Amris Tatwaffe war in der Schweiz zugelassen

Die Hinweise verdichten sich, dass die beim Attentat in Berlin verwendete Pistole in der Schweiz erworben wurde. Der Fall Anis Amri beschäftigt mittlerweile auch Bern.

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Der Berliner Weihnachtsmarkt-Terrorist Anis Amri soll seine Tatwaffe in der Schweiz gekauft haben. Dies hatte der deutsche Fernsehsender ZDF mit Berufung auf Schweizer Ermittlerkreise berichtetet. Wie Recherchen der «Sonntagszeitung» bestätigen, führt die letzte offizielle Spur der Waffe tatsächlich in die Schweiz.

So soll der Erwerbsschein ursprünglich auf eine hier wohnhafte Person ausgestellt worden sein. Wie die Waffe später in die Hände des Terroristen gelangen konnte, ist noch Teil der Ermittlungen.

Mit der Waffe erschoss Amri einen polnischen Lastwagenfahrer, später benutzte er sie in einer Schiesserei mit der Polizei in Mailand. Ausserdem ergeben die Auswertungen des Handys von Anis Amri, dass er mehrfach in der Schweiz war und auch mit mehreren Personen in der Schweiz Kontakt hatte.

Pistole vermutlich illegal erworben

Laut der «Zentralschweiz am Sonntag» ist die Tatwaffe von Berlin ist in der Schweiz für wenig Geld in Internetshops zu erwerben. Diese beziehen sich allerdings auf legal gehandelte Pistolen. Für diese ist in der Schweiz ein Erwerbsschein nötig, den die kantonalen Behörden spezifisch für die zu kaufende Waffe ausstellen. Zudem muss der Käufer einen Pass vorweisen. Der Besitzerwechsel muss dem Kanton und je nach Käufer auch dem Bund gemeldet werden und wird registriert.

Es ist zwar denkbar, dass Amri sich mit gefälschten Dokumenten behalf. Doch wahrscheinlicher ist, dass er sich eine illegale Pistole kaufte. Rund 1,2 Millionen Schusswaffen sind in den Schweizer Registern eingetragen. Gemäss einem Bericht der angesehenen Genfer Organisation Small Arms Survey von 2014 dürften aber knapp dreimal so viele Waffen im Umlauf sein.

Damit dürfte auch die jüngste Verbesserung der Waffenkontrolle den Behörden im Fall Amri nicht weiterhelfen. Seit November 2016 kann die Polizei mit einer einzigen Suche sämtliche kantonalen Register durchsuchen und den aktuellen Inhaber ausfindig machen, was Nachforschungen vereinfacht.

Fall Amri Traktandum in Bern

Mit dem Fall des Berliner Attentäters Anis Amri wird sich die Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments auseinandersetzen. «Wir werden den Fall bei unserem nächsten Treffen mit dem Bundesanwalt besprechen», sagt der Schwyzer Ständerat Alex Kuprecht in der «Zentralschweiz am Sonntag». Kuprecht ist Präsident der Geschäftsprüfungsdelegation des parlamentarischen Aufsichtsorgans über den Geheimdienst.

Laut Kuprecht funktioniert der Informationsfluss zwischen dem Schweizer Nachrichtendienst und dem Partnerdienst in Deutschland sehr gut. «Wie die Informationen im Fall von Anis Amri ausgetauscht wurden, werden wir anschauen», sagt Kuprecht. «Es ist allerdings denkbar, dass die deutschen Dienste selbst nicht über alles Wissen verfügten.»

chi

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