«35'000 Menschen leben im Chaos und ohne Würde»

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen fordert von der EU ein radikales Umdenken in der Flüchtlingspolitik.

Eine junge Mutter mit ihrer zwei Monate alten Tochter bei der Ankunft am Hafen von Elefsina. (22. Oktober 2019)

Eine junge Mutter mit ihrer zwei Monate alten Tochter bei der Ankunft am Hafen von Elefsina. (22. Oktober 2019)

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen prangert die Lebensumstände von Flüchtlingen in griechischen Lagern an. «Vier Jahre nach dem Flüchtlingspakt leben auf den griechischen Inseln 35'000 Menschen im völligen Chaos und ohne jegliche Würde», sagte der internationale Präsident der Organisation, Christos Christou, am Freitag in Athen.

Die Situation dort sei vergleichbar mit den schlimmsten Camps weltweit. Die Lager müssten sofort geschlossen und die Menschen aufs europäische Festland gebracht werden, forderte er im Anschluss an einen Besuch auf den Inseln Lesbos und Samos.

Mit Humanität, die sich die EU auf die Fahnen geschrieben habe, habe das nichts mehr zu tun, sagte Christou. Folteropfer, psychisch kranke Menschen und Kinder würden nicht ausreichend versorgt. Flüchtlinge lebten zum Teil bereits seit zwei Jahren unter Plastikplanen. «Den Menschen dort wird nicht nur nicht geholfen, sondern ihre Verfassung verschlechtert sich dort noch zusätzlich», sagte Christou.

Der Arzt kritisierte auch die Pläne der griechischen Regierung, auf den Inseln geschlossene Zentren zu errichten. «Daraus werden über kurz oder lang Gefängnisse werden.» Auch die Massnahme, Tausende Migranten auf das griechische Festland zu bringen, werde die Lage nicht massgeblich verbessern. «Dort gibt es ebenfalls keine ausreichenden, angemessenen Unterkünfte.»

nag/sda

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