«Im schlimmsten Fall kann es zu einer Kernschmelze kommen»

Das Beben in Japan hat zu zwei AKW-Störfällen geführt. Die japanische Regierung gab Entwarnung: Keine Strahlung sei ausgetreten. Nuklear-Experte Anton Treier sagt, warum die Gefahr noch nicht gebannt ist.

«Es kann immer noch zu einem Super-Gau kommen»: Anton Treier vom Nuklearsicherheitsinspektorat.

Das gewaltige Erdbeben in Japan hat zu Störfällen in zwei Atomkraftwerken geführt. Zwar wurden alle Anlagen in der Region sofort automatisch heruntergefahren. Dennoch traten Probleme auf, Ministerpräsident Naoto Kan rief deshalb Atomalarm aus.

Im Umkreis von drei Kilometern am Reaktor Fukushima wurden etwa 2000 Anwohner aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, berichtete der Sender NHK. In einem Gebiet bis zu zehn Kilometern Entfernung sollten die Bewohner in ihren Häusern bleiben. Die Behörden fürchten offenbar eine radioaktive Verstrahlung, nachdem es bei der Kühlung des abgeschalteten Reaktors zu Problemen gekommen war. Techniker schalteten ein Notkühlsystem ein.

Im Atomkraftwerk Onagawa brach ein Feuer in einem Turbinengebäude aus. Die Betreibergesellschaft erklärte, dass keine radioaktive Strahlung ausgetreten sei. Der Brand wurde nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gelöscht. Dies habe die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA der IAEA mitgeteilt, gab die UNO-Behörde in Wien bekannt.

Super-GAU nicht auszuschliessen

Auch nach der Abschaltung von Reaktoren bestehe aufgrund der nicht steuerbaren Nachwärme eine Gefahr, erklärte der Greenpeace-Reaktorexperte Heinz Smital. «Selbst ein abgeschaltetes Atomkraftwerk kann noch zum Super-GAU führen.» Das gleiche sagt im Keystone-Video (siehe oben) auch Anton Treier vom Nuklearsicherheitsinspektorat.

In diesem Fall komme es noch zu so viel Nachwärme, dass man eine Kernschmelze nur dann verhindern könne, wenn die Kühlung sichergestellt sei. Das Erdbeben habe eine sehr grosse Energie gehabt, «so dass viele Systeme möglicherweise nicht funktionieren wie sie sollten».

Es sei in keinem Fall radioaktive Strahlung freigesetzt worden, betonte die japanische Regierung. Der atomare Notfall sei ausgerufen worden, um Notfallmassnahmen der Behörden zu unterstützen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Zuvor hatte Kan in einer ersten Beurteilung der Lage erklärt, dass es keine Probleme bei den Atomkraftwerken gebe.

Die vier Atomkraftwerke in der am schwersten betroffenen Region im Nordosten der Hauptinsel Honshu wurden automatisch heruntergefahren, darunter auch Onagawa und Fukushima. Ein fünftes Atomkraftwerk war wegen Wartungsarbeiten stillgelegt.

bru

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