«Er könnte ein Interesse haben, dass es bei den 28 Millionen bleibt»

Uli Hoeness tritt den Gang ins Gefängnis an, statt das Urteil weiterzuziehen. Bernerzeitung.ch/Newsnet-Korrespondent David Nauer erklärt, was den stolzen Bayern dazu bewogen haben könnte.

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Uli Hoeness hat sich entschieden, ins Gefängnis zu gehen. Kommt das überraschend?
Das ist überraschend, noch gestern tönte das ganz anders. Sein Anwalt hat unmittelbar nach der Urteilsverkündung erklärt, er werde in Revision gehen.

Was könnte Hoeness bewogen haben, seine Meinung zu ändern?
Vielleicht ist in ihm der bayerische Ehrenmann erwacht. Es ist ja so, dass ihm immer wieder vorgeworfen wurde, er habe nicht verstanden, wie schwerwiegend seine Vergehen gewesen sind. Auch ich hatte gestern im Gericht den Eindruck, dass Hoeness schockiert war – als hätte er gar nicht recht glauben können, dass man einen wie ihn wirklich ins Gefängnis schickt. Dem Vernehmen nach hat er sich gestern Abend mit Vertrauten beraten, er hat eine Nacht über die Sache geschlafen, und offenbar ist da die Erkenntnis gereift, dass er zu seinen Taten stehen muss. Es hat auch bereits Reaktionen gegeben, die ihm Respekt zollen für seinen Entscheid.

Wollte er möglicherweise auch einfach einen Schlussstrich ziehen?
Das ist ebenfalls möglich. Hoeness hat sich zweifellos noch einmal vergegenwärtigt, was es heisst, in Revision zu gehen. Erstens wäre dann die öffentliche Diskussion um ihn und seine Steuersünde bis weit ins nächste Jahr hinein weitergegangen. Zweitens hätte die Steuerfahndung Zeit bekommen, die umfangreichen Dokumente zu den Kontenbewegungen noch einmal genauer anzusehen. Es könnte sein, dass er ein Interesse hat, dass es bei dem bleibt, was das Gericht gestern festgestellt hat.

Dass also nicht eine noch höhere Steuerschuld zum Vorschein kommt als die 28 Millionen?
Der Betrag, der dem Urteil zugrunde liegt, wurde nach der Best-Case-Methode ermittelt. Das heisst, die Steuerverwaltung hat immer die für Hoeness besten Annahmen getroffen. Würde ein Gericht sich nun jede einzelne Transaktion genau ansehen, könnte auch ein höherer Betrag resultieren. Darüber hinaus wirft die ganze Geschichte ohnehin viele Fragen auf. Börsenexperten stellen infrage, ob es für jemanden wie Hoeness ohne Research-Team im Rücken überhaupt möglich ist, in der relativ kurzen Zeit mit dieser Art von Börsengeschäften 130 Millionen Euro Gewinn zu erzielen. Es gibt manche, die das für unmöglich halten. Dabei schwingt der Verdacht mit, es könnten noch andere Gelder auf das Konto geflossen sein. Das ist natürlich reine Spekulation.

Nun tritt er eine dreieinhalbjährige Haftstrafe an. Kann er mit einer Reduktion der Strafe oder mit Hafterleichterungen rechnen?
Das ist zu diesem Zeitpunkt schwierig zu beurteilen. Das Urteil ist übrigens noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft könnte auch in Revision gehen. Sie hat angekündigt, bis Anfang nächster Woche bekannt zu geben, ob sie das tun wird. Wenn Hoeness die Haftstrafe antritt, hängt es von den zuständigen Behörden ab, ob er eine Haftreduktion erhält. Einige Strafrechtsexperten mutmassen, er könnte am Ende nur die Hälfte seiner Strafe, also 21 Monate, verbüssen. Andere sagen, er könne mit einer vorzeitigen Entlassung nach zwei Dritteln der Haftstrafe rechnen. Es kann gut sein, dass Hoeness schon bald in Halbgefangenschaft kommt, dass er also tagsüber aus dem Gefängnis darf und nur dort übernachten muss.

Was kann Hoeness von den anderen Häftlingen erwarten?
Vielleicht nicht einmal Schlechtes. Ein leutseliger Typ ist er ja. Und es wird sicher den einen oder andern FC-Bayern-Fan geben im Gefängnis. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2014, 14:11 Uhr

David Nauer ist Deutschland-Korrespondent von Bernerzeitung.ch/Newsnet. Er verfolgte den Hoeness-Prozess am Landgericht München.

Doch keine Revision: Hoeness akzeptiert Gefängnisstrafe. (Video: Reuters )

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Der Prozess gegen Uli Hoeness

Der Prozess gegen Uli Hoeness Uli Hoeness, deutsche Fussballlegende und FC-Bayern-Präsident, wurde in München verurteilt.

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