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Vom Rebellen zum Regierungschef

In Nepal regiert der frühere Staatsfeind und Rebellenchef Prachanda. Die Astrologen sehen schwarz.

In Nepal läuft das Jahr 2063, wenigstens nach dem gebräuchlichsten unter den vielen Kalendersystemen, Bikram. Und 2063 ist ein verrücktes Jahr für Nepal, voll mit historischen Revolutionen - und düsteren Prognosen der Astrologen. Auf die Sterndeuter hört man auf dem Dach der Welt. Im Mai fiel die Monarchie, was die Astrologen mitten im Jubel der Republikaner schon als Vorspiel für dräuendes Ungemach deuteten. Es war das letzte hinduistische Königshaus der Welt. Nun ist nach langen Koalitionsverhandlungen ein Maoist und früherer Rebellenchef, der noch immer auf seinen Kriegsnamen Prachanda («Der Fürchterliche») hört, zum ersten Premierminister der Republik gewählt worden. Seine Bündnispartner in der Verfassungsgebenden Versammlung erkoren Pushpa Kamal Dahal, so der bürgerliche Name des 53-jährigen Agronomen, mit einer klaren Mehrheit.

Noch vor zwei Jahren hätte es in Nepal niemand für möglich gehalten, dass Umwälzungen dieser Art in so kurzer Zeit passieren würden. Und das auch noch friedlich. Erst 2006 hatte Prachanda nach zehn Jahren Bürgerkrieg den Untergrund aufgegeben. Er hatte die meiste Zeit in Rebellencamps der Maoistischen Armee gelebt, welche er anführte.

Zum Demokraten gewandelt

Nun fragt man sich in Nepal, wie viel sich vom Rebellenjargon Prachandas in dessen Politik materialisieren wird. Er träumte früher von einer Revolution des Proletariats, einer Zerschlagung feudaler Strukturen und von einer Nationalisierung von nahezu allem, was privat ist. Nun scheint es aber so, als habe er sich von den Vorzügen der Demokratie überzeugen lassen. Bisher war sie gut zu ihm: Die Wahlen im April gewannen die Maoisten überraschenderweise.

Prachanda beschwört seine politischen Gegner, vor allem die Zentristen der alten Congress Party, die Nepal lange und korrupt regiert hatte, sie mögen in eine Grosse Koalition einwilligen. Das bestehende Linksbündnis bringt es nicht auf eine Zweidrittelmehrheit in der Verfassungsgebenden Versammlung. Eine solche wird aber nötig sein, um die Charta zu verabschieden. Prachanda ist also auf seine Gegner angewiesen. Und ausgerechnet diese Gegner hatten vor einigen Wochen verhindert, dass die Maoisten auch den Staatspräsidenten stellen durften. Prachanda hatte danach gedroht, die offizielle Politik wieder zu verlassen.

So fragil ist die Lage in dieser Übergangsphase. Und neuer Streit ist programmiert, wenn es um die Frage gehen wird, ob die etwa 25'000 früheren Rebellen in die reguläre Armee eingegliedert werden können. Am wenigsten wundern sich darüber die Astrologen. Einer schrieb unlängst in einer grossen nepalesischen Zeitung, keine der Parteien habe eine Zukunft. Und bald werde, so stehe es in den Sternen, der König zurückkehren.

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