Frankreich will Asylbewerber von der «Aquarius» aufnehmen

Die Odyssee des Flüchtlings-Rettungsschiffs auf dem Weg nach Spanien geht weiter. Wegen schlechten Wetters musste es die Route ändern.

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Frankreich will Schutzsuchende vom Rettungsschiff «Aquarius» aufnehmen, das derzeit auf dem Weg nach Spanien ist. Das bot Aussenminister Jean-Yves Le Drian am Donnerstag in einem Gespräch mit seinem spanischen Amtskollegen Josep Borrell an.

Frankreich sei bereit, Passagiere des Schiffs aufzunehmen, «die den Kriterien des Asylrechts entsprechen», teilte das Pariser Aussenministerium mit.

Odyssee geht weiter

Wegen schlechten Wetters und bis zu vier Meter hohen Wellen musste das Schiff seine Route auf dem Weg ins spanische Valencia ändern.

Mindestens 80 ohnehin erschöpfte Flüchtlinge mussten behandelt werden, weil sie seekrank waren, wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mitteilte. Die «Aquarius», die mit zwei italienischen Schiffen Kolonne fährt, befand sich am Donnerstag nahe der Ostküste Sardiniens.

40 Flüchtlinge weiterhin auf US-Marineschiff

Das weitere Schicksal von rund 40 Flüchtlingen und Migranten, die am Dienstag von einem Schiff der US-Marine vor der libyschen Küste gerettet wurden, ist unterdessen weiter unklar.

Die «Trenton» sei vor Augusta in Sizilien und sie werde «hoffentlich» die Bewilligung für die Einfahrt bekommen, erklärte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, auf Twitter.

Zwölf Leichen, die die US-Marine bei der Rettungsaktion im Wasser treiben gesehen habe, habe sie dort zurückgelassen, sagte eine Navy-Sprecherin. Es seien keine Toten an Bord der «Trenton» gebracht worden. Zuvor war spekuliert worden, dass die Leichen über Bord geworfen worden seien, weil es keine Kühlzellen auf dem Schiff gebe.

Salvini gegen Seenotretter

Nicht nur für die Hilfsorganisationen ist unklar, wie es mit der Seenotrettung im Mittelmeer weitergeht, seit Italien der «Aquarius» erstmals die Einfahrt in einen Hafen verwehrt hatte. Das Schiff mit mehr als 600 Menschen an Bord war zwei Tage lang zwischen Malta und Sizilien blockiert.

Italiens neue populistische Regierung, allen voran Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega, will die Ankünfte von Flüchtlingen und Migranten in Italien weiter reduzieren und private Seenotretter aus dem Meer verbannen.

Lange Überfahrt

Noch ist unklar, wann genau die «Aquarius» den spanischen Hafen erreicht. Samstagabend oder Sonntagmorgen könnte es soweit sein. «Sie sind seit Tagen auf See, auf einer langen und absurden Überfahrt nach Spanien», sagte Claudia Lodesani, Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen in Italien, laut Mitteilung.

Die insgesamt rund 630 Flüchtlinge, von denen sich 106 auf der «Aquarius» und mehr als 520 auf den anderen beiden Schiffen befinden, waren am Wochenende aus Seenot gerettet worden. Auf der «Aquarius» sind auch 10 Kinder.

Ankunft der «Aquarius»: Valencias Regionalpräsident Ximo Puig und Spaniens stellvertretende Premierministerin Carmen Calvo während einer Pressekonferenz in Valencia. (14. Juni 2018) Bild: AFP/Jose Jordan

Weil es in der Nacht auf dem Aussendeck zu gefährlich geworden war, hatten sich auch die Männer ins Innere des Schiffs begeben müssen. Dort ist eigentlich nur ein Raum für Frauen und Kinder vorgesehen.

Spanien will die Geretteten wie alle anderen Flüchtlinge behandeln, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Donnerstag in einem Radiointerview. «Sie werden so behandelt werden, wie alle Flüchtlinge, die bei uns etwa auf Booten eintreffen.» Jeder Fall werde einzeln geprüft. (oli/sda)

Erstellt: 14.06.2018, 21:52 Uhr

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Spaniens neue Regierung will den Stacheldraht an den Grenzbefestigungen seiner nordafrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla abbauen. Er werde «alles» dafür tun, damit der Stacheldraht entfernt werde, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Donnerstag in Madrid. An den schwer befestigten Grenzen der beiden spanischen Exklaven zu Marokko ziehen sich Flüchtlinge immer wieder schwere Verletzungen zu, wenn sie die Barrieren überqueren.

«Es ist nicht vernünftig oder hinnehmbar, Menschen über die Zäune springen zu sehen», sagte der Minister. Er sprach sich vielmehr dafür aus, die Fluchtursachen in den Herkunftsländern zu bekämpfen. «Wir sprechen von Solidarität, von Respekt für die Würde der Menschen», fügte Grande-Marlaska hinzu. Die Kontrolle der Migration bedeute nicht, «den anderen zu behindern».

Menschenrechtsorganisationen üben schon länger Kritik an den Grenzbefestigungen. Nach Angaben des spanischen Roten Kreuzes wurden in diesem Jahr bislang 25 Flüchtlinge mit Schnittwunden behandelt, die sie sich am Stacheldraht vor Ceuta zugezogen hatten. Im Jahr 2009 starb ein 30-jähriger Senegalese bei der Grenzüberquerung.

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