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Der Aussenseiter überholt Gordon Brown

Nach dem ersten TV-Duell im britischen Wahlkampf spricht das ganze Land über Nick Clegg: Der kaum bekannte Liberale liegt in einer Umfrage nur knapp hinter David Cameron.

Zünglein an der Waage: Nick Clegg nach dem TV-Duell.
Zünglein an der Waage: Nick Clegg nach dem TV-Duell.

Während die zwei Spitzenkandidaten für das Amt des britischen Premiers beim ersten TV-Duell in der Geschichte des Landes mittelmässig abschnitten, hat sich Nick Clegg von den Liberaldemokraten an die Spitze katapultiert: 35 Prozent der Briten würden gemäss einer Blitzumfrage von heute Freitag Clegg wählen, wie der «Telegraph» schreibt. Das sind satte 14 Prozent mehr als bei der letzten Erhebung.

Damit liegt der einstige Aussenseiter nur knapp hinter dem Konservativen David Cameron, der 36 Prozent Zustimmung erzielte. Gordon Brown von der Labour-Partei würden gemäss der Umfrage 24 Prozent wählen. Für beide Kandidaten ist das ein Verlust von je 3 Prozent gegenüber der letzten Erhebung. Die Umfrage hat das Unternehmen ITV/ComRes mit 4000 Fernsehzuschauern durchgeführt. Die Auswahl ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, betont das Institut.

Brown an letzter Stelle

Clegg profitiert von seinem Auftritt bei der TV-Debatte. Nach den grösseren Umfragen erhielt er für seinen Auftritt zwischen 40 und 58 Prozent Zustimmung von den Zuschauern, in einer Befragung für die Zeitung «The Times» waren es sogar 61 Prozent.

Der amtierende Premier Gordon Brown von der Labour-Partei schlug sich bei der Elefantenrunde am Donnerstagabend zwar besser als erwartet. In den zahlreichen Umfragen, in denen am Freitag das Verhalten der drei Kandidaten analysiert wurde, stand er aber trotzdem an letzter Stelle.

Brown lag mit Werten zwischen 19 und 32 Prozent fast immer am unteren Ende. David Cameron von den konservativen Tories wurde vom Publikum meist in der Mitte eingestuft, er schaffte es auf 26 bis 32 Prozent. Während der 59-jährige Brown als eher steif und nicht besonders telegen gilt, wirkt der mit 43-jährige Cameron vor der Kamera normalerweise locker und sehr professionell.

Extrem hohe Erwartungen

Clegg - ebenfalls 43 Jahre alt - hatte als Chef der kleinsten der drei grossen Parteien des Landes bislang wenig Möglichkeiten gehabt, zur besten Sendezeit vor einem grossen TV-Publikum zu sprechen. Er nutzte seine Chance, um den Wahlkampf kräftig aufzumischen.

Die Erwartungen an das erste TV-Duell in der britischen Wahlkampf- Geschichte waren extrem hoch gewesen. Am 6. Mai wird gewählt, bisher zeichnet sich ein klares Ergebnis noch nicht ab. Die Tories hatten in Umfragen monatelang in Führung gelegen, der regierenden Labour-Partei waren lange keinerlei Chancen auf eine Wiederwahl eingeräumt worden. In den vergangenen Wochen allerdings holte Labour wieder auf und rückte zum Teil bis auf wenige Prozentpunkte an die Tories heran.

Die Liberaldemokraten liegen bei Werten um die 20 Prozent. Sollte keine der beiden grossen Parteien eine absolute Mehrheit bekommen, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach auf Unterstützung durch Cleggs Partei angewiesen sein.

Abgrenzung zum Spendenskandal

Viele Wähler sind nach dem Skandal um Abgeordnete, die skrupellos Spesen abgerechnet hatten, enttäuscht von den grossen Parteien. Clegg setzte in der TV-Debatte denn auch ganz darauf, die Liberaldemokraten als Alternative zu vermeintlich korrupten Politikern, die seit Jahren ihre Versprechen nicht halten würden, darzustellen. «Es gibt eine Alternative zu den zwei alten Parteien», sagte Clegg: «Etwas Neues und anderes.»

In den kommenden Wochen bis zum Wahltermin wird es zwei weitere TV-Duelle geben. Bei der Premiere ging es vor allem um Innenpolitik. Ihr Ziel, die Wähler im Wahlkampf mitzureissen, erreichten die Kandidaten dabei nach Ansicht von Kritikern nicht. «Es war ziemlich lahm und langweilig», sagte eine Zuschauerin dem Sender BBC. Die Aussagen hätten zu vorbereitet gewirkt.

Tatsächlich kam es nicht zu starken Wortgefechten, die Herren blieben Gentlemen. Allerdings waren auch vorher mehr als 70 strenge Regeln festgelegt worden: So durfte das Studio-Publikum nicht applaudieren und sollte auch nicht zum Lachen gebracht werden.

SDA/oku

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