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«Berlusconi hat mich nie berührt, nicht einmal mit dem Finger»

Für die Bunga-Bunga-Partys gab Silvio Berlusconi offenbar mehrere Millionen Euro aus. Die Hauptprotagonistin der Feste, die damals minderjährige Ruby, hat nun ein TV-Interview zu den neusten Enthüllungen gegeben.

In einem TV-Interview erzählt Karima el-Mahroug, besser bekannt als Ruby, dass sie als Neunjährige von zwei Onkeln vergewaltigt worden sei.
In einem TV-Interview erzählt Karima el-Mahroug, besser bekannt als Ruby, dass sie als Neunjährige von zwei Onkeln vergewaltigt worden sei.
Keystone
Ruby sagt, dass sie Silvio Berlusconi sehr schätze, weil er ihr geholfen habe,...
Ruby sagt, dass sie Silvio Berlusconi sehr schätze, weil er ihr geholfen habe,...
Keystone
...und als Party-Attraktion Ruby.
...und als Party-Attraktion Ruby.
Keystone
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Im Sexskandal um Ruby veröffentlichen die Medien jeden Tag neue Enthüllungen. Und die Protagonisten der berühmt-berüchtigten Bunga-Bunga-Partys wehren sich umgehend gegen die Medienberichte. In Videobotschaften wetterte Regierungschef Silvio Berlusconi gegen die «subversive Justiz». Und jetzt meldete sich auch Ruby zu Wort - vermutlich nicht zufällig liess sie sich von einem Berlusconi-Sender interviewen.

Das mittlerweile 18-jährige Escort-Girl erklärte bei der Aufzeichnung der Sendung «Kalispera», der Ministerpräsident habe sie «nie berührt, nicht einmal mit dem Finger». Berlusconi habe ihr zwar geholfen, aber nichts als Gegenleistung verlangt. Ruby fügte hinzu, sie habe sich niemals prostituiert. Sie bestritt zugleich, dass sie von Berlusconi fünf Millionen Euro verlangt habe als Gegenleistung für ihr Schweigen. Entsprechende Abschriften abgehörter Telefongespräche waren in den Medien veröffentlicht worden. Die Widersprüche in den Aussagen sind frappant.

Mit zwölf von zu Hause abgehauen

Im ersten Teil des TV-Interviews hatte sich Ruby über ihr teilweise dramatisches Leben geäussert. Dabei flossen auch Tränen. Die junge Marokkanerin erzählte, dass sie als Neunjährige von zwei Onkeln vergewaltigt worden sei. Als sie als Zwölfjährige die Religion wechseln wollte, sei sie vom Vater misshandelt worden. Dann sei sie von zu Hause geflohen und habe gleich einen Diebstahl begangen - worauf sie von der Polizei erstmals verhaftet wurde. Zur Erinnerung: Es war eine Festnahme von Ruby wegen Diebstahls, die die laufenden Strafuntersuchungen in Gang brachten.

Ruby berichtete, dass sie sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen habe. Sie habe sich immer älter und als Ägypterin ausgegeben. «Ich habe ein Parallelleben geführt.» Sie habe einmal versucht, sich zu prostituieren, sagte Ruby, es sei ihr aber nicht gelungen. «Meine Mutter sagte immer: Als Hure wird man geboren, man kann es nicht werden.»

2,5 Millionen Euro für 17 Partys

Im Interview blieben viele Fragen offen, nicht nur über die Biografie von Ruby. Aufklärung war auch nicht der Zweck des Interviews. Vielmehr war Rubys TV-Auftritt Teil einer von Berlusconi orchestrierten Offensive gegen die Berichte der Medien, die laufend brisante oder spektakuläre Informationen über die Feste in der Villa in Arcore bei Mailand veröffentlichen. Zum Beispiel sollen die 17 Bunga-Bunga-Partys im Jahr 2010 rund 2,5 Millionen Euro gekostet haben, wie die «Repubblica» berichtet. Für die eingeladenen Frauen habe Berlusconi rund 800'000 Euro ausgegeben. Die Informationen stützen sich auf die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft.

Berlusconi hat inzwischen die Justiz seines Landes scharf attackiert. Die Staatsanwälte würden die Ruby-Affäre als «politische Waffe» nutzen, sagte der Regierungschef am Mittwochabend im Fernsehsender Sky TG 24. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Berlusconi wegen des Verdachts des Umgangs mit einer minderjährigen Prostituierten und des Amtsmissbrauchs. Im Fokus der Ermittlungen steht auch Ruby.

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