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Tepco gibt Verharmlosung der Tsunami-Gefahr zu

«Es gab eine latente Angst vor einer Schliessung»: Tepco veröffentlichte einen Bericht zur AKW-Katastrophe von Fukushima. Der Kraftwerksbetreiber kommt darin äusserst schlecht weg.

Dampf steigt aus dem Reaktor auf: In Fukushima wurden am 3. Juni die bisher höchsten Strahlenwerte gemessen.
Dampf steigt aus dem Reaktor auf: In Fukushima wurden am 3. Juni die bisher höchsten Strahlenwerte gemessen.
Verseuchtes Leitungswasser: Tokio beginnt an Familien Mineralwasser zu verteilen, nachdem im Leitungswasser kritische Werte gemessen wurden. Die evakuierte Bevölkerung im näheren Umkreis des Kraftwerkes wird seit Tagen auf Strahlung überprüft.
Verseuchtes Leitungswasser: Tokio beginnt an Familien Mineralwasser zu verteilen, nachdem im Leitungswasser kritische Werte gemessen wurden. Die evakuierte Bevölkerung im näheren Umkreis des Kraftwerkes wird seit Tagen auf Strahlung überprüft.
Zu hoch: Greenpeace misst erhöhte Strahlungswerte in Iitate.
Zu hoch: Greenpeace misst erhöhte Strahlungswerte in Iitate.
Fortdauernde Rettungsarbeiten: Eine achtzigjährige Frau wird mit ihrem Enkel nach neun Tagen aus einem eingestürzten Haus geborgen.
Fortdauernde Rettungsarbeiten: Eine achtzigjährige Frau wird mit ihrem Enkel nach neun Tagen aus einem eingestürzten Haus geborgen.
Erschwerte Arbeiten im Kontrollraum: Der Reaktor ist endlich mit Strom versorgt, wegen Rauch müssen die Einsatzkräfte aber wieder abziehen.
Erschwerte Arbeiten im Kontrollraum: Der Reaktor ist endlich mit Strom versorgt, wegen Rauch müssen die Einsatzkräfte aber wieder abziehen.
Medienwirksamer Auftritt: Der Vizepräsident von Tepco (Mitte) entschuldigt sich offiziell in einer Notunterkunft in Kriyama. Die Aktion wird nicht nur positiv aufgenommen.
Medienwirksamer Auftritt: Der Vizepräsident von Tepco (Mitte) entschuldigt sich offiziell in einer Notunterkunft in Kriyama. Die Aktion wird nicht nur positiv aufgenommen.
Die Helden von Fukushima I: Feuerwehrmänner bereiten sich auf den riskanten Einsatz vor, wie sich später herausstellte, nicht immer ganz freiwillig.
Die Helden von Fukushima I: Feuerwehrmänner bereiten sich auf den riskanten Einsatz vor, wie sich später herausstellte, nicht immer ganz freiwillig.
Umdenken: In Tokio und Nagoya, Zentraljapan, finden sich je etwa 300 Menschen zusammen, um gegen Kernkraft zu demonstrieren.
Umdenken: In Tokio und Nagoya, Zentraljapan, finden sich je etwa 300 Menschen zusammen, um gegen Kernkraft zu demonstrieren.
Schutt und Asche: Eine Drohne liefert erstmals hochauflösende Luftaufnahmen des zerstörten Kernkraftwerkes.
Schutt und Asche: Eine Drohne liefert erstmals hochauflösende Luftaufnahmen des zerstörten Kernkraftwerkes.
Super-GAU: Satellitenaufnahmen zeigen das zerstörte und rauchende Kernkraftwerk.
Super-GAU: Satellitenaufnahmen zeigen das zerstörte und rauchende Kernkraftwerk.
Abschied nehmen: Erste Massenbegräbnisse der Opfer finden statt. Die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten dauern an.
Abschied nehmen: Erste Massenbegräbnisse der Opfer finden statt. Die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten dauern an.
Schon in Tschernobyl wurde ein ähnliches Verfahren angewendet: Arbeiter gehen mit Kunstharz gegen die Ausbreitung der Radioaktivität vor. Die Substanz soll die radioaktiven Partikel binden und am Boden halten.
Schon in Tschernobyl wurde ein ähnliches Verfahren angewendet: Arbeiter gehen mit Kunstharz gegen die Ausbreitung der Radioaktivität vor. Die Substanz soll die radioaktiven Partikel binden und am Boden halten.
Vergleichbar: Die Reaktorkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl sind gemäss einer internationalen Skala gleich schwerwiegend - in Fukushima gelang aber bislang weniger Radioaktivität in die Umgebung.
Vergleichbar: Die Reaktorkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl sind gemäss einer internationalen Skala gleich schwerwiegend - in Fukushima gelang aber bislang weniger Radioaktivität in die Umgebung.
Ein gefährlicher Riss wird entdeckt: Durch diesen Spalt fliesst offenbar das radioaktive Wasser ins Meer.
Ein gefährlicher Riss wird entdeckt: Durch diesen Spalt fliesst offenbar das radioaktive Wasser ins Meer.
Erstmals seit der Explosion vor zwei Monaten betreten Arbeiter wieder das Reaktorgebäude: Das Kühlsystem im Reaktor 1 soll wieder installiert werden.
