Zum Hauptinhalt springen

Barroso zufrieden – die Finanzmärkte nicht

Der Ruf nach einer Schuldenobergrenze und einer Transaktionssteuer stösst bei der EU-Kommission auf offene Ohren. Der Euro hat jedoch nach dem Treffen Merkel-Sarkozy an Wert verloren.

«Willkommener Schritt»: Kommissionspräsident Barroso und Währungskommissar Rehn (Archivbild).
«Willkommener Schritt»: Kommissionspräsident Barroso und Währungskommissar Rehn (Archivbild).
Keystone

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Währungskommissar Olli Rehn haben positiv auf das Ergebnis des Pariser Treffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy reagiert. Deren Vorschläge seien ein willkommener Schritt nach vorn im gemeinsamen Bemühen, die Regierungsführung in der Eurozone zu stärken. Sie stellten «einen wichtigen politischen Beitrag» zu dieser Debatte dar, erklärten Barroso und Rehn nach einem Arbeitstreffen gestern Abend.

Die bevorstehenden Herausforderungen hätten deutlich gemacht, dass eine gemeinsame Währung auch eine gemeinsame Verantwortung und eine engere Koordination der Wirtschaftspolitik erfordere, erklärten sie. Der Ruf nach einer Schuldenbremse in den Verfassungen der einzelnen Eurostaaten sei eine starke politische Verpflichtung auf eine langfristige Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen, erklärten Barroso und Rehn.

Baldiger Vorschlag angekündigt

Eine Finanztransaktionssteuer schliesslich sei ein wichtiges Instrument, um sicherzustellen, dass der Finanzsektor einen gerechteren Beitrag zu den öffentlichen Kassen leiste. Die EU-Kommission werde dazu bald einen Vorschlag vorlegen. Merkel und Sarkozy hatten sich gestern in Paris unter anderem für die Verankerung einer Schuldenobergrenze in der Verfassung aller Euro-Staaten ausgesprochen.

Ausserdem wollen sie eine Wirtschaftsregierung für die Eurozone einrichten. Beide Länder streben auch eine Finanztransaktionssteuer an sowie eine gemeinsame deutsch-französische Körperschaftssteuer.

Finanzmärkte vom Treffen enttäuscht

Nach dem Treffen der beiden europäischen Schwergewichte Merkel und Sarkozy hat der Euro an der Börse in Tokio an Wert verloren. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde an der wichtigsten asiatischen Börse am Mittwochvormittag für 1,4352 Dollar gehandelt. Bei Börsenschluss in New York gestern Abend hatte der Kurs des Euro noch bei 1,4406 Dollar gelegen.

Händler machten für die Entwicklung das verlangsamte Wachstum in der Eurozone und die ihrer Meinung nach unzureichenden Resultate des Pariser Treffens verantwortlich. «Das deutsch-französische Treffen hat keine einzige klare Lösung gebracht», sagte Nobuyoshi Kuroiwa von der Bank Hachijuni in Tokio. «Das führt zu Euro-Verkäufen an den Märkten.»

Asiatische Börsen uneinheitlich

Vor dem Hintergrund schwacher Konjunkturdaten aus den Staaten der Eurozone haben die asiatischen Börsen uneinheitlich eröffnet. Der japanische Nikkei-Index lag mit 0,3 Prozent im Minus, während der australische Leitindex um 1,6 Prozent zulegte. Auch die Börsen in Indien und Singapur notierten fester. Die Kurse in China, Taiwan, den Philippinen und Malaysia gaben dagegen nach.

Angst vor einem globalen Konjunkturabschwung hatte gestern weltweit zu einem Rückgang der Börsenkurse geführt. Enttäuschende Daten zum deutschen Bruttoinlandprodukt (BIP) liessen den DAX wieder unter die Marke von 6000 Punkten rutschen, der Dow-Jones-Index gab um 0,7 Prozent nach.

dapd/ami/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch