Salvini erwägt Kandidatur als EU-Kommissionspräsident

Der italienische Innenminister und EU-Skeptiker denkt über einen Wechsel nach Brüssel nach. Die AfD begrüsst dies.

Matteo Salvini steht an einem Polizei-Fest in Rom neben einem Scharfschützengewehr. (10. Oktober 2018)

Matteo Salvini steht an einem Polizei-Fest in Rom neben einem Scharfschützengewehr. (10. Oktober 2018) Bild: Remo Casilli/Reuters

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Der italienische Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini erwägt, als Spitzenkandidat einer rechtspopulistischen Parteienallianz bei der EU-Wahl anzutreten und damit für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten.

«Freunde aus verschiedenen europäischen Ländern haben mich darum gebeten, sie haben es mir vorgeschlagen», sagte der Chef der rechtsnationalistischen Lega in einem Interview mit der Zeitung «La Repubblica» vom Donnerstag.

Gespräche mit «polnischen und ungarischen Freunden»

«Es freut mich, dass sie in mir auch ausserhalb Italiens einen Anhaltspunkt zum Schutz der Völker sehen», sagte Salvini. Jedenfalls sei es noch zu früh, um über seine Kandidatur zu sprechen. «In dieser Zeit habe ich wegen Haushaltsentwurf, Europa- und Migrationspolitik keine Zeit gehabt, um über den Vorschlag einer Kandidatur nachzudenken. Der Mai ist noch weit entfernt. Ich überlege es mir noch», sagte der Innenminister.

Derzeit führe er Gespräche mit den «polnischen und ungarischen Freunden». «Ich habe persönlich den Dialog in die Wege geleitet. Wir arbeiten zusammen», sagte Salvini.

Der Vizepremier und Innenminister, der einen scharfen Rechtskurs in der italienischen Migrationspolitik fährt, erklärte, er sei über die Zahl der europakritischen Italiener nicht überrascht, die laut einer Umfrage des Eurobarometers auf 44 Prozent gestiegen sei. «Sollte Brüssel unseren Haushaltsentwurf ablehnen, würde der Anteil der Euroskeptiker in Italien auf 70 Prozent steigen», warnte Salvini.

«Die Bürokraten in Brüssel wissen, dass sie in sechs Monaten nach Hause gehen müssen. Nach den EU-Wahlen wird auch in Europa der Wind des Wandels wehen», so Salvini.

AfD begeistert

Die Alternative für Deutschland (AfD) begrüsste Salvinis Überlegungen. «Ich halte Salvini sowohl als italienischen Innenminister für eine ideale Besetzung als auch, dass ich mir vorstellen könnte, dass Salvini eine tragende Rolle in europäischen Institutionen übernimmt», sagte AfD-Chef Jörg Meuthen der Nachrichtenagentur Reuters.

Meuthen ist derzeit der einzige AfD-Abgeordnete im Europa-Parlament. Er will für seine Partei als Spitzenkandidat bei der Europa-Wahl antreten. «Salvini wäre ein allemal deutlich besserer Kommissionspräsident als Weber», sagte Meuthen mit Blick auf die Bewerbung des deutschen CSU-Politikers Manfred Weber um dieses Amt.

Meuthen gehört der EU-skeptischen Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (EFDD) an. Zu dieser Parteienfamilie zählen neben der AfD unter anderem die britische Brexit-Partei Ukip, die italienische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistischen Schwedendemokraten. Die Europawahl findet vom 23. bis 26. Mai statt. (sep/sda)

Erstellt: 18.10.2018, 13:40 Uhr

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