Russische Truppen stürmen ukrainisches Kriegsschiff

Auf dem Donuslaw-See haben russische Soldaten das urkainische Marineschiff Kostjantyn Olschanskiy gestürmt. Moskaus Aussenminister Lawrow führte ein Krisengespräch mit dem ukrainischen Kollegen.

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Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hat sich in Den Haag mit seinem ukrainischen Kollegen Andrej Deschtschyzja zu einem Krisengespräch getroffen. Wie das russische Aussenministerium mitteilte, fand das Treffen am Rande des Atomsicherheitsgipfels statt.

Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle aus der russischen Delegation gemeldet, Lawrow habe einem Treffen zugestimmt. Deschtschyzja hatte zuvor erklärt, er hoffe auf ein Gespräch mit Lawrow, um «darüber zu diskutieren, wie wir (die Krise) friedlich lösen können». Es ist zwischen beiden Seiten das ranghöchste Gespräch seit Beginn der Krise.

Marineschiff gestürmt

Russische Truppen haben derweil ein ukrainisches Marineschiff auf dem Donuslaw-See im Nordwesten der Halbinsel Krim angegriffen. Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, waren Schüsse zu hören, als sich ein russisches Schiff der Kostjantyn Olschanskiy näherte. Ausserdem stieg eine Rauchwolke auf.

Der ukrainische Militärsprecher auf der Krim, Wladislaw Selesnew, sagte, die Besatzung des Landungschiffes habe Rauchgranaten abgefeuert, um sich zu verteidigen. Seinen Angaben zufolge gingen die Angreifer trotzdem an Bord, die Besatzung schloss sich im Inneren des Schiffes ein.

Die Kostjantyn Olschanskiy war eines der letzten ukrainischen Kriegsschiffe auf der Krim, die noch nicht unter russischer Kontrolle waren.

Kiew zieht Soldaten aus der Krim ab

Das ukrainische Militär überlässt Russland die Krim und soll nun die Halbinsel verlassen. Übergangspräsident Alexander Turtschinow ordnete den Abzug der Soldaten von an. Russland hatte in den vergangenen Tagen systematisch Militäranlagen und ukrainische Kriegsschiffe besetzt.

Turtschinows Büro teilte mit, das Verteidigungsministerium sei angewiesen worden, Soldaten von der Krim auf das ukrainische Festland zu verlegen. In einer Rede vor Abgeordneten in Kiew sagte er, die Militärangehörigen würden mit ihren Familien angesichts nicht näher beschriebener Bedrohungen durch russische Besatzungstruppen von der Krim abgezogen.

Militäreinrichtungen gestürmt

In den vergangenen Tagen haben russische Kräfte mehrere Militäreinrichtungen auf der Krim gestürmt. Am Montag wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums eine Marinebasis nahe der Hafenstadt Feodossija eingenommen. Die Russen hätten bis zu 80 ukrainische Soldaten festgehalten. Zwei verletzte Ukrainer seien per Hubschrauber weggebracht worden, hiess es.

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu besuchte die Schwarzmeerflotte auf der Krim. Dort sprach er mit ukrainischen Soldaten, die er mit den Vorzügen eines Übertritts in die russischen Streitkräfte umwarb. Den früheren Chef der ukrainischen Marine, Denis Beresowski, ernannte Schoigu zum stellvertretenden Befehlshaber der Schwarzmeerflotte.

Beresowski war erst am 1. März von Kiew zum Chef der Marine ernannt worden. Am folgenden Tag übergab er die Basis in Sewastopol dem russischen Militär. In der Ukraine ist er wegen Hochverrats angeklagt.

Die internationale Gemeinschaft hält indessen an der Isolierung Russlands fest. Es werde ganz bestimmt keinen G8-Gipfel dieses Jahr in Russland geben, sagte der britische Premierminister David Cameron bei einem eilig am Rande eines Gipfels zur Atomsicherheit in Den Haag einberufenen G7-Treffen. US-Präsident Barack Obama machte bei seiner Ankunft deutlich, dass Russland für sein Verhalten auf der Krim einen Preis werde zahlen müssen.

Einreiseverbot für kanadische Abgeordnete

Die Regierung in Moskau reagierte erneut auf Sanktionen des Westens wegen der Krim-Krise und sprach Einreiseverbote gegen 13 kanadische Abgeordnete aus. Darunter sind Andrew Scheer, der Vorsitzende des Unterhauses, und Peter Van Loan, der Chef der Regierungsfraktion.

Dieser Schritt sei eine Antwort auf die «nicht hinnehmbare Handlung der kanadischen Seite», die den bilateralen Beziehungen geschadet habe, teilte Aussenminister Sergej Lawrow am Montag mit. Es hiess jedoch weiter, Russland bleibe offen für «konstruktive» Zusammenarbeit mit Kanada.

Mehrere westliche Staaten, vor allem die USA und die EU, hatten nach der Abspaltung der Krim von der Ukraine Sanktionen gegen Spitzenpolitiker und Vertraute von Präsident Wladimir Putin beschlossen. Kanada hatte sich bei seinen Strafmassnahmen an denen der USA orientiert. (mrs/AFP/sda)

Erstellt: 24.03.2014, 08:48 Uhr

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