Mord an Georgier: Berlin weist zwei russische Diplomaten aus

Die Tötung eines früheren Tschetschenien-Kämpfers hat diplomatische Folgen. Die ausgewiesenen Russen sollen für den Militärgeheimdienst arbeiten.

Beamte sichern Spuren am Tatort im Tiergarten. Bild: Paul Zinken (Keystone)

Beamte sichern Spuren am Tatort im Tiergarten. Bild: Paul Zinken (Keystone)

Deutschland weist nach dem Mord an einem Tschetschenen mit georgischem Pass zwei russische Diplomaten aus. Sie seien mit sofortiger Wirkung zu unerwünschten Personen erklärt worden, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen zu dem mutmasslichen Auftragsmord in Berlin übernommen. Er verfolgt den Anfangsverdacht, dass staatliche Stellen in Russland oder der autonomen Republik Tschetschenien dahinterstecken, wie die Karlsruher Behörde mitteilt.

Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung handelt es sich bei den ausgewiesenen Russen um zwei Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes GRU. In der Bundesregierung ist von einem «Warnschuss» die Rede, die russische Regierung sei allen Bitten für eine umfassende Kooperation bei den Ermittlungen nicht nachgekommen. Im Laufe des Tages sollen die Nato- und EU-Partner über die deutsche Entscheidung und ihre Hintergründe informiert werden.

Auf eine koordinierte Ausweisung russischer Diplomaten in anderen Ländern – hierzu war es nach dem Mordanschlag auf den russischen Überläufer Sergeji Skripal und seiner Tochter in Grossbritannien gekommen – will die Bundesregierung derzeit nicht drängen. Alles hänge nun von Moskaus Reaktion und von den weiteren Ergebnissen des Generalbundesanwaltes ab, heisst es in Regierungskreisen.

Russland kündigt eigene Schritte an

Die russische Führung wies von Anfang an jeden Verdacht zurück. Nach der Ausweisung der beiden Diplomaten will der Kreml ebenfalls Schritte einleiten. Moskau sehe sich gezwungen, darauf zu reagieren, hiess es der staatlichen Agentur Tass zufolge im russischen Aussenministerium in Moskau. Das Vorgehen Deutschlands sei unfreundlich und unbegründet.

Der Georgier Selimchan Changoschwili war im August in einem kleinen Park in Berlin-Moabit getötet worden. Sein Mörder soll ihm auf einem Fahrrad gefolgt sein und ihm in den Kopf und in den Rücken geschossen haben. Die Polizei hatte einen Verdächtigen festgenommen, der versucht haben soll, die mutmassliche Tatwaffe in einen Fluss zu werfen. Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Bisher hatte die Berliner Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt.

Der Getötete war im Zweiten Tschetschenienkrieg auf Seiten antirussischer Separatisten der sogenannten Tschetschenischen Republik Itschkerien aktiv. Er ging, wie auch viele andere der Kämpfer, ins Exil und lebte seit 2016 in Deutschland.

Merkel kritisiert Russland wegen mangelnder Hilfe

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat die Ausweisungen der Diplomaten verteidigt. «Wir haben diese Massnahmen ergriffen, weil wir nicht gesehen haben, dass Russland uns bei der Aufklärung dieses Mord unterstützt», sagte Merkel am Mittwoch im britischen Watford am Ende des Nato-Gipfels.

Sie habe darüber auch mit Nato-Verbündeten gesprochen. Es sei «bilateral schon ein Ereignis, dass wir von Russland leider keine aktive Hilfe bei der Aufklärung dieses Vorfalls bekommen haben», fügte die Kanzlerin hinzu. Sie gehe aber nicht davon aus, dass die Ausweisung den am Montag geplanten «Normandie»-Gipfel belasten werde.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt