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Das British Empire am Abgrund

Noch immer herrscht Königin Elizabeth II. nominell über ein Reich, in dem die Sonne nicht untergeht. Offiziell ist sie in 15 britischen Ex-Kolonien das Staatsoberhaupt. Doch das Erbe des Empire bröckelt.

Herrscher ohne Macht: Der Prince of Wales und Queen Elizabeth II.
Herrscher ohne Macht: Der Prince of Wales und Queen Elizabeth II.
Reuters

Wenn am kommenden Dienstag die 84-jährige Monarchin vor der UNO-Vollversammlung spricht, vertritt sie ausser Grossbritannien auch ihre 15 «Realms» im 54 Staaten zählenden Commonwealth. Dazu gehören wichtige Länder wie Kanada, Australien und Neuseeland, aber auch eine Reihe von Inselstaaten in der Karibik und im Pazifik, wo bis heute ein Gouverneur die Krone vertritt.

Irgendeine Form von politischer Macht sichert dieser Verbund Grossbritannien und der Queen längst nicht mehr. Aber solange von Vancouver bis Auckland, von Belize zu den Salomon-Inseln die Porträts der Herrscherin in den Amtsstuben hängen, ist das Empire nicht wirklich tot - so scheint es.

Noch weht der Union Jack weltweit

Doch gerade die Erinnerung an die Kolonialzeit bedroht die postimperiale Idylle. Speziell die Australier können sich je länger desto weniger mit einer Königin anfreunden, die in einem Palast auf der anderen Seite des Erdballs lebt und sie nur alle paar Jahre besucht.

Auch die Neuseeländer debattieren die Monarchie und diskutieren wie ihre australischen Nachbarn immer mal wieder darüber, ob sie den Union Jack, das bekannteste Symbol Grossbritanniens, aus ihrer Flagge entfernen sollten. In Jamaika spricht die Regierung davon, die Verbindung mit der britischen Krone kappen zu wollen.

In Kanada gilt die Monarchie dagegen als bedeutungslos, weswegen auch nicht gross über ihre Abschaffung debattiert wird. Nur im französischsprachigen Québec wären viele die Queen am liebsten schon heute los. Einflussreiche Monarchisten erinnern aber gern daran, dass Kanada dank der Queen auf den Briefmarken und den «königlichen» Mounties nicht einfach der kleine Bruder der USA sei.

Komplizierter Weg zur Republik

Und doch: Es könnte lange dauern, bis die Australier die Herrscherbilder abhängen und den Union Jack einrollen. Verfassungsänderungen in den Westminster-Demokratien - also den Staaten, die das während Jahrhunderten gewachsene britische Regierungssystem übernommen haben - sind langwierig.

Nur wenige Politiker wollen den mühseligen Prozess wirklich in Angriff nehmen. Ausserdem gibt es so viele Umfragen und Debatten, dass niemand so genau weiss, wie es um die Loyalitäten wirklich steht.

1999 stimmten die Australier gegen die Einführung der Republik. Der Grund war, dass sie dem System misstrauten, das hätte errichtet werden sollen. Das Problem der Republikaner auf dem fünften Kontinent war bisher immer, dass sie sich auf keine überzeugende Alternative zur aktuellen Staatsform einigen konnten.

Die Queen hat auch weitere Volksabstimmungen gewonnen, wenn auch in entlegenen Kleinststaaten: Sowohl die Bewohner von St. Vincent in der Karibik als auch der Tuvalu-Inseln im Südpazifik haben sich jüngst für die Beibehaltung der Monarchie ausgesprochen. Sie misstrauen den eigenen Politikern und sehen lieber zu einer Königin auf, die über allem im fernen London thront.

Letzter Trumpf: Dianas Augen

Man weiss, dass Elizabeth ihre Rolle als Haupt des Commonwealth sehr ernst nimmt und dass sie im Gegenzug in vielen Teilen des früheren Empires populär ist oder zumindest respektiert wird. Die Frage ist eher, was nach ihrem Tod geschehen wird.

Dann könnte das weltumspannende Commonwealth-Imperium der Krone endgültig auseinanderfallen. Prinz Charles und seine Frau Camilla kämpfen rund um den Globus gegen schlechte Umfragewerte. Selbst in kanadischen Internetforen wird für den Fall, dass Charles auf den Thron kommt, die Republik gefordert.

Die letzte Geheimwaffe wäre William, Sohn von Charles und der glorifizierten Diana. Anfang 2010 bereiste er Australien und Neuseeland. Frauen schwärmten, sie hätten im Gesicht des Prinzen Dianas Augen gesehen. Die Zukunft wird zeigen, ob das reicht, um das überseeische Reich der Krone zu retten.

Marc Forster/sda/bru

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