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«Alle im Arm von Berlusconi, halbnackt»

Während Silvio Berlusconi sich über die jüngsten Vorwürfe amüsiert zeigt und von einem Theater der Medien spricht, zitieren diese genüsslich weiter aus dem Untersuchungsbericht der Mailänder Staatsanwaltschaft.

«Ich bin dann doch nicht Superman»: Silvio Berlusconi streitet weiterhin alles ab.
«Ich bin dann doch nicht Superman»: Silvio Berlusconi streitet weiterhin alles ab.

«Zurücktreten? Spinnt Ihr? Ich amüsiere mich bestens», sagte der italienische Premier Silvio Berlusconi gestern zu Journalisten vor einem Treffen mit Parlamentariern. Der Staatsanwalt in Mailand habe «krasse Fehler» begangen. «Der ganze Fall ist mehr ein Medientheater als eine rechtliche Sache», so Berlusconi gut gelaunt. Er wiederholt sich, er habe nie für Sex bezahlt. Und er habe auch nicht 24 Geliebte gehabt: «Ich möchte wissen, wie ich das gemacht hätte. Ich bin dann doch nicht Superman», kokettierte der Cavaliere laut Adnkronos.com.

Ein anderes Bild liefere der Untersuchungsbericht der Mailänder Staatsanwaltschaft, schreibt «La Stampa». «Wer anrüchige Fotos und Aufnahmen von «Bunga-Bunga»-Parties in Arcore erwartet hat, ist zwar enttäuscht», aber der 389-seitige Untersuchungsbericht, der der Abgeordnetenkammer vorliegt, sei süffisant genug.

Dokumente belegen das Ausmass des Sex-Skandals

«Beigefügt sind Karten, Bankbelege, Kopien von 500-Euro-Banknoten, Mietzinsbelege, Polizeirapporte, medizinische Gutachten, Einvernahme- und Abhörprotokolle, die besser als viele Fotos erklären, was in Arcore geschah und was in der Nacht vom 27. auf den 28. März letzten Jahres auf dem Polizeipräsidium in Mailand für die «Befreiung» von Karima-Ruby «Rubacuori» passiert ist.» Berlusconi hatte sich da persönlich dafür eingesetzt, dass Ruby, die wegen Diebstahls festgenommen worden war, auf freien Fuss gesetzt wurde. Sie sei eine Nichte des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, log Berlusconi.

Berlusconi habe die Frauen sehr wohl bezahlt, berichten italienische Medien. Aufschlussreich sei ein Telefonat von Ruby mit Giuseppe «Spin» Spinelli, dem Kassier Berlusconis. «Hallo, Herr Spinelli, ich bins, Ruby….». Spinelli: «Ja, äh, noch keine Nachricht, vielleicht heute Abend….». Ruby: «Ja, ja, nein, nein, ich weiss, ich weiss. Ich wollte sagen, vergessen Sie bitte nicht, mit ihm zu sprechen…..».

Gespielinnen des «Boss der Bosse»

Die Abhörprotokolle und die Banküberweisungen von «Spin», wie ihn die Frauen der Via Olgettina in Mailand nannten, seien mehr wert als tausend Fotos, schreibt «La Stampa». Ruby wusste offenbar, an wen sie sich wenden musste, um Geld zu bekommen. Von Februar bis Mai 2010 sei sie eine der Favoritinnen Berlusconis in seinem Harem gewesen. Nicole Minetti, eine regionale Abgeordnete von Berlusconis Partei, welche die Wohnungen für die Gespielinnen des «Boss der Bosse» verwaltete, sandte die Rechnungen jeweils an «Spin». Der zahlte alles, aber nur, wenn ihn die Frauen mit «Präsident» anredeten

Besonders schwer wiegt für Berlusconi, dass er offenbar doch wusste, dass Ruby minderjährig war, als er sie kennen lernte. Laut «Corriere della Sera» liegen Abhörprotokolle vor, die das belegen. «Sie wissen jetzt, dass ich Silvio frequentiere», habe Ruby in einem Telefonat vom 7. September 2010 gesagt, nachdem sie von der Staatsanwaltschaft einvernommen worden war. «Aber ich habe abgestritten, dass Silvio weiss, dass ich minderjährig bin (….) weil ich ihm keinen Ärger machen will.» In einem anderen Telefonat vom 26. Oktober habe Ruby gesagt: «Ich frequentiere sein Haus seitdem ich 16 bin.»

Orgien in Arcore

Was denn an den Partys in Arcore passiert sei, fragt der «Corriere della Sera» und liefert gleich selbst die Antwort. Weil kein Filmmaterial vorhanden sei, verlasse man sich auf die Abhörprotokolle der Staatsanwaltschaft. «Drei Männer und 28 Frauen... machten dort drin eine Orgie... Alle im Arm von Berlusconi, halbnackt … und die Minetti mit entblösster Brust küsste Berlusconi fortwährend, eigentlich eine Hurerei, nicht? Und drei sind dann mit Berlusconi ins Bett», lautet eines der Beispiele, das ein Teilnehmer einer Freundin erzählt haben soll.

Der Vatikan hat Berlusconi unterdessen seinen Segen entzogen. Im Parlament stehen einige doch noch zu ihrem Cavaliere. Die Entscheidung, ob die Mailänder Staatsanwaltschaft seine Büros durchsuchen darf, wurde auf nächsten Dienstag verschoben. Etliche Parlamentarier teilen Berlusconis Ansicht, dass die Mailänder Staatsanwaltschaft gar nicht für ihn zuständig sei. Bis dahin dürften die italienischen Medien noch viele süffisante Details aus dem Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft veröffentlichen.

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