Erstmals seit der Explosion vor zwei Monaten betreten Arbeiter wieder das Reaktorgebäude: Das Kühlsystem im Reaktor 1 soll wieder installiert werden.
Nicht ohne Schutzanzug: Bewohner der Sperrzone werden nach und nach für kurze Besuche in ihre Häuser gelassen, um Habseligkeiten abzuholen.
Nicht ohne Schutzanzug: Bewohner der Sperrzone werden nach und nach für kurze Besuche in ihre Häuser gelassen, um Habseligkeiten abzuholen.
Der atomare GAU rückt näher: Explosion im Atomkraftwerk Fukushima.
Der atomare GAU rückt näher: Explosion im Atomkraftwerk Fukushima.
Drohende Gefahr: Die Tsunamiwelle erreicht die Küste Japans, wo auch das AKW Fukushima I steht.
Drohende Gefahr: Die Tsunamiwelle erreicht die Küste Japans, wo auch das AKW Fukushima I steht.
Die Sperrzone um das zerstörte Kraftwerk wird von 20km auf 30km ausgeweitet: Bewohner des Städtchens Iitate hören sich am 13. April den Evakuierungsplan der Regierung an.
Die Sperrzone um das zerstörte Kraftwerk wird von 20km auf 30km ausgeweitet: Bewohner des Städtchens Iitate hören sich am 13. April den Evakuierungsplan der Regierung an.
Schutzmassnahmen: Stahlwände vor dem AKW sollen den Pazifik vor Radioaktivität schützen.
Schutzmassnahmen: Stahlwände vor dem AKW sollen den Pazifik vor Radioaktivität schützen.
Roboter messen die Strahlung und liefern Fotos vom Reaktor 3: Mit den Aufnahmen der Roboter lassen sich Lecks besser erkennen.
Roboter messen die Strahlung und liefern Fotos vom Reaktor 3: Mit den Aufnahmen der Roboter lassen sich Lecks besser erkennen.
Viele Vermisste: Seit Anfang April suchen die Rettungkräfte auch in der Sperrzone nach Toten.
Viele Vermisste: Seit Anfang April suchen die Rettungkräfte auch in der Sperrzone nach Toten.
Nach einer Untersuchung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sei Japan ungenügend für ein Tsunami-Unglück vorbereitet gewesen. Gleichzeitig lobt die IAEA aber für die Reaktion nach der Katastrophe. Im Bild: IAEA-Mitglieder in Fukushima.
Nach einer Untersuchung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sei Japan ungenügend für ein Tsunami-Unglück vorbereitet gewesen. Gleichzeitig lobt die IAEA aber für die Reaktion nach der Katastrophe. Im Bild: IAEA-Mitglieder in Fukushima.
Regierungswechsel: Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Naoto Kan wird Yoshihiko Noda (im Bild) zu seinem Nachfolger gewählt.
Regierungswechsel: Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Naoto Kan wird Yoshihiko Noda (im Bild) zu seinem Nachfolger gewählt.
Rettungspakete: Das japanische Parlament bewilligt weitere Mittel in Höhe von fast zwei Billionen Yen (knapp 18 Milliarden Euro) zum Wiederaufbau der durch Tsunami und Erdbeben zerstörten Region.
Rettungspakete: Das japanische Parlament bewilligt weitere Mittel in Höhe von fast zwei Billionen Yen (knapp 18 Milliarden Euro) zum Wiederaufbau der durch Tsunami und Erdbeben zerstörten Region.
Staatliche Unterstützung: Die japanische Regierung kündigt eine Finanzhilfe von 900 Milliarden Yen (8,4 Milliarden Euro) für den angeschlagenen Kraftwerksbetreiber Tepco an.
Staatliche Unterstützung: Die japanische Regierung kündigt eine Finanzhilfe von 900 Milliarden Yen (8,4 Milliarden Euro) für den angeschlagenen Kraftwerksbetreiber Tepco an.
Ernteeinbussen: Japan stoppt erstmals eine Lieferung von Reis aus der Umgebung von Fukushima wegen zu hoher Strahlenwerte.
Ernteeinbussen: Japan stoppt erstmals eine Lieferung von Reis aus der Umgebung von Fukushima wegen zu hoher Strahlenwerte.
Optimistisch: Die japanische Regierung erklärt das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi für stabil.
Optimistisch: Die japanische Regierung erklärt das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi für stabil.
Noch nicht stabil: Am Atomkraftwerk Fukushima tritt durch ein Leck an der Wasseraufbereitungsanlage erneut Radioaktivität aus.
Noch nicht stabil: Am Atomkraftwerk Fukushima tritt durch ein Leck an der Wasseraufbereitungsanlage erneut Radioaktivität aus.
Gewaltige Zerstörungskraft: Das Erdbeben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Tsunamiwelle richten verheerende Schäden an und lassen ganze Landstriche verwüstet zurück.
Gewaltige Zerstörungskraft: Das Erdbeben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Tsunamiwelle richten verheerende Schäden an und lassen ganze Landstriche verwüstet zurück.
