UNO-Inspektoren nehmen erste Proben

Obwohl ihr Konvoi angegriffen wurde, haben UNO-Inspektoren in Syrien ein Krankenhaus besucht, in dem Dutzende Menschen durch Giftgas gestorben sein sollen. Sie konnten bereits erste Daten sammeln.

Befragten Ärzte in Muadamija: Die UNO-Inspektoren besuchen ein Krankenhaus des Roten Halbmonds. (Video: Reuters)

Trotz Schüssen auf ihren Konvoi haben die UNO-Inspekteure in Syrien am Montag erstmals zwei Krankenhäuser mit Zeugen des mutmasslichen Chemiewaffenangriffs besucht. Das Team habe mit Überlebenden und Ärzten gesprochen und einige Proben genommen, teilte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon aus Seoul mit. Es brauche nun etwas Zeit für eine Auswertung. Ban schickte überdies eine scharfe Protestnote sowohl an die Regierung in Damaskus als auch an die Aufständischen, weil am Morgen der Konvoi der UN-Experten beschossen worden war. Die Attacke sei von einem «nicht identifizierten Schützen» gekommen, sagte er in einer vom UNO-Kanal verbreiteten Videobotschaft.

Ein UNO-Sprecher sagte, die Chemiewaffenexperten hätten bereits am ersten Tag ihres Einsatzes «wertvolle Daten« gesammelt. «Sie sind zufrieden und werden ihre Nachforschungen morgen fortsetzen», sagte Farhan Haq in New York.

Das Expertenteam habe in einem Krankenhaus in Muadamijat al-Scham südwestlich der Hauptstadt Damaskus eine Klinik des Roten Halbmonds besucht und Ärzte getroffen, sagte der Aktivist Abu Nadim der Nachrichtenagentur AFP.

Obama erhöht Druck auf Assad

In Muadamijat al-Scham und in anderen Orten der Region Ghuta wurden nach Angaben von Aufständischen vergangenen Mittwoch mehr als 1300 Menschen bei Giftgasangriffen durch die Regierungstruppen getötet. Die syrische Regierung erlaubte den Inspekteuren am Sonntag auf internationalen Druck hin, die Orte zu inspizieren.

US-Präsident Barack Obama hatte am Wochenende von Planungen für ein militärisches Eingreifen berichtet – und damit den Druck auf Machthaber Baschar al-Assad dramatisch erhöht. Assad warnte in der russischen Zeitung «Iswestija», die USA würden einen «Fehlschlag» erleiden, «genau wie in allen früheren Kriegen, die sie angefangen haben». Assads verbündeter Russland warnte den Westen ebenfalls nachdrücklich vor einem Angriff ohne UN-Mandat. «Der Einsatz von Gewalt ohne die Zustimmung des UNO-Sicherheitsrats ist eine sehr schwere Verletzung des Völkerrechts», sagte Aussenminister Sergej Lawrow.

Bei den Kämpfen in Syrien gelang den Aufständischen nach Oppositionsangaben ein wichtiger Erfolg. Sie eroberten die Ortschaft Chanasser und konnten damit die Nachschublinie für die Streitkräfte Richtung Aleppo kappen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. 70 Soldaten und Aufständische seien getötet worden.

kle/bru/fko/AFP

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