gemeinderat verbrachte. Abgesehen vom obligatorischen Kirchgang unternimmt die Familie nur selten gemeinsame Ausflüge, Arbeitseifer wird im Hause Roberts gross geschrieben - und von «Maggie» ihr Leben lang de facto als zweite Religion betrieben. Hinzu kommt ein unglaublicher Ehrgeiz und ein nicht gerade geringes Selbstbewusstsein. So erklärt «Maggie» im Alter von neun Jahren bei der Entgegennahme ihrer ersten Auszeichnung in der Schule: «Das war kein Glück, ich habe es verdient.»

Mit wenig Schlaf ausgekommen

Nach dem Chemiestudium in Oxford arbeitet Roberts ab 1947 zunächst als Forscherin in einem Labor. 1951 heiratet sie den Unternehmer Denis Thatcher, zwei Jahre später werden die Zwillinge Carol und Mark geboren. Nur wenig später stürzt sie sich in die Politik und macht sich schnell einen Namen als Arbeitstier: Zeit ihrer Karriere schläft sie nach Angaben von Mitarbeitern im Schnitt nur vier Stunden pro Nacht. Bereits 1959 wird sie als Abgeordnete ins britische Parlament gewählt, wo sie innerhalb ihrer Konservativen Partei schnell die Karriereleiter emporklettert.

Allerdings glaubt Thatcher selbst nicht an den Sprung ganz nach oben. Noch 1974 sagt sie, sie werde es wohl nicht erleben, dass eine Frau Partei- oder gar Regierungschefin wird. Nur ein Jahr später übernimmt Thatcher die Führung der Konservativen von Edward Heath, im Mai 1979 wird sie die erste Premierministerin des Landes.

Die Folgen des Thatcherismus'

Als Thatcher 1990 unter Tränen ihren Amtssitz in Downing Street 10 verlässt, hat sie das Land komplett umgekrempelt: Die Gewerkschaften sind gebrochen, wichtige staatliche Unternehmen wie Eisenbahn und Telekom privatisiert, die Steuern deutlich gesenkt und die Ausgaben des Staates auch. Doch was die Wirtschaft des Königreiches jubeln lässt, sehen viele auch kritisch. So blieben durch den «Thatcherismus» mit seiner Verherrlichung der Selbstverantwortung des Einzelnen und der Propagierung der freien Marktwirtschaft viele auf der Strecke; die Zahl der Arbeitslosen stieg auf über drei Millionen.

Doch das Elend der Einzelnen rührt die eiserne Lady nicht an. Thatcher bleibt ihrer harten Linie treu. Dies gilt auch international: Legendär ist unter anderem ihr Ausspruch «I want my money back!» - «Ich will mein Geld zurück», mit dem sie 1984 eine grosszügige Rabatt-Regelung für ihr Land beim EU-Budget durchsetzte.

Legendäre Handtasche

Ähnlich legendär ist ihre Handtasche, die sie auch nach dem Ende ihrer politischen Karriere bei allen öffentlichen Auftritten mitnimmt. Zwischen der Vorbereitung wichtiger Reden und dem Schreiben der Memoiren kommt sie im Londoner Nobelviertel Belgravia kaum dazu, eines ihrer erklärten Vorhaben umzusetzen: mehr Zeit mit ihrem Mann zu verbringen.

Denis Thatcher hatte all die Jahre im Schatten seiner Frau gestanden und wegen seiner Steifheit oft hämische Kommentare über sich ergehen lassen müssen. Aber so unbeholfen er auch wirkte, ihr Ehemann war eine nicht zu unterschätzende Stütze für Thatcher. Sein Tod im Juni 2003 versetzte ihr einen herben Schlag, die Witwe zog sich immer mehr zurück. Zudem litt Thatcher zuletzt unter fortgeschrittener Demenz. Am Montag starb sie an den Folgen eines weiteren Schlaganfalls.

AFP/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch