Wegen der Homo-Ehe ist in Liechtenstein der Teufel los

Die Regierung und das Parlament des Fürstentums Liechtenstein wollen den Weg freimachen für die Registrierung gleichgeschlechtlicher Paare. Katholisch-konservative Kreise laufen Sturm gegen das neue Gesetz.

«Praktizierte Homosexualität ist objektiv eine schwere Sünde»: Erzbischof Wolfgang Haas.

«Praktizierte Homosexualität ist objektiv eine schwere Sünde»: Erzbischof Wolfgang Haas.

(Bild: Keystone)

Der Vaduzer Erzbischof Wolfgang Haas gab den Tarif vor drei Jahren durch, nachdem das Parlament eine Motion zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare an die Regierung überwiesen hatte. «Praktizierte Homosexualität ist objektiv eine schwere Sünde, deren rechtliche Anerkennung geradezu einen Skandal darstellen würde», diktierte der Oberhirte der Tageszeitung «Liechtensteiner Vaterland».

Der Skandal ist am Donnerstag ein Stück näher gerückt. Der 25-köpfige Landtag trat auf die Regierungsvorlage zum neuen Partnerschaftsgesetz ein. Gleichgeschlechtliche Paare sollen ihre Beziehung im Fürstentum registrieren lassen können. Verabschiedet wird das Gesetz später, in der in Liechtenstein üblichen zweiten Lesung.

Im katholisch geprägten Kleinstaat sind in den letzten Wochen die Wogen wegen des neuen Gesetzes hochgegangen. Leserbriefe, Streitgespräche und Gastkommentare gab es zum Thema, aufgeschlossene Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner lieferten sich einen Schlagabtausch mit Leuten aus dem katholisch-konservativen Milieu.

«Homosexuelle sind zur Keuschheit aufgerufen»

Gleich geblieben in Sachen Partnerschaftsgesetz ist die Haltung des Erzbistums Vaduz. Generalvikar Markus Walser nahm in Stellvertretung von Erzbischof Wolfgang Haas Stellung und schrieb, die Heilige Schrift bezeichne homosexuelle Handlungen als «schlimme Abirrung».

Homosexuelle Menschen seien aus der Sicht der katholischen Kirche zur Keuschheit aufgerufen. Das bedeute, «sie sollen sich durch die Tugenden der Selbstbeherrschung und der sexuellen Enthaltsamkeit der christlichen Vollkommenheit annähern». Letztlich geht es dem Erzbistum um nichts weniger als um den «Fortbestand der Gesellschaft, den allein die auf der Ehe begründete Familie und nicht eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft garantieren kann».

«Untergang vorprogrammiert»

Sekundiert wird das Erzbistum von der konservativen Laienbewegung Credo. Deren Vorsitzender, Hans Gassner, kämpft an allen Fronten gegen das neue Gesetz. Auch ihm geht es um ganz Grundsätzliches: «Wenn Moral und Ethik in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr finden, so ist der Untergang vorprogrammiert», schrieb er in einem Leserbrief.

Selbst der ehemalige Ski-Weltcupfahrer Marco Büchel mischt sich in die Diskussion ein. In einem Gastkommentar im «Liechtensteiner Volksblatt» wandte er sich am Donnerstag direkt an die Credo-Mitglieder: «Meiner Ansicht nach sind Ihre Ansichten nicht nur verstaubt, sondern auch noch menschenverachtend und diskriminierend.» «Wir sollten mit der Heuchelei aufhören», schrieb Büchel weiter. Bei einer Scheidungsrate von mehr als 60 Prozent habe er Mühe, die traditionelle Ehe über alles zu stellen.

pbe/sda

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