Zum Hauptinhalt springen

Türkischer Jet drängt syrischen Helikopter ab

An der Grenze zwischen der Türkei und Syrien hat sich offenbar ein weiterer feindseliger Zwischenfall abgespielt. Die türkische Regierung hat 250 Panzer und 15 Kampfjets an die Grenze beordert.

Wird nun auch auf syrischem Gebiet eingesetzt: Türkischer F-4 Jet. (7. Oktober 2012)
Wird nun auch auf syrischem Gebiet eingesetzt: Türkischer F-4 Jet. (7. Oktober 2012)
Keystone

Die Lage an der syrisch-türkischen Grenze spitzt sich weiter zu: Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP drängte ein türkisches Kampfflugzeug nahe der Grenze einen syrischen Helikopter ab. Der Helikopter habe sich der Grenze genähert, um die von Rebellen kontrollierte syrische Stadt Asmarin zu bombardieren, sagte ein türkischer Offizieller, der namentlich nicht genannt werden wollte. Darauf sei ein Kampfflugzeug der türkischen Luftwaffe vom Stützpunkt im südöstlichen Diyarbakir gestartet und habe den Helikopter abgedrängt.

Nach einem Bericht der türkischen Zeitung Hürriyet verlegte die türkische Luftwaffe zudem 15 Kampfjets aus anderen Landesteilen nach Diyarbakir. In der vergangenen Woche war der Konflikt an der Grenze eskaliert, nachdem syrische Artilleriegeschosse in einem türkischen Grenzort einschlugen und fünf Zivilisten töteten. Seitdem schlagen immer wieder Geschosse auf türkischem Gebiet ein, die türkische Armee antwortet mit Gegenschlägen.

Heftige Gefechte in Syrien

Seit vergangenen Woche haben die türkischen Streitkräfte ihre Präsenz in der Grenzregion verstärkt; das Parlament in Ankara gab grundsätzlich grünes Licht für einen Militäreinsatz im Nachbarland. In Syrien selbst wird in vielen Regionen derweil heftig gekämpft. Heftige Gefechte wurden aus den Provinzen Aleppo und Idlib an der Grenze zur Türkei gemeldet.

Obwohl Rebellen immer wieder von Verlusten auf Regierungsseite berichten, scheinen die Kräfte von Präsident Bashar al-Assad zuletzt im Umland der Hauptstadt Damaskus und in der Stadt Homs Gebietsgewinne zu verzeichnen.

Die der Opposition nahestehende Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter in London teilte heute mit, am Vortag seien 92 Soldaten sowie 146 Zivilisten und Rebellen getötet worden. Heute zählten die Regimegegner 35 Todesopfer.

250 türkische Panzer an der Grenze

Die türkische Armee hat nach einem Bericht der Zeitung «Hürriyet» zudem mindestens 250 Panzer an die syrische Grenze verlegt. Die Planungen für eine mögliche Intervention im Nachbarland liefen auf Hochtouren, meldete das Blatt heute unter Berufung auf Militärkreise. Demnach sind die Planer zu dem Schluss gekommen, dass sich die relativ flache Grenzgegend um die Stadt Akcakale, die vergangene Woche von Syrien aus beschossen wurde, gut für einen Panzerangriff eignen würde. Laut «Hürriyet» sehen die Überlegungen vor, einen Panzereinsatz durch Luftangriffe af syrische Stellungen vorzubereiten.

Von offizieller Seite lag zunächst keine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht vor. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat seit dem Tod von fünf Zivilisten beim Einschlag einer syrischen Granate in Akcakale am 3. Oktober mehrmals erklärt, die Türkei wolle keinen Krieg mit Syrien, müsse sich aber auf alle Eventualitäten vorbereiten. Generalstabschef Necdet Özel warnte Syrien vor «noch heftigeren» Reaktionen der Türkei, sollte der grenzüberschreitende Beschuss anhalten.

Laut «Hürriyet» werden an der Grenze inzwischen Stellungen für die türkischen Truppen ausgehoben. Auch die Zahl der Artillerie-Einheiten sowie der Kampfflugzeuge in der Grenzgegend sei erheblich aufgestockt worden. Die Zeitung zitierte einen ungenannten Militärvertreter mit den Worten, Ziel einer möglichen Intervention wäre es, die syrische Seite der Grenze unter türkische Kontrolle zu bringen. Ob die Türkei einen solchen Schritt für nötig erachten werde oder nicht, hänge vom Verhalten der Syrer ab.

USA unterstützen Türkei

Im Streit um das abgefangene syrische Flugzeug haben sich die USA hinter die Türkei gestellt. «Wir unterstützen die Entscheidung der türkischen Regierung, das Flugzeug zu untersuchen», sagte die Sprecherin des US- Aussenministeriums, Victoria Nuland gestern

Türkische Kampfflugzeuge hatten den Airbus A-320 der syrischen Fluggesellschaft SyrianAir am Mittwoch auf dem Weg von Moskau nach Damaskus zur Landung in Ankara gezwungen.

Die US-Regierung stehe hinter Verbündeten, die versuchten, Waffenlieferungen an das Regime von Baschar al-Assad zu verhindern, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest gestern in Washington. Dies gelte besonders für die Türkei.

Kurz zuvor hatte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan den Fund «militärischer Güter» in dem syrischen Passagierflugzeug bestätigt.

Russland verärgert

Erdogan verurteilte den Versuch, das Material durch den türkischen Luftraum zu transportieren. Russland reagierte verärgert auf die Berichte, wonach Waffen für das Assad-Regime an Bord der in Moskau gestarteten Maschine beschlagnahmt worden seien. Kremlchef Wladimir Putin sagte eine für diesen Montag geplante Reise in die Türkei ab.

Die türkische Führung liess offen, um welche Rüstungsgüter es sich konkret handelt. Auf einer Pressekonferenz in Ankara sprach Erdogan auf Türkisch von «Malzemeler». Das bedeutet auf Deutsch «Materialien».

Weiter sagte er: «Niemand darf unter keinen Umständen Waffen, Fahrzeuge, Materialien oder Munition mit einem Passagierflugzeug transportieren. Das ist gegen die internationalen Bestimmungen.» Dabei ging er aber nicht konkret auf die Ladung des syrischen Flugzeugs ein.

Syrien: «Luftpiraterie»

Die Maschine des Typs Airbus A-320 war am Mittwochabend von türkischen F-16-Kampfflugzeugen abgefangen und zur Landung auf dem Esenboga-Flughafen in Ankara gezwungen worden. Nach Angaben des türkischen Aussenministers Ahmet Davutoglu lagen dem türkischen Geheimdienst Informationen über eine verdächtige Fracht vor.

Der syrische Verkehrsminister Mahmud Said bezichtigte die Türkei der «Luftpiraterie». Was die Türkei getan habe, widerspreche allen Regeln und Bestimmungen der zivilen Luftfahrt. Syrische Staatsmedien warnten die Türkei davor, «mit dem Feuer zu spielen».

(AFP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch