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20 Tote nach blutigem «Tag des Zorns» in Libyen

Tausende Libyer sind allen Einschüchterungsversuchen der Sicherheitskräfte zum Trotz auf die Strasse gegangen. Sie forderten den Rücktritt von Präsident Ghadhafi. Scharfschützen schossen in die Menge.

Orchestrierte Gegendemonstration: Anhänger von Präsident Muammar al-Ghadhafi.
Orchestrierte Gegendemonstration: Anhänger von Präsident Muammar al-Ghadhafi.
Keystone

14 Protestierende seien festgenommen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit. In der Hauptstadt versammelten sich Hunderte Anhänger der Regierung zu Kundgebungen.

Auf Internetseiten der libyschen Opposition und von einem Gaddafi-Gegner hiess es, in vier Städten des Landes hätten am Donnerstag, der zum «Tag des Zorns» ausgerufen worden war, Protestkundgebungen stattgefunden. Die Aufrufe zur Teilnahme an den Demonstrationen wurden wie auch in Tunesien und Ägypten per Facebook und Twitter verbreitet.

«Heute haben die Libyer die Mauer aus Angst durchbrochen. Es ist ein neuer Morgen», sagte Fais Dschibril, ein im Ausland lebender Oppositionspolitiker.

Zugeständnisse sollen Lage beruhigen

Ähnlich wie auch andere arabische Herrscher versuchte Ghadhafi, der bereits seit 40 Jahren an der Macht ist, die Bevölkerung mit Zugeständnissen zu beruhigen. Er verdoppelte die Löhne der Staatsbediensteten und entliess 110 mutmassliche islamistische Extremisten.

Zudem versuchte Ghadhafi, sich die Unterstützung der Stämme zu sichern. Er traf sich mit den Stammesführern des Ben-Ali-Klans, dem einflussreichsten des Landes mit Ablegern in Ägypten, wie das Staatsfernsehen bereits am Dienstag berichtete.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Jana meldete, waren für Donnerstag auch Kundgebungen von Tausenden Gaddafi-Anhängern in Tripolis und anderen Städten geplant. Sie sollten die ewige Einigkeit mit dem Führer der Revolution zeigen, hiess es. Zeugen berichteten, in Tripolis hätten Regierungsanhänger libysche Flaggen an ihren Autos befestigt. Ansonsten gehe das Leben seinen normalen Gang.

Scharfschützen sollen Feuer eröffnet haben

Nach Angaben der libyschen Opposition wurden in der Stadt Bejida vier Demonstranten von Sicherheitskräften getötet. Sie seien von Scharfschützen erschossen worden, hiess es auf der regierungskritischen Internetseite Libya al Jum. Sowohl am Mittwoch wie auch am Donnerstag fanden Proteste statt und es war zunächst nicht ersichtlich, wann die tödlichen Schüsse fielen.

Auch in der zweitgrössten Stadt Libyens starben laut Libya al Jum Demonstranten. Dort sollen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition das Feuer eröffnet und sechs Menschen erschossen haben. Aufgrund der starken Medienkontrolle des Regimes sind solche Berichte nur schwer von unabhängiger Seite zu verifizieren.

Der in der Schweiz lebende libysche Oppositionelle Fathi al Warfali sagte, elf Demonstranten seinen am Mittwochabend in Bejida getötet und zahlreiche verletzt worden. In der Stadt Sentan seien am Donnerstag zwei weitere Menschen ums Leben gekommen und in der Stadt Ridschbani sei ein weiterer Mensch getötet worden, sagte der Vorsitzende des Libyschen Komitees für Wahrheit und Gerechtigkeit.

Al Warfali zeigte auch ein Video der Proteste in Sentan, auf dem Demonstranten zu sehen waren, die einen Banner mit der Aufschrift «Nieder mit Ghadhafi. Nieder mit dem Regime» trugen.

dapd/ sda/ AFP/pbe

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