Wähler hieven Strache und Berlusconi ins Europaparlament

Trotz des «Ibiza-Skandals» hat der ehemalige FPÖ-Chef nach der Europawahl ebenso Anspruch auf ein Mandat wie der Ex-Regierungschef Italiens.

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Der FPÖ-Politiker hat bei der Europawahl einen Sitz im Parlament erreicht. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA am Montag meldete, gaben mehr als 33'500 Wähler dem früheren Vizekanzler ihre sogenannte Vorzugsstimme.

Dadurch kann er trotz des «Ibiza-Skandals» per Direktmandat in das EU-Parlament einziehen. Ob er das auch tut, war allerdings noch unklar. Vorzugsstimmen sind eine Besonderheit des österreichischen Wahlrechts, mit denen die Wähler auch für einzelne Kandidaten unabhängig ihres Listenplatzes votieren können.

Bereits nach Auszählung eines Teils der Vorzugsstimmen hatte Strache laut APA die nötige Anzahl von 33'000 erreicht. Ob er das Mandat auch annimmt, war vorerst allerdings unklar: Aus der FPÖ war dazu keine Auskunft zu erhalten. Strache hatte lediglich auf Listenplatz 42 gestanden – dem letzten seiner Partei.

Trotz des Skandals verzeichnete die FPÖ bei der Europawahl am Sonntag nur leichte Verluste. Das offizielle Auszählungsergebnis aller Vorzugsstimmen sollte erst am Dienstag oder Mittwoch vorliegen.

Berlusconi, Wiener, türkischer Zyprer und Flüchtlingsretter

Eine Fernsehköchin, ein türkischer Zyprer und ein Arzt, der Flüchtlinge rettet: Ins neue Europaparlament werden einige aussergewöhnliche Abgeordnete einziehen:

Pietro Bartolo: Der Arzt von der süditalienischen Insel Lampedusa setzt sich seit Jahren für die Rettung von Flüchtlingen ein. Sein Engagement wurde in dem Dokumentarfilm «Fuocoammare» einem breiteren Publikum bekannt. Nun zieht der 63-Jährige ins Europaparlament ein. Gewählt wurde er auf der Liste der Mitte-Links-Partei Partito Democratico.

Silvio Berlusconi: Der wegen Steuerbetrugs verurteilte ehemalige italienische Regierungschef kehrt dank der EU-Wahl - er kandidierte auf der Liste seiner konservativen Partei Forza Italia - ins Parlament zurück. An der italienischen Parlamentswahl im Frühling konnte der Medienunternehmer und Milliardär wegen eines 2013 verhängten mehrjährigen Ämterverbots nicht teilnehmen. Das Verbot wurde dann aufgehoben, wenig später kündigte der in zahlreiche Skandale verwickelte Unternehmer seine Kandidatur für das Europaparlament an. Er habe sich dazu trotz seines hohen Alters entschlossen, weil Europa eine «tiefgreifende Version für die Welt» fehle, hatte der 82-Jährige im Wahlkampf gesagt.

Niyazi Kizilyürek: Als erstem türkischen Zyprer gelang dem Historiker der Sprung ins Europaparlament - eine Premiere in der Geschichte der geteilten Mittelmeerinsel. Der Professor wurde auf der Liste der linken griechisch-zyprische Partei Akel gewählt. Als Abgeordneter werde er «für alle Zyprer sprechen», versicherte Kizilyürek. Er wolle helfen, die Teilung Zyperns zu überwinden. Die Insel ist seit einer türkischen Militärintervention im Jahre 1974 geteilt. Kizilyürek führte sowohl im türkischen Norden als auch im zypriotischen Süden Wahlkampf und warb dabei für die Wiedervereinigung.

Sarah Wiener: Bekannt wurde die 56-jährige Köchin vor allem durch die Serie «Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener»: Im Auftrag des Kultursenders Arte fuhr sie 2007 mit ihrem roten VW-Kabriolett durch Frankreich und liess sich in die Geheimnisse der französischen Regionalküche einweihen. Später folgten ähnliche kulinarische Touren durch die Alpen und durch Grossbritannien. Nun will die Tochter des Schriftsteller Oswald Wiener, die in Berlin drei Restaurants betreibt, den Kochlöffel erst Mal zur Seite legen. Sie wurde auf der Liste der österreichischen Grünen gewählt.

Orial Junqueras und Carles Puigdemont: Vor zwei Jahren machten sie sich gemeinsam für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien stark - dann trennten sich unfreiwillig ihre Wege. Puigdemont suchte in Belgien Zuflucht vor der spanischen Justiz, Junqueras blieb im Lande und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Beide erhielten bei der Europawahl nun ein Mandat. Sie könnten im Strassburger Parlament die Europäische Freie Allianz (EFA), einen Zusammenschluss von regionalen Parteien aus mehreren Ländern, vertreten. Ob sie ihre Mandate antreten können, ist aber unklar: Das spanische Wahlrecht schreibt vor, dass EU-Abgeordnete zu Beginn ihres Mandats in Madrid auf die Verfassung schwören müssen.

nag/sda

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