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Beate Z. – mehr als ein Anhängsel

Rechtsradikale Frauen werden häufig als unpolitische Mitläuferinnen beschrieben. Dabei ist laut Forscherinnen der moderne Rechtsextremismus ohne das Engagement von Frauen gar nicht denkbar.

Soll den Terroristen Waffen beschafft haben: Ralf W. am 18. August 2007.
Soll den Terroristen Waffen beschafft haben: Ralf W. am 18. August 2007.
Keystone
Machten Jagd auf Ausländer: Rechtsextreme von Zwickau. Die beiden Männer erschossen sich in einem Wohnmobil. Die Frau befindet sich in Haft.
Machten Jagd auf Ausländer: Rechtsextreme von Zwickau. Die beiden Männer erschossen sich in einem Wohnmobil. Die Frau befindet sich in Haft.
Keystone
Die Polizistin Michèle Kiesewetter wurde am 25. April 2007 auf einem Parkplatz in Heilbronn durch einen Kopfschuss getötet. Ihr Kollege erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Beiden wurden die Dienstwaffen geraubt. (27. April 2007)
Die Polizistin Michèle Kiesewetter wurde am 25. April 2007 auf einem Parkplatz in Heilbronn durch einen Kopfschuss getötet. Ihr Kollege erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Beiden wurden die Dienstwaffen geraubt. (27. April 2007)
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Von Beate Z., die zur Zwickauer Terrorzelle gehört, ist nicht viel bekannt. Die 36-jährige Frau, eine gelernte Gärtnerin, hatte sich Anfang der Neunzigerjahre der militanten rechtsextremen Szene angeschlossen. Mit den inzwischen toten Neonazis Uwe M. und Uwe B., mit denen sie auch Liebesbeziehungen gehabt haben soll, verbrachte sie die letzten 13 Jahre im Untergrund. Im Alltag fiel sie nicht auf, sie trug keine Nazikleidung, und sie war nett zu den Nachbarn. Wer Beate Z. ist und welche Rolle sie im Nationalsozialistischen Untergrund spielte, ist nach wie vor unklar.

Die inhaftierte Beate Z., die immer noch schweigt, erscheint in vielen Medienberichten als Mitläuferin, die zwar politische Versammlungen von Neonazis besuchte, aber sich nicht zu Wort meldete. Beschrieben wird sie auch als Gespielin von Neonazis. In der «Bild»-Zeitung bezeichnete sie ein Zeuge als «heissen Feger».

Sexuelles Anhängsel – irreführendes Bild

Solchen Darstellungen widerspricht das Forschungsnetzwerk «Frauen und Rechtsextremismus» von der Fachhochschule Frankfurt am Main entschieden, denn es werde das Klischee der unpolitischen Frau präsentiert. «Warum ist das Interessanteste an einer militanten Rechtsextremistin ihr Liebesleben?», fragen Michaela Köttig und Rena Kenzo in einem offenen Brief an die Medien.

Diese Sichtweise der Neonazi-Frau als sexuelles Anhängsel präge offensichtlich auch die Arbeit des Verfassungsschutzes, der die Aktivitäten rechtsextremer Frauen kaum wahrnehme – im Fall von Beate Z. mit tödlichen Folgen. Sie habe vermutlich rassistische Morde mitgeplant und vielleicht auch durchgeführt.

«Sie ist eindeutig eine politische Aktivistin»

«Es ist lächerlich zu glauben, Beate Z. habe aus reinem Mitläufertum oder gar Liebe 13 Jahre im Untergrund verbracht», sagte die Forscherin Michaela Köttig dem «Spiegel». «Das erfordert eine feste Gesinnung und eisernen Durchhaltewillen. Sie ist eindeutig eine politische Aktivistin.» Und Rena Kenzo doppelte nach: Beate Z. sei alles andere als «das Betthäschen zweier Nazis» gewesen. «Ohne sie hätten es Uwe B. und Uwe M. nie geschafft, über so viele Jahre unentdeckt unterzutauchen. Sie war das Bindeglied in die bürgerliche Gesellschaft.»

Nach Ansicht von Köttig/Kenzo ist der moderne Rechtsextremismus ohne das Engagement von Frauen gar nicht denkbar. «Es sind Frauen, die in der Szene wichtige soziale Funktionen einnehmen und die Szene nach innen stärken sowie nach aussen ‹normalisieren›.» So werde eine rechtsextreme Frau am Kinderstand eines rechtsextremen Sommerfests viel weniger mit einer menschenverachtenden und gewalttätigen Weltanschauung in Verbindung gebracht. «Frauen werden bei Straftaten in erster Linie als Unbeteiligte oder Zeuginnen wahrgenommen, nicht als Täterinnen», sagt Forscherin Köttig.

«Klischee des ‹dumpfen Nazis› weiter aufweichen»

Die falsche Einschätzung nutzen Frauen der Neonaziszene bewusst aus, wenn sie zum Beispiel Räume für Veranstaltungen anmieten oder bei Informationsständen Passanten ansprechen und Flugblätter verteilen. Von der sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Gitta Schüssler stammt folgende Aussage: «Wir wollen die Frauen ermutigen, durch die Übernahme von Mandaten das Medienklischee des ‹dumpfen Nazis› weiter aufzuweichen.»

Gemäss dem Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus ist Beate Z. kein Einzelfall in der rechtsextremen Szene. Jeder fünfte Neonazi ist weiblich – Tendenz steigend.

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