Ein himmlisches Interview für 7000 Euro

Hintergrund

Sogar der Vatikan muss sparen: Um einen Teil der Reisekosten des anstehenden Zentralamerika-Besuches zu decken, werden Journalisten zur Kasse gebeten.

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Interview in hohen Lüften: Papst Benedict XVI. beantwortet Fragen an Bord des päpstlichen Alitalia-Fliegers auf seinem Flug nach Deutschland. (22.9.2011)

(Bild: AFP)

Nina Merli@nmerli

Die katholische Kirche hat im Augenblick keinen einfachen Stand: Rücktrittsgerüchte des Kirchenoberhauptes Papst Benedikt XVI. machen die Runde, von einem Mordkomplott gegen den Papst war vor kurzem die Rede. Die zahlreichen, öffentlich gewordenen Missbrauchsskandale haben den Ruf der Kirche ramponiert und erst noch viel Geld gekostet: Nach Schätzungen von US-Experten haben die daraus resultierenden Prozesse und Entschädigungen die Kirche rund zwei Milliarden US-Dollar gekostet. Ausserdem hat die italienische Regierung beschlossen, dass der Vatikan in Zukunft ebenfalls eine Immobiliensteuer (ICI) für seine kommerziell genutzten Gebäude zu bezahlen hat. Und weitere Kosten stehen an: Ende März wird der Papst Mexiko und Cuba besuchen – kein billiger Spass, reist der Heilige Vater doch für gewöhnlich mit einem rund 30-köpfigen Tross von Betreuern und Mitarbeitern.

Südamerikareise kommerziell nutzen

Um den massiven Kosten der Zentralamerikareise entgegenzuwirken, hat sich der Vatikan eine gewinnbringende Massnahme ausgedacht: Wer Papst Benedikt XVI. zur anstehenden Reise interviewen möchte, muss 7000 Euro bezahlen. Denn laut des italienischen Nachrichtenmagazins «L'Espresso» wird der Pontifex die Fragen von Journalisten einzig auf dem Flug nach Mexiko an Bord der jeweils für die päpstlichen Reisen gemieteten Alitalia-Maschine beantworten. Wer mit einer anderen Fluggesellschaft fliegt, geht leer aus.

Die Medienarbeit über den Wolken ist nichts Neues: Schon bei seinem offiziellen Besuch nach Deutschland hielt Papst Benedikt XVI. eine exklusive Pressekonferenz an Bord des Airbusses A320 Georges Bizet. Wenn man bedenkt, dass damals rund 70 internationale Medienvertreter im hinteren Teil des Flugzeuges sassen, kann man davon ausgehen, dass es am 23. März, wenn der Papst nach Mexiko abhebt, mindestens so viele sein werden. Was bei einem Preis von 7000 Euro pro Medien-Ticket immerhin fast eine halbe Million Euro ausmacht.

Eine ganze Armada von Reisebegleitern

Diese Summe wird aber nur einen Teil der Ausgaben decken. Denn wenn Benedikt XVI. eine Reise antritt, wird er von einer Gefolgschaft begleitet, die jeden Rockstar vor Neid erblassen lässt. Nebst Privatsekretär Georg Gänswein, ist stets der Kardinalstaatssekretär und langjähriger Vertrauter des Papstes Tarcisio Bertone dabei. Genauso wie der päpstliche Reisemarschall Alberto Gasbarri, der jeweils vorab die Reiseziele des Papstes besucht und allfällige Sicherheitsmassnahmen trifft. Dazu kommen persönliche Berater, Dolmetscher, Schweizergardisten, Mitglieder der vatikanischen Gendarmerie, Pressesprecher und natürlich auch der persönliche Kammerdiener Paolo Gabriele, der sich jeweils um die persönlichen Sachen des Papstes kümmert.

Ob sich die neu konzipierte kommerzielle Nutzung bewähren wird, wird sich zeigen. Im Augenblick herrscht noch Unmut unter den Vatikan-Chronisten, schreibt der «Espresso», doch wahrscheinlich wird den verschiedenen Zeitungen und Fernsehstationen nichts anderes übrig bleiben, als ihren Medienvertretern die teuren Reisespesen zu genehmigen. Jene Journalisten, die aus Kostengründen zu Hause bleiben müssen, dürfen auf den Sommer hoffen: Für Juni soll eine Reise nach Irland und Nordirland geplant sein – dieser Flug dürfte angesichts der kürzeren Strecke wohl etwas günstiger ausfallen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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