Ein brüchiger Frieden

In Nordirland gibt die Brexit-Debatte alten Ideologen und Terroristen neuen Antrieb.

Gewalt in Nordirland: Eine Frau erlag ihren Schussverletzungen. (Video: Tamedia)
Cathrin Kahlweit@CathrinKahlweit

Die sogenannte New IRA bekennt sich zur Tötung einer Journalistin in Derry, aber dann – auch wieder nicht. Das Bekennerschreiben ist an Zynismus nicht zu überbieten, weil es im Kern sagt: Es tut uns leid, dass Lyra McKee im Weg war; Schüsse auf die Polizei sind legitim, es wurde eben nur die Falsche getroffen.

Die Reporterin sei «tragischerweise getötet» worden, als sie an der Seite «feindlicher Kräfte» gestanden habe, hiess es in der Erklärung der Splittergruppe. Sie habe ihre «Freiwilligen» gegen «schwer bewaffnete Streitkräfte der britischen Krone» eingesetzt. Die New IRA bat die Angehörigen McKees «aufrichtig um Entschuldigung».

Bilder: New IRA bekennt sich zur Tötung der Journalistin

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Was die Menschen in Nordirland schon lange wissen, wollen viele Politiker in London nicht wahrhaben: Der Frieden ist mehr als brüchig, die alten Gräben sind nur notdürftig zugeschüttet. Alle paar Wochen gibt es Anschläge, immer wieder auch Tote – in den letzten Jahren hat die Gewalt in der Nordhälfte der irischen Insel stetig zugenommen. Daran ist nicht allein die Brexit-Debatte schuld; die alten Ideologen und die neuen Terroristen brauchen den EU-Austritt nicht als Anlass, um weiter zu töten. Aber die Debatte heizt alte Feindschaften und alte Hoffnungen an. Die einen setzen darauf, die Wiedervereinigung Irlands mit politischen Mitteln zu erreichen, andere verlegen sich erneut auf den bewaffneten Kampf.

Nach einem Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Nordirland sagten ihr radikale Brexiteers in London, die Gefahr einer harten Grenze und neuer Gewalt sei nur «erfunden und aufgebauscht». Nichts könnte falscher sein.

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