Konsequenzen der Katastrophe: Die japanische Regierung beschliesst eine Begrenzung der Laufzeit seiner Atomkraftwerke auf 40 Jahre an.
Konsequenzen der Katastrophe: Die japanische Regierung beschliesst eine Begrenzung der Laufzeit seiner Atomkraftwerke auf 40 Jahre an.
Alles andere als unter Kontrolle: Über ein Jahr nach dem Unglück beträgt der Kühlwasserstand in Reaktor 2 laut Tepco noch 60 Zentimeter: Tepco-Bild aus dem Sicherheitsbehälter.
Alles andere als unter Kontrolle: Über ein Jahr nach dem Unglück beträgt der Kühlwasserstand in Reaktor 2 laut Tepco noch 60 Zentimeter: Tepco-Bild aus dem Sicherheitsbehälter.
Die Sperrzonen-Regelung wird gelockert: Bewohner der Ortschaft Kawauchi am Rand der 20-Kilometer-Zone dürfen zumindest zeitweise in ihre Häuser zurückkehren. Übernachten können sie dort jedoch nicht, dafür werden noch immer zu hohe Strahlungswerte gemessen. Polizisten entfernen in Kawauchi am Rand der Sperrzone Schilder, auf denen «Kein Durchgang» steht.
Die Sperrzonen-Regelung wird gelockert: Bewohner der Ortschaft Kawauchi am Rand der 20-Kilometer-Zone dürfen zumindest zeitweise in ihre Häuser zurückkehren. Übernachten können sie dort jedoch nicht, dafür werden noch immer zu hohe Strahlungswerte gemessen. Polizisten entfernen in Kawauchi am Rand der Sperrzone Schilder, auf denen «Kein Durchgang» steht.
Gen-Mutationen: Das Atomunglück von Fukushima hat zu Missbildungen bei den Flügeln von Schmetterlingen in der Umgebung des japanischen Atomkraftwerks geführt. Die Radioaktivität in der Nähe des AKW führte noch bei den Nachkommen von Schmetterlingen in dritter Generation zu Gen-Mutationen, wie Wissenschaftler der Ryukyu-Universität in Okinawa herausfanden.
Gen-Mutationen: Das Atomunglück von Fukushima hat zu Missbildungen bei den Flügeln von Schmetterlingen in der Umgebung des japanischen Atomkraftwerks geführt. Die Radioaktivität in der Nähe des AKW führte noch bei den Nachkommen von Schmetterlingen in dritter Generation zu Gen-Mutationen, wie Wissenschaftler der Ryukyu-Universität in Okinawa herausfanden.
Ausstieg: Die japanische Regierung hat anderthalb Jahre nach der verheerenden Reaktorkatastrophe den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2040 verkündet. Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda erklärte, es dürften keine neuen Atommeiler gebaut werden. Bestehende Reaktoren hingegen, welche die neue Regulierungsbehörde für sicher halte, sollten wieder hochgefahren werden können.Bild: Ein Journalist mit einer Maske vor dem AKW Fukushima.
Ausstieg: Die japanische Regierung hat anderthalb Jahre nach der verheerenden Reaktorkatastrophe den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2040 verkündet. Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda erklärte, es dürften keine neuen Atommeiler gebaut werden. Bestehende Reaktoren hingegen, welche die neue Regulierungsbehörde für sicher halte, sollten wieder hochgefahren werden können.Bild: Ein Journalist mit einer Maske vor dem AKW Fukushima.
Es geschah am helllichten Tage: Um 14.46 Uhr (Ortszeit) ereignet sich etwa 125 Kilometer vor der Nordostküste Japans in zehn Kilometer Tiefe ein Erdbeben. Seine Stärke wird zunächst mit 8,9 beziffert und später auf 9,0 korrigiert. Das gewaltige Beben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Flutwelle richten verheerende Schäden an und verwüsten ganze Landstriche.
Es geschah am helllichten Tage: Um 14.46 Uhr (Ortszeit) ereignet sich etwa 125 Kilometer vor der Nordostküste Japans in zehn Kilometer Tiefe ein Erdbeben. Seine Stärke wird zunächst mit 8,9 beziffert und später auf 9,0 korrigiert. Das gewaltige Beben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Flutwelle richten verheerende Schäden an und verwüsten ganze Landstriche.
Riesige Flutwelle: Die Tsunamiwelle rollt auf die Küste Japans zu. Für den gesamten Pazifikraum wird Tsunami-Alarm ausgelöst; die Wellen bleiben aber niedriger als befürchtet.
Riesige Flutwelle: Die Tsunamiwelle rollt auf die Küste Japans zu. Für den gesamten Pazifikraum wird Tsunami-Alarm ausgelöst; die Wellen bleiben aber niedriger als befürchtet.
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Mehr als anderthalb Jahre nach dem Atomunglück von Fukushima hat die Betreibergesellschaft Tepco heute erstmals die bewusste Verharmlosung von Gefahren eingeräumt. Tepco erklärte, dass die schwere Krise hätte vermieden werden können.

