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Ghadhafi gehen die Lebensmittel aus

Die Soldaten des libyschen Machthabers haben zunehmend Versorgungsprobleme. Die Nato will die Luftangriffe «so lange wie nötig» fortsetzen. Ghadhafi könnte bei einem Rücktritt womöglich im Land bleiben.

Die knapp gefüllten Lebensmittellager von Ghadhafi werden offenbar von der Nato beschossen: Die Regierung führte Journalisten durch ein zerstörtes Lager in Zlitan, 160 km östlich von Tripolis
Die knapp gefüllten Lebensmittellager von Ghadhafi werden offenbar von der Nato beschossen: Die Regierung führte Journalisten durch ein zerstörtes Lager in Zlitan, 160 km östlich von Tripolis
Keystone

Die vom libyschen Machthaber Muammar al-Ghadhafi kontrollierten Landesteile haben nach Angaben der Vereinten Nationen mit Engpässen bei der Lebensmittel- und Treibstoffversorgung zu kämpfen. Zudem gestalte sich die medizinische Versorgung der Bevölkerung schwierig, teilten die UN in einem Lagebericht mit. Grund hierfür seien nicht nur die bei Kämpfen Verwundeten, sondern auch die Flucht Tausender ausländischer Arbeiter im Gesundheitswesen.

Ein weiteres massives Problem stelle der Treibstoffmangel dar. So bildeten sich vielerorts an den Tankstellen lange Schlangen. Die Benzinreserven könnten bereits in zwei Wochen vollends erschöpft sein, erklärten die UN unter Berufung auf libysche Experten.

Raffinerien können Bedarf nicht decken

Das ölreiche Libyen verfügt zwar über funktionierende Raffinerien, jedoch nicht über genügend Produktionskapazität, um den täglichen Bedarf zu decken. Treibstoff und andere Produkte werden daher derzeit aus Tunesien und dem benachbarten Algerien importiert oder geschmuggelt. UN-Beobachter hatten sich für ihren Bericht eine Woche lang vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Unterdessen erklärte die Nato, die Angriffe gegen die libyschen Streitkräfte trotz zunehmender internationaler Kritik so lange wie nötig fortsetzen zu wollen. «al-Ghadhafi kann uns nicht aussitzen», erklärte Nato-Sprecherin Carmen Romero. «Solange seine Truppen Zivilpersonen angreifen oder bedrohen und solange sie versuchen, humanitäre Hilfe zu verhindern, werden wir an unseren Operationen in Libyen festhalten.»

Zu Beginn der Mission hatte die Nato noch mit einem schnellen Rücktritt Ghadhafis gerechnet, mittlerweile ist jedoch kein Ende der bereits seit fünf Monaten andauernden Luftangriffe in Sicht.

Norwegen will Kampfjets abziehen

Die USA und Italien haben ihre Beteiligung an dem Einsatz zurückgefahren, Norwegen möchte seine Kampfjets vom Typ F-16 bis zum 1. August endgültig abziehen.

Ungeachtet dessen erklärte die Nato nun, die Angriffe auf dem gegenwärtigen Niveau weiterführen zu wollen. Man habe noch immer die nötigen Mittel, um die derzeit 100 bis 140 Luftangriffe pro Tag fortzusetzen, sagte Oberst Roland Lavoie von der Nato-Einsatzführung im italienischen Neapel.

Unterdessen zeichnet sich möglicherweise ein breiter Konsens darüber ab, dass al-Ghadhafi im Falle eines Rücktritts in Libyen bleiben könnte. Der britische Aussenminister William Hague signalisierte zuletzt Zustimmung für den von seinem französischen Kollegen Alain Juppé vorgebrachten Vorschlag. Das Weisse Haus hatte hingegen erklärt, dass die Entscheidung von libyschen Volk abhänge.

Unstimmigkeit über den Vorstoss herrschte indes vor allem unter den libyschen Rebellen. So hatte der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdul Dschalil, Berichten zufolge erst am Montag erklärt, eine derartige Einigung in Betracht ziehen zu wollen, seine Äusserungen jedoch kurz darauf wieder revidiert. Ghadhafi selbst hatte mehrfach erklärt, er werde weder zurücktreten noch das Land verlassen.

dapd/miw

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