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Unsicherheit und Anschläge vor Wahlen in Pakistan

Die blutigste Attacke seit 2014 mit 140 Toten und ein verhafteter Ex-Premier: In Pakistan herrscht vor den Wahlen am 25. Juli Unruhe.

Schon am Mittwoch hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag auf eine Versammlung der Anti-Taliban-Partei ANP in Pakistan mindestens 20 Menschen mit in den Tod gerissen. (Reuters)

In Pakistan sorgen kurz vor der Parlamentswahl Ende Juli die Festnahme von Ex-Premierminister Nawaz Sharif und Anschläge gegen Politiker für Unruhe. Sharif wurde nach Behördenangaben am Freitag bei der Rückkehr in sein Heimatland wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen.

Vertreter der Anti-Korruptionsbehörde nahmen Ex-Premier Sharif und seine Tochter Maryam am Freitag nach ihrer Landung in Lahore fest und brachten sie in die Hauptstadt Islamabad. Der Oberste Gerichtshof hatte Sharif im Juli 2017 seines Amtes enthoben, im Oktober folgte eine Anklage wegen Korruption.

Verhängnis Panama Papers

Er ist der 15. Regierungschef in der 70-jährigen Geschichte Pakistans, der vor Ende seiner Amtszeit abgesetzt wurde. Dem 68-Jährigen waren Enthüllungen aus den so genannten Panama Papers zum Verhängnis geworden.

Diese bringen drei seiner Kinder mit Steuerhinterziehung und Geldwäscherei in Zusammenhang. Über Briefkastenfirmen soll auch Sharif profitiert haben. Im April dieses Jahres erhielt er lebenslanges Politikverbot. Vergangene Woche verurteilte ihn ein Anti-Korruptionsgericht in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft.

Wegen einer Krebsbehandlung seiner Frau hielt sich der Ex-Premier zuletzt in London auf. «Ich weiss, dass ich (bei meiner Rückkehr nach Pakistan) direkt ins Gefängnis gebracht werde», sagte Sharif in einem Video, das seine Partei, die Muslimliga-Nawaz (PML-N), am Freitagmorgen veröffentlichte.

Vor seiner Ankunft in Lahore sicherten ihm tausende Anhänger öffentlich ihre Unterstützung zu. Experten gehen davon aus, dass seine Festnahme der in Umfragen schwächelnden PML-N vor der am 25. Juli beginnenden Parlamentswahl Auftrieb verleihen könnte.

140 Tote bei Anschlag

Unterdessen wurde der Wahlkampf von blutigen Anschlägen erschüttert. Bei einem Selbstmordanschlag am Freitag in der Stadt Mastung nahe der Grenze zu Afghanistan starben nach Behördenangaben mindestens 140 Menschen, darunter ein Regionalpolitiker.

Weitere 200 Menschen wurden verletzt. Ein Vertreter des Spitals in der Provinzhauptstadt Quetta sagte, man befürchte, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen könnte, weil sich viele der Verletzten in einem kritischen Zustand befänden. Es war der schlimmste Anschlag in Pakistan seit 2014. Nur wenige Stunden nach dem Attentat reklamierten sowohl die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als auch die Ghazi-Gruppe der radikalislamischen Taliban die Tat für sich.

Wahlkampfkundgebungen im Visier

Einen zweiten Anschlag gab es wenige Stunden zuvor in der nordwestlichen Stadt Bannu. Nach Polizeiangaben wurden vier Menschen getötet, als ein Motorrad einer Fahrzeugkolonne eines Kandidaten der Partei Mittahida Majlis-e-Amal (MMA) explodierte. Der Politiker habe den Angriff überlebt, zu dem sich zunächst niemand bekannte.

Einem Anschlag am Dienstag in der Stadt Peschawar im Nordwesten des Landes fielen nach neuen Angaben 22 Menschen zum Opfer. Der Angriff richtete sich gegen eine Wahlkampfkundgebung der Awami-National-Partei (ANP). Die Talibangruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan bekannte sich dazu.

Die Sicherheitslage in Pakistan hat sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert. Experten zufolge geht das Land aber nicht entschlossen gegen die Ursachen des Extremismus vor.

SDA/anf

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