Lufthansa kauft grosse Teile der Air Berlin

Lufthansa übernimmt Air Berlin. Lufthansa-Chef Spohr will 1,5 Milliarden Euro investieren. Nun sind die Wettbewerbshüter gefragt.

Fliegen bald für die Lufthansa: Die Maschinen der Air Berlin. (Video: Tamedia/AFP)

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Für Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist es «ein echter Meilenstein», auch wenn es hier wohl eher um Flugmeilen geht. Die Fluglinie mit dem Kranich-Symbol sei nun «endgültig wieder zum Heimatcarrier» für die deutsche Hauptstadt geworden, schwärmt Spohr.

Anlass für die gewichtigen Worte des Chefs von Lufthansa war eine Vertragsunterzeichnung. Damit sichert sich die grösste Airline Deutschlands zwei Monate nach der Pleite der Air Berlin grosse Teile der Substanz des früheren Branchenzweiten der Bundesrepublik. Flüge unter dem Code AB werden spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr gestartet, Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit.

81 Maschinen übernommen

Voraussichtlich bis Jahresende gehen gemäss dem Deal 81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte an die Lufthansa-Billigfluglinie Eurowings. Inbegriffen sind dabei 43 Maschinen der beiden Air-Berlin-Töchter Niki und LG Walter, die nicht insolvent waren. Investitionen von 1,5 Milliarden Euro sollen es nach Spohrs Worten ermöglichen, bis zu 3000 Air-Berlin-Mitarbeiter in der Billigtochter Eurowings aufzunehmen. Der Lufthansa-Chef sprach von Kapitalaufwendungen in Höhe von einer halben Million Euro pro Arbeitsplatz. Konkurrenten, die mangelnden Wettbewerb im Bieterverfahren kritisiert hätten, hätten nicht annähernd so viel Geld in die Hand nehmen wollen.

«Europa braucht starke Player»

Wettbewerbsprobleme durch die Teilübernahme sieht Spohr nicht. «Die Lufthansa-Gruppe gehört zu den weltweit grössten Playern der Airline-Industrie und hat dennoch nur drei Prozent Weltmarktanteil», sagte er gestern im Interview mit der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung «Handelsblatt». «Wenn ein Marktführer nur auf drei Prozent Marktanteil kommt, kann man nicht von Marktdominanz sprechen.»

Juristen sind nach Medienberichten allerdings skeptisch, ob die Kartellbehörden den Deal durchwinken werden. Zumindest auf bestimmten Strecken könnte Lufthansa nach dieser Lesart Zugeständnisse etwa durch Abgabe von Start- und Landerechten machen müssen.

Ende eines Höhenflugs

Mit der Insolvenz der 1978 gegründeten Air Berlin geht der beispiellose Höhenflug einer Fluggesellschaft zu Ende. Der heute 67-jährige Unternehmer Joachim Hunold flog mit der Gesellschaft 1978 zunächst mit seinem «Mallorca-Shuttle» ausschliesslich südliche Urlaubsziele an. Spätestens nach dem Börsengang im Jahr 2006 entstand jedoch ein Konglomerat, dessen Geschäftsmodell schwer beherrschbar war.

2011 trat Hunold auf Druck der Aktionäre als CEO zurück, ohne dass seine Nachfolger das Unternehmen ausreichend von Ballast befreien können. Die Verzögerungen bei der Eröffnung des Berliner Flughafens bedeuteten zusätzliche Kosten. Im August meldete die Airline Insolvenz an. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2017, 18:25 Uhr

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