Der Fürst kämpft in Prag um Land

Fürst Hans Adam II. von Liechtenstein kämpft in Tschechien um 600 Hektaren, die nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet worden sind.

Fürst Hans-Adam II. mit Gattin Marie.

Fürst Hans-Adam II. mit Gattin Marie.

(Bild: Keystone)

Die Liechtensteiner waren 1945 mit rund 120'000 Hektar Land der grösste Grundbesitzer in der damaligen Tschechoslowakei gewesen. Sie verloren aber nach dem Zweiten Weltkrieg sämtliche Besitzungen auf Basis der ­Beneš-Dekrete. Begründung: Das Adelsgeschlecht habe sich zur deutschen Nationalität bekannt, was dieses aber bestreitet .

Schon in seinem ersten Amtsjahr 1989 stellt Hans Adam klar, dass er auf eine politische Einigung hoffe. Zwischen Prag und Liechtenstein entwickelt sich ein durchaus freundliches Verhältnis. Es fehlt nicht an netten Worten und freundlichen Gesten. Auch die Verweigerung der staatlichen Anerkennung Liechtensteins durch Prag und Bratislava, weswegen Vaduz im Herbst 2003 einige Wochen lang die Zustimmung zum Beitritt Tschechiens und der Slowakei in den Europäischen Wirtschaftsraum hinausgezögert hatte, ist längst vergessen. Nur wenn das konfiszierte Eigentum zur Sprache kommt, werden tschechische Ohren schlagartig taub.

Spektakulärer Fund

Denn vor zwei Jahren nahm der Fall Liechtenstein eine spannende Wende: Ein tschechischer Anwalt stösst nahe der Stadt Ricany bei Prag auf ein 600 Hektar grosses Areal. Dort ist noch Fürst Franz Josef II., Vater von Hans Adam II., als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Fast 60 Jahre nach der Enteignung war selbige also formal noch immer nicht vollzogen.

Erbe nach Franz Josef II. ist formal die Stiftung Fürst Liechtenstein. Diese meldet beim zuständigen Bezirksgericht den Erbanspruch an. Und dieses wiederum überträgt die entsprechenden Parzellen im Grundbuch tatsächlich auf die Stiftung Fürst Liechtenstein. Somit ist die Stiftung Eigentümerin des Areals, welches eigentlich aufgrund der Beneš-Dekrete enteignet wurde. Daraufhin will das tschechische Amt zur Vertretung des Staates in Eigentumsangelegenheiten per Feststellungsklage bestätigt wissen, dass die Grundbucheintragung falsch und das Fürstenhaus nicht rechtmässiger Eigentümer der Ländereien ist. Die Folge ist eine Klage gegen die Stiftung, welche nun ihre Eigentumsrechte beweisen soll.

«Wir fechten das durch!»

Dieser Beweis ist leicht erbracht. «Wir sind Eigentümer seit dem späten 15. Jahrhundert», sagt Stiftungssprecher Max Hohenberg in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Und: Es steht schliesslich im Grundbuch. Dennoch stellte ein Prager Gericht im vergangenen November in erster Instanz fest, dass das tschechische Restitutionsgesetz nur auf Fälle nach dem Putsch der Kommunistischen Partei im Februar 1948 beziehen kann und deshalb eine Restitution ausgeschlossen sei. «Wir wollen gar keine Restitution, wir sind Eigentümer, und der tschechische Staat will uns enteignen», so Hohenberg.

Vorige Woche erging das Urteil der zweiten Instanz. Auch das Kreisgericht Mittelböhmen entschied zugunsten des tschechischen Staates. Die Liechtensteiner gaben sich aber nicht geschlagen. «Als Stiftung haben wir den Auftrag, das Eigentum der Stiftung zu schützen. Deswegen haben wir auch gar keinen Ermessensspielraum. Das fechten wir durch», sagte Stiftungssprecher Hohenberg und verweist auf die vier innerstaatlichen Instanzenzüge in Tschechien und auf die internationale Ebene.

Das hindert den Fürsten nicht an freundschaftlichen Beziehungen. Die Familie Liechtenstein betont auch, dass sie nicht nur etwas wolle, sondern auch etwas mitbringe. Die Stiftung sieht sich als attraktiver Investor, der Verbundenheit habe zu gewissen ­Regionen, die weit über das hin­ausgeht, was ein rein nach wirtschaftlichen Kriterien denkender Investor tut, so Hohenberg.

Berner Zeitung

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