Aufmarsch von 45'000 Katalanen

Unter dem Motto «Wach auf, Europa!» haben am Donnerstag Tausende Katalanen in Brüssel für die Unabhängigkeit Kataloniens und für mehr Unterstützung durch die EU demonstriert.

Grossdemonstration für Katalonien: Tausende Katalanen verwandelten Brüssels Europaviertel gestern in ein gelb-rot-blaues Fahnenmeer.

Grossdemonstration für Katalonien: Tausende Katalanen verwandelten Brüssels Europaviertel gestern in ein gelb-rot-blaues Fahnenmeer. Bild: Keystone

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Niemand zu klein, eine Independista zu sein: Die sechsjährige Laura reiste mit ihren Eltern Jorge und Stefania über 1200 Kilometer weit, um in Brüssel gegen die spanische Zentralregierung zu demonstrieren. Über 45'000 Landsmänner taten es ihr gleich und tauchten das Europaviertel rund um EU-Kommission und EU-Parlament am Donnerstag in ein Meer katalanischer Flaggen. «Wir sind hier, um für die Freiheit unserer gewählten Politiker zu kämpfen», sagt die 29-jährige Anna, die mit drei Kolleginnen aus Barcelona in einem der Hunderten Reisecars angereist war.

«EU soll etwas unternehmen»

Vor den gewaltsamen Übergriffen der spanischen Polizei am Tag des Referendums habe sie sich kaum für die Unabhängigkeit interessiert. Nun führe kein Weg an der Abspaltung vom «undemokratischen Spanien» vorbei, so die Studentin. Die 66-jährige Maria meint: «Wir wollen, dass die EU uns nicht länger ignoriert und endlich etwas gegen die Ungerechtigkeit der Regierung von Mariano Rajoy unternimmt.»

Das garstig-winterliche Brüssel-Wetter mit Wind, Regen und Kälte konnte ihre Stimmung nicht trüben: Lautstark sangen die Katalanen Sprechchöre und schwenkten das rot-gelbe Sternenbanner. Die Waffelverkäufer im Jubelpark, von wo der Umzug seinen Ausgang nahm, dürften das Geschäft ihres Lebens gemacht haben.

Auf der Abschlusskundgebung trat endlich auch der abgesetzte Regionalpräsident Carles Puigdemont auf. Er wurde von den Katalanen wie ein Rockstar empfangen. Direkt an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gewandt, sagte er: «Haben Sie jemals irgendwo auf der Welt eine solche Demo zur Unterstützung von Kriminellen gesehen? Nein. Das liegt daran, dass wir keine Kriminellen, sondern Demokraten sind.» Nachdem der oberste spanische Gerichtshof den EU-Haftbefehl gegen ihn aufgehoben hat, fühlt sich Puigdemont schon als Sieger.

Er werde aber so lange in Belgien bleiben, wie es nötig sei, sagte er auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Zudem verlangte er Garantien, dass die Regierung in Madrid das Resultat der Regionalwahlen am 21. Dezember respektiert.

Immer noch Politiker in Haft

Dass sie genau das nicht tun werde, davon waren am Donnerstag viele Demonstranten überzeugt. Solange die einflussreichen Unabhängigkeitspolitiker Jordi Sanchéz und Jordi Cuixart weiter in Haft seien, könne es gar keine freien Wahlen geben, hiess es. Dass Katalonien mit dem Unabhängigkeitsreferendum klar gegen die spanische Verfassung verstossen habe, gilt bei den Demonstranten nicht als Argument. «Jedes Volk hat das Recht auf seine Selbstbestimmung», sagt etwa der 42-jährige José aus der Region Girona. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.12.2017, 07:55 Uhr

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