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Ärzte und ihre erste Begegnung mit wüsten Kriegsverletzungen

Bei der strategisch wichtigen Stadt Ras Lanuf sind die Gefechte gegen Ghadhafis Truppen in vollem Gange. Ärzte aus dem gesamten libyschen Osten stehen an der Front im Dauereinsatz.

Ein verletzter Aufständischer bei Ras Lanuf wird in Sicherheit gebracht.
Ein verletzter Aufständischer bei Ras Lanuf wird in Sicherheit gebracht.
Keystone
Rebellen gehen in Deckung: Ein Bombeneinschlag kurz vor der Öl-Stadt Ras Lanuf.
Rebellen gehen in Deckung: Ein Bombeneinschlag kurz vor der Öl-Stadt Ras Lanuf.
Keystone
Libysche Ärzte schauen sich in Ras Lanuf die Verletzungen eines Aufständischen an.
Libysche Ärzte schauen sich in Ras Lanuf die Verletzungen eines Aufständischen an.
Keystone
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Das Heulen der Sirene kommt näher, das medizinische Personal macht sich bereit. Kurz darauf hält ein Rettungswagen vor der kleinen Klinik in der libyschen Stadt Ras Lanuf. Die Sanitäter bringen einen weiteren Kämpfer der Aufständischen herein. Diesmal ist es eine gefährliche Verletzung am Kopf. Die Gefechte gegen die Truppen von Staatschef Muammar al-Ghadhafi sind in vollem Gange - die Ölanlagen in der Hafenstadt sind von strategischer Bedeutung. Die kleine Krankenstation wurde eigentlich vor allem für Arbeiter aus dem Ausland gebaut, doch die haben das Land längst verlassen.

Angesichts der Umstände wird das Gebäude nun als Feldlazarett genutzt. Ärzte aus dem gesamten libyschen Osten haben sich als Freiwillige gemeldet. Unter schwierigsten Bedingungen tun sie, was sie können, um den von Ghadhafis Bomben und Granaten verletzten Aufständischen zu helfen.

«Wir folgen der Revolution», sagt der Medizinstudent Ahmed Abdel Dschalil in einer kurzen Ruhepause. Er und seine Kollegen waren zunächst in Benghazi im Einsatz. Doch als sich die Protestbewegung und die mit ihr verbundenen Kämpfe in Richtung Westen verlagerten, zogen die Mediziner mit. An wechselnden Standorten kümmern sie sich seitdem um Schusswunden und Verletzungen durch Granatsplitter - Fälle, mit denen viele von ihnen bisher kaum zu tun gehabt hatten.

Etwas völlig Neues

«Für die meisten Ärzte ist es das erste Mal, dass sie sich mit Kriegsverletzungen auseinandersetzen müssen», sagt der Arzt Mohammed Mafudh. Nach seiner Ausbildung in Atlanta in den USA war Mafudh zunächst nach Benghazi zurückgekehrt, um dort in einer Klinik für Traumabehandlung auszuhelfen.

Als die Gewalt in Benghazi nachliess, folgte er dem Ruf nach Freiwilligen. Einige hundert Kilometer weiter westlich behandelt er nun im improvisierten Lazarett inmitten der Ölraffinerie von Ras Lanuf. Dutzende Patienten kommen täglich zu Mafudh. Viele kommen humpelnd, viele bluten stark aus zum Teil gleich mehreren schweren Wunden. Zuletzt kamen sie vor allem aus dem Dorf Bin Jawad, wo Raketen Ghadhafis in der Nähe einer Stellung der Aufständischen eingeschlagen waren.

Arbeiten unter Extrembedingungen

Die Aufgabe der improvisierten Krankenstation ist vor allem die Notversorgung - die Blutungen stoppen und die Patienten so weit zu stabilisieren, dass sie in die grösseren Spitäler in Benghazi oder Adjabiyah transportiert werden können. Die Ärzte und Pfleger arbeiten unter chaotischen Verhältnissen. Eine stämmige Krankenschwester bewacht den Eingang und schreit einen bärtigen Kämpfer an, dass er seine Waffen draussen lassen müsse. Während drinnen die Ärzte noch operieren, wird bereits das weitere Vorgehen durchgesprochen.

Am liebsten würden die Aufständischen das Dorf Bin Jawad in einem Sturmangriff komplett unter ihre Kontrolle bringen und damit den Weg nach Sirte öffnen - der Heimatstadt Ghadhafis. Angesichts der heftigen Gegenwehr der Regierungstruppen stehen die Chancen im Moment eher schlecht, dass dies gelingen wird.

Wenn doch, dann werden Mafudh und seine Kollegen erneut ihre Koffer packen. «Wenn sie Bin Jawad einnehmen, werden wir weiterziehen», sagt der Arzt. «Noch besser wäre es, wenn sie Sirte einnehmen», fügt er hinzu. «Dort, in der Heimatstadt Ghadhafis, stünde uns eine frisch renovierte Klinik zur Verfügung».

Paul Schemm/ sda/jak

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