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Arbeitslosigkeit, dieses Krebsübel Frankreichs

Frankreichs Arbeitsreform, die Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch präsentieren wird, ist sehr politisch. Ihre Grundidee ist es, den Firmen in wichtigen arbeitsrechtlichen Fragen eine grössere Unabhängigkeit einzuräumen.

Arbeitslose melden sich auf dem Arbeitslosenamt in Marseille an.
Arbeitslose melden sich auf dem Arbeitslosenamt in Marseille an.
Keystone

Wer hat recht? In Frankreich hat recht, wer an die Arbeitslosigkeit denkt. Sie ist das eigentliche Krebsübel des Landes. Vielleicht gerade deshalb wird sie gerne verdrängt. Denn seltsam ist: Obwohl die Medien und Politiker täglich darüber debattieren, herrscht kein wirkliches Bewusstsein darüber, was «le chômage» in Frankreich wirklich anrichtet.

Nur zwei Zahlen: Laut dem nationalen Statistikamt Insee ist die steigende Armut – 14,3 Prozent der französischen Gesamtbevölkerung – «hauptsächlich» auf die Zunahme der Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Und laut dem nationalen Gesundheitsamt Inserm sterben in Frankreich jährlich 10'000 bis 14'000 Arbeits­lose, besonders häufig an Krebs und chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, an Tabak und Alkohol, an Depressionen, Angstgefühlen und Stress.

Hinter diesen Zahlen stecken Abgründe individueller und familiärer Dramen. Verbunden sind diese mit massivensozialen, gesellschaftlichen (Stichwort Banlieue) und politischen (Le Pen) Folgen.

Die Massenarbeitslosigkeit ist auch ein Problem der sozialen Gerechtigkeit: Millionen von einfachen Franzosen bleiben faktisch vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Die vielen Einwände gegen die Reform mögen in Ländern mit Vollbeschäftigung gelten; in Frankreich herrscht aber sozialer Notstand: Zuerst müssen all die Ausgegrenzten in den Vorstädten und verarmten Landgegenden in das «System» zurückgeholt werden.

Macron ist zugutezuhalten, dass er ­anders als seine Vorgänger nicht nur schöne Worte dagegen findet. Deshalb – das heisst aus sozialen, nicht liberalen Gründen – verdient seine Reform Zu­stimmung.

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