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Brennende Geschosse und erste Verhaftungen

Zehntausende unzufriedene Staatsangestellte protestieren in Athen gegen die Sparmassnahmen. Nichts geht mehr – der Verkehr steht still. Nun werden die ersten Demonstranten gewalttätig.

Kein Weiterkommen: Reisende gehen im Hafen von Piräus an einer Fähre vorbei. (17. Oktober 2011)
Kein Weiterkommen: Reisende gehen im Hafen von Piräus an einer Fähre vorbei. (17. Oktober 2011)
Reuters
Das Militär soll es richten: In Athen stapelt sich der Müll. (17. Oktober 2011)
Das Militär soll es richten: In Athen stapelt sich der Müll. (17. Oktober 2011)
Keystone
Auch Bahnpassagiere sind vom 24-Stunden-Streik betroffen: Das Bahnpersonal kündigte an, die Arbeit nur am Morgen und am Abend niederzulegen. (5. Oktober 2011)
Auch Bahnpassagiere sind vom 24-Stunden-Streik betroffen: Das Bahnpersonal kündigte an, die Arbeit nur am Morgen und am Abend niederzulegen. (5. Oktober 2011)
Keystone
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Ein landesweiter Streik der Staatsbediensteten hat das öffentliche Leben in Griechenland weitgehend lahmgelegt. Mit dem 24-stündigen Ausstand protestierten die Angestellten im öffentlichen Dienst gegen die angekündigten Sparmassnahmen der Regierung.

In Athen gingen laut Polizei rund 20'000 Menschen auf die Strasse, in Thessaloniki demonstrierten 10'000 Menschen gegen die jüngsten Pläne zum Schuldenabbau. Die Beteiligung an der Demonstration war nach Ansicht von Beobachtern aber geringer als von den Organisatoren erhofft.

In der Hauptstadt setzte die Polizei nach eigenen Angaben Tränengas gegen eine Gruppe hunderter schwarzgekleideter Vermummter ein, nachdem einige brennende Geschosse geworfen hatten. Mindestens zwei Demonstranten wurden verletzt.

Nur Notbetrieb in Spitälern

Während des Streiks hielt in den staatlichen Spitälern nur eine Notbesetzung die Stellung. Neben Lehrern und Finanzbeamten legten auch die Anwälte des Landes die Arbeit nieder. Die Justizbehörden verschoben deshalb einen Prozess gegen acht mutmassliche Mitglieder der Terrorgruppe Revolutionärer Kampf.

Die Fluglotsen schlossen sich dem Streik ebenfalls an. Alle Flüge von und nach Griechenland wurden vorerst gestrichen. Da die Fluglinien die meisten ihrer Kunden rechtzeitig informiert hatten, strandeten aber nur wenige Touristen.

Auch die Angestellten der Radio- und Fernsehstationen erschienen nicht zum Dienst. Die Mitarbeiter der Nahverkehrsbetriebe wollten ihre Arbeit nur am Morgen und am Abend einstellen.

Protest gegen Sparpaket

Die Staatsbediensteten protestieren gegen die Suspendierung von 30'000 Mitarbeitern bei nur eingeschränkter Bezahlung. Nach Gehalts- und Pensionskürzungen ist die Massnahme ein weiterer Teil des Sparpakets der Regierung.

Zudem sind die Einführung einer neuen Immobiliensteuer und Rentenkürzungen geplant. Nach Angaben des Finanzministeriums bringen die für 2011 und 2012 beschlossenen Sparmassnahmen 6,6 Milliarden Euro ein.

Die Demonstrantin Irini Sypsomou-Arapogianni warf der Regierung bei einer Kundgebung in Athen vor, nicht entschieden genug gegen Steuerhinterziehung vorzugehen. Ihrer Meinung nach habe die Führung des Landes das Ziel aus den Augen verloren.

«Niemand weiss, was los ist. Jeden Tag sagen sie etwas anderes. Es ist alles so unklar», sagte die 57-jährige Angestellte im Finanzministerium. «Ich weiss nicht, wo das alles hinführen soll.»

Mitte November pleite

Der Protest in Athen richtete sich auch gegen die internationalen Gläubiger Griechenlands. Es sei fraglich, ob die harten Sparmassnahmen sich auf lange Sicht wirklich auszahlten, hiess es aus den Reihen der Demonstranten.

Schuldensünder Griechenland hängt am Tropf der Geldgeber aus der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), die derzeit über die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem ersten Hilfspaket für die Hellenen beraten. Die Kredite sind an Bedingungen geknüpft. Das Land hat nach offiziellen Angaben noch Geld bis Mitte November, danach droht die Staatspleite.

AFP/mrs

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