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Brüssel, das Terrornest Belgiens

Brüssel-Molenbeek ist berüchtigt. Aus dieser Gemeinde stammt auch der Pariser-Attentäter Salah Abdeslam.

In Belgiens zweitärmster Gemeinde liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 50 Prozent: Passanten in Molenbeek. Foto: Andrew Testa (Panos)
In Belgiens zweitärmster Gemeinde liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 50 Prozent: Passanten in Molenbeek. Foto: Andrew Testa (Panos)

Die belgischen Fahnder stocherten während Monaten im Nest. Dann – vergangenen Freitag – gelang es: Salah Abdeslam, der mutmassliche Paris-Attentäter, wurde in Molenbeek angeschossen und gefasst.

Der Brüsseler Stadtteil hat seit den Anschlägen von Paris im November weltweit einen Ruf, und zwar als Drehscheibe und «Hochburg der Jihadisten». Abdeslams Anwalt Sven Mary sagt: «Wenn man eine Terrorzelle stoppt, kann das eine andere dazu bringen, aktiv zu werden. Wir sind uns dieses Szenarios bewusst.»

Ob es sich bei den heutigen Anschlägen am Brüsseler Flughafen um eine islamistische Tat handelt, ist freilich noch unklar. Dennoch rückt gerade jetzt Molenbeek wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit – ohne jemals wirklich aus diesem verschwunden gewesen zu sein, wenn es um das Thema Terrorismus im Herzen Europas geht.

Wurde nach langer Fahndung am Freitag gefasst: Salah Abdeslam.
Wurde nach langer Fahndung am Freitag gefasst: Salah Abdeslam.

Molenbeek mit seinen knapp 100'000 Einwohnern ist Belgiens zweitärmste Gemeinde. Hier, nicht weit weg von bekannten Touristenlokalen an der Grand Place entfernt, liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 50 Prozent. Hierher kommt der französischstämmige Salah Abdeslam.

Molenbeeks Wirtschaftsstadtrat Ahmed El Kannouss hat die Familie Abdeslam gekannt. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater arbeitete bis zur Pensionierung bei den Brüsseler Verkehrsbetrieben. Sohn Mohamed ist Beamter der Gemeindeverwaltung, lange Zeit sogar im Kabinett des früheren Bürgermeisters. Die Abdeslams, sagt der Gemeindepolitiker, seien eine «ganz normale Familie» gewesen: «Wir kennen sie alle, wir haben das nicht erwartet.»

«Interessantes Labo­ratorium»

Ahmed El Kannouss ist es wichtig, das Image seiner Gemeinde zu korrigieren. Die Ideologie des Islamischen Staates, sagt der Gemeindevorsteher, werde von den sozialen Netzwerken aus Syrien und dem Irak über Tausende Kilometer bis nach Molenbeek transportiert. Wenn jemand verantwortlich ist, dann sollten es Google, Facebook sein.

Einige hätten Molen­beek mit seinen vielen Zuwandererfamilien und den 40 Prozent muslimischer Bevölkerung als «interessantes Labo­ratorium» gesehen, sagt Bürgermeisterin Françoise Schepmans. Doch eigentlich habe es seit den 70er-Jahren keine Politik der Integration gegeben.

Françoise Schepmans hat bei Amtsantritt unter anderem die Verteilung der Sozialwohnungen überprüfen lassen. Dabei haben ihre Dienste festgestellt, dass die Familie Abdeslam wegen zu hoher Einkünfte den Kriterien nicht mehr entspricht. Die Räumung konnte wegen des strengen belgischen Mieterschutzes allerdings nie vollzogen werden.

(Dieser Beitrag entstand mit Material aus einer Reportage aus Molenbeek von Redaktion Tamedia-Korrespondent Stephan Israel vom 17. November 2015)

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