Trump nennt Macrons Forderung nach Europaarmee «beleidigend»

Frankreichs Präsident sorgt sich um die Verteidigung Europas. «Wir können uns nicht alleine auf die USA verlassen», sagt er.

Emmanuel Macron besucht eine Nato-Gruppe in der Militärbasis in Tapa, Estland. (September 2017) Bild: AFP

Emmanuel Macron besucht eine Nato-Gruppe in der Militärbasis in Tapa, Estland. (September 2017) Bild: AFP

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Kurz nach seinem Eintreffen zu einem Besuch in Frankreich hat US-Präsident Donald Trump die jüngsten Forderungen des französischen Staatschefs Emmanuel Macron nach der Gründung einer eigenen europäischen Armee scharf verurteilt.

Macrons Forderung sei «sehr beleidigend», erklärte Trump am Freitagabend in Paris und bekräftigte zugleich seine Forderung nach einem grösserem Engagement Europas in der Nato. Trump ist zu Gedenkfeiern anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren nach Frankreich gereist.

Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte die Einrichtung einer eigenen europäischen Armee. Ohne eine «wahre europäische Armee» könnten die Europäer nicht verteidigt werden, sagte Macron in einem am Dienstag ausgestrahlten Interview mit dem Radiosender Europe 1.

Mit Blick auf «Russland, das an unseren Grenzen steht und das zur Bedrohung werden könnte», dürften sich die Europäer «nicht allein auf die USA verlassen».

Macron begründete seine Forderung mit der Warnung vor «autoritären Mächten, die an den Grenzen Europas aufsteigen und die sich wieder bewaffnen». Europa müsse sich verteidigen «mit Blick auf China, auf Russland und sogar auf die USA».

Abfuhr aus Deutschland

Der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Rückzug aus dem INF-Abrüstungsvertrag mit Russland sei eine Gefahr für Europa. «Wer ist das Hauptopfer?», fragte Macron – und gab selbst die Antwort: «Europa und seine Sicherheit.»

Bereits im vergangenen Jahr hatte Macron angeregt, bis 2020 in Europa eine «gemeinsame Interventionstruppe» für Kriseneinsätze zu schaffen. Er schlug zudem ein gemeinsames Verteidigungsbudget und eine gemeinsame Doktrin vor.

Bei der deutschen Regierung in Berlin holte er sich damit erst einmal eine Abfuhr. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte damals, Macrons Vorschläge seien «kein Projekt unmittelbar für morgen».

(oli/sda)

Erstellt: 09.11.2018, 22:48 Uhr

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