Katalonien hängt am Tropf Madrids

Das auf Trennung von Spanien drängende Katalonien ist finanziell von der Regierung in Madrid abhängig. Die Schulden beim spanischen Staat betragen 51 Milliarden Euro.

Schlecht für die Wirtschaft: Carles Puigdemont, Ministerpräsident Kataloniens, will über die Unabhängigkeit der Region abstimmen lassen.

Schlecht für die Wirtschaft: Carles Puigdemont, Ministerpräsident Kataloniens, will über die Unabhängigkeit der Region abstimmen lassen. Bild: Keystone

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Die katalanische Regionalregierung in Barcelona kommt ohne Madrider Hilfe nicht aus, da sie sich wegen mangelnder Kreditwürdigkeit nicht durch Anleihen am Markt finanzieren kann. Zu Jahresbeginn hatte die Ratingagentur Kataloniens Schatzbriefe als Schundanleihen bezeichnet, versehen mit dem Zusatz: Perspektive negativ. Bei Moody’s und S & P sieht es nicht besser aus. Daran hat sich auch nichts geändert. Die Katalanen hängen am Tropf der Zentralregierung von Madrid. Dreht die den Geldhahn zu, dann ist die trennungswütige Region im spanischen Nordosten pleite.

Regionen hoch verschuldet

Auf rund 75 Milliarden Euro belaufen sich die Schulden Kataloniens. Nach vielen Jahren Madrider Hilfen für Barcelona sind 51 Milliarden Schulden beim spanischen Staat gemacht worden. Allein in diesem Jahr will die Regionalregierung wieder rund 7 Milliarden Euro aus Madrid. Damit ist sie der grösste Schuldner unter den autonomen Regionen des Landes, gefolgt von Andalusien, den Balearen und dem Land Valencia. Katalonien benötigt seit Jahren Madrider Hilfe. Derzeit hält der Zentralstaat 67,1 Prozent der katalanischen Schulden.

Insgesamt stehen die Regionen mit 150 Milliarden Euro beim spanischen Staat in der Kreide. Auf Katalonien folgt Valencia mit 35 Milliarden Euro und dann das viel kleinere Murcia, das mit 6,3 Milliarden Euro immerhin 76 Prozent seiner gesamten Verpflichtungen der Madrider Zen­tralkasse schuldet. Bei Valencia sind es 77,2 Prozent, bei Andalusien 68 Prozent. Es gibt auch Regionen, die ohne Madrider Hilfe auskommen: das Baskenland und Navarra.

Rasch wachsende Tendenz

In den letzten vier Jahren haben die Regionalschulden beim spanischen Staat kräftig zugenommen, auch eine Folge der Wirtschaftskrise und des harten Sparkurses der Regierung von Premier Mariano Rajoy seit Ende 2011. Ende 2012 hielt Madrid 20 Prozent der Gesamtschulden der Regionen, jetzt sind es 53 Prozent. Der spanische Staat hat zwei Institutionen eingerichtet, um die Regionen vor finanziellen Schieflagen oder gar Scheitern zu bewahren.

Das ist zum einen der Finanzierungsfond Fondo de Financiación a Comunidades Autónomas und zum andern der Liquiditätsfond Fondo de Liquidez Autonómica. Aus dem bekam etwa Katalonien Soforthilfen, als es den Apothekern der Region rund 300 Millionen Euro nicht bezahlen konnte. Sie hatten Medikamente auf Rezept des staatlichen Gesundheitswesens abgegeben.

Nach Angaben der Zentralbank Banco de España beliefen sich die Schulden der 17 «autonomías» am 31. März auf genau 149,282 Milliarden Euro. Die Summe steigt rasch. Zwischen dem 1. Januar und dem 31. März dieses Jahres allein um 700 Millionen.

Separatismus vertreibt Firmen

Für die schlechte Einstufung Kataloniens machte die Ratingagentur Fitch vor allem die politischen Risiken verantwortlich. Deshalb bleibt die Stufe bei BB, was «bono basura» – wörtlich: Müllanleihen – entspricht, mit negativer Tendenz. Neben der Notwendigkeit Kataloniens, sich weiter über den Liquiditätsfonds beim Staat zu verschulden, machen die Ratingexperten vor allem die politische Unsicherheit als Grund geltend. Und diese sind nicht gut für die Wirtschaft. Mehr als 800 Unternehmen haben 2016 Katalonien verlassen. Ziel: vor allem die Region Madrid.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.06.2017, 08:43 Uhr

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