Zum Hauptinhalt springen

Alexei Nawalny auf Weg zu Demonstration festgenommen

Der heute zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Kremlkritiker hat gegen seinen Hausarrest verstossen. Bei Protesten wurden offenbar mehr als 130 Personen verhaftet.

Protest gegen die als politisch eingestufte Verurteilung des Anti-Korruptionsaktivisten Alexei Nawalny: Polizisten umringen Demonstranten in Moskau. (30. Dezember 2014)
Protest gegen die als politisch eingestufte Verurteilung des Anti-Korruptionsaktivisten Alexei Nawalny: Polizisten umringen Demonstranten in Moskau. (30. Dezember 2014)
Alexander Nemenov, AFP
Gegen Hausarrest verstossen: Kremlkritiker Alexei Nawalny auf dem Weg zur Demonstration, wo er nach seiner Verurteilung festgenommen wurde. (30. Dezember 2014)
Gegen Hausarrest verstossen: Kremlkritiker Alexei Nawalny auf dem Weg zur Demonstration, wo er nach seiner Verurteilung festgenommen wurde. (30. Dezember 2014)
Reuters
Der Oppositionelle kam im Sommer 2013 unerwartet auf Bewähtung frei: Alexei Nawalny werden die Handschellen abgenommen. (19. Juli 2013)
Der Oppositionelle kam im Sommer 2013 unerwartet auf Bewähtung frei: Alexei Nawalny werden die Handschellen abgenommen. (19. Juli 2013)
Reuters
1 / 9

Der unabhängige Fernsehsender Doschd übertrug Bilder von der Festnahme des 38-jährigen Anwalts und Bloggers auf offener Strasse. Nawalny steht seit Februar unter Hausarrest. Polizisten packten ihn in der Nähe des Maneschnaja-Platzes unweit des Kremls und bugsierten ihn in einen Polizeibus.

Nawalny wurde von der Polizei wieder nach Hause gebracht. Polizisten hätten ihn zu seiner Wohnung gefahren, teilte er über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Mehrere Beamte seien dort geblieben und würden vor seiner Tür darüber wachen, dass er seine Wohnung nicht verlasse.

Am Morgen verurteilt, am Abend festgenommen: Der Oppositionelle Alexei Nawalny. (Video: Reuters)

Zu der Demonstration, zu der Nawalny aufgerufen hatte, versammelten sich trotz Warnungen der Sicherheitsbehörden Tausende Menschen. Die Punkband «Pussy Riot» unterstützte sie mit einem Video. Die Demonstranten riefen: «Wir sind die Macht!» und «Ihr könnt uns nicht alle einsperren». Einige zeigten Sympathie für die Ukraine. Die Polizei drängte sie, sich zu zerstreuen und nahm gemäss Angaben der Menschenrechtsorganisation OVD-Info 132 Menschen fest. Die Demonstration verlief weitgehend friedlich. Nawalny bestätigte via Twitter, dass er in seine Wohnung gebracht worden sei.

Keinen Zugang zum Gericht

Ein Gericht in Moskau hatte Alexei Nawalny am Morgen wegen Betrugs zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Sein Bruder Oleg Nawalny muss für den gleichen Zeitraum ins Gefängnis. Die Europäische Union kritisierte das Urteil. Es «scheint eine politische Motivation zu haben», erklärte eine Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel.

«Die Anschuldigungen gegen sie wurden während des Prozesses nicht untermauert», hiess es in der schriftlichen Stellungnahme. «Mit Ausnahme einiger ausgewählter Medienvertreter hatten weder die Öffentlichkeit noch internationale Beobachter Zugang zum Gericht zur Verlesung des Urteils.»

Demonstration im Zentrum von Moskau

Die Brüder sollen laut Anklage den französischen Kosmetikkonzern Yves Rocher um fast 27 Millionen Rubel (laut damaligem Wechselkurs knapp eine halbe Million Euro) betrogen haben, als das Unternehmen ihren Vertriebsdienst benutzte. Der prominente Blogger und Anwalt Alexei Nawalny weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Der 38-Jährige rief seine Unterstützer auf, sich an einer Demonstration gegen Präsident Wladimir Putin im Zentrum von Moskau zu beteiligen.

Am Nachmittag machte sich Nawalny trotz seines Hausarrests nach eigenen Angaben selbst auf den Weg zur Demonstration. «Ja, der Hausarrest gilt noch, aber heute habe ich zu grosse Lust bei Euch zu sein», teilte er auf Twitter mit. «Deshalb werde ich auch zur Demonstration gehen.» Die Moskauer Behörden hatten zuvor angekündigt, die Polizei werde «jede nicht genehmigte Kundgebung» auflösen. Im sozialen Online-Netzwerk Facebook hatten 18.000 Menschen ihre Teilnahme angekündigt.

(AFP/sda)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch