«Er hat die Schweiz geliebt»

Roger de Weck und Pascal Couchepin erinnern sich an Kohl, der als erster Kanzler die Schweiz besuchte.

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Claudia Blumer@claudia_blumer

Er reiste im historischen Jahr 1989 in die Schweiz, kurz vor der Wiedervereinigung. Damals lernte auch Pascal Couchepin Helmut Kohl kennen. Als Walliser und FDP-Fraktionschef im Nationalrat durfte er dabei sein, als Bundespräsident Jean-Pascal Delamuraz (FDP) mit dem Gast ins Wallis reiste. «Ich erinnere mich, dass er Raclette essen wollte», sagt Couchepin. Das war in einem Hotel in Nendaz. «Er war eine ganz unkomplizierte Persönlichkeit, wollte einen Happen essen, keine grossen Diskussionen.» Wegen seines unprätentiösen Auftritts habe er Kohl unterschätzt, erzählt Couchepin. «Man hat ihn leicht unterschätzt, das war ein Fehler.»

Das sagt auch Roger de Weck, der ihn aus einer anderen Warte kennen gelernt hatte. Der heutige Chef der SRG war damals Chefredaktor der «Zeit» und reiste für einen Antrittsbesuch beim Kanzler nach Bonn. Fortan hätten sie häufig telefoniert, sagt de Weck. «Er war ein Hüne und ein Riese. Zwei Kopf höher als alle anderen. Und er hat eine Riesenleistung erbracht.» Kohl sei ein hoch gebildeter Mann gewesen, und die Medien hätten ihn völlig unterschätzt. «Darunter hat er gelitten. Denn mancher Hüne ist ja hochsensibel.» Einmal habe ihn Kohl gefragt: «Was haben die Frontisten 1934 im Kanton Baselland erzielt?» De Weck wusste es nicht und er erinnert sich heute auch nicht mehr an die Antwort – nur, dass sie Kohl wusste und meinte: «Sie sind mir ein guter Schweizer.»

Was hauptsächlich bleibt, sind Helmut Kohls Verdienste.

Helmut Kohl hat in den Augen von Roger de Weck vor allem die wichtigsten Tugenden der Nachkriegszeit verkörpert: «Rücksicht auf die Nachbarn und Rücksicht auf die Schwächeren in der Gesellschaft.» Zudem habe er die kleinen europäischen Länder respektiert, er habe sie mitgenommen, wenn es um europäische Entscheide ging. Gerade auch die Schweiz habe er geliebt.

Als um die Jahrtausendwende die CDU-Spendenaffäre aufflog, wurde die Beziehung zwischen Kohl und der Schweiz belastet. Finanztransaktionen hatten auch in der Schweiz stattgefunden. Wenige Monate zuvor hatte die Credit Suisse den frisch gebackenen Alt-Kanzler als Beirat engagiert. Eine Partnerschaft, die nicht lange hielt. Doch was hauptsächlich bleibt, sind Helmut Kohls Verdienste. Oder wie Roger de Weck sagt: «Europa verdankt ihm seine Stabilität.» Er habe die Gelegenheit der deutschen Vereinigung am Schopf gepackt, wie es kein Zweiter hätte tun können.«Er hat die Schweiz geliebt»

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