Das Unternehmen erklärte in einem Bericht über eine «fundamentale Reform», das Risiko heruntergespielt zu haben, um eine Schliessung des Atomkraftwerks aus Sicherheitsgründen zu vermeiden. «Es gab eine latente Angst vor einer Schliessung», heisst es in dem Bericht.

Angst vor einer Anti-Atom-Stimmung

Wären vor dem Unglück weitreichende Sicherheitsmassnahmen angeordnet worden, so hätte dies den Eindruck erweckt, Atomkraftwerke seien nicht sicher. Man habe befürchtet, dass eine Erhöhung der Sicherheitsmassnahmen gegen schwere Unfälle eine Anti-Atom-Stimmung in der Bevölkerung bewirkt hätte, berichtete die Sonderkommission unter der Leitung von Konzern-Chef Naomi Hirose.

Der Kraftwerksbetreiber hätte demnach die Folgen des verheerenden Tsunamis mildern können, indem er internationalen Standards und Empfehlungen mehr Beachtung geschenkt und Mitarbeiter in Krisenmanagement geschult hätte.

Tepco-Vertreter hatten seit dem Unglück im März 2011 bislang beteuert, dass der Konzern auf Krisensituationen vorbereitet gewesen sei. In Fukushima war es nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe zu mehreren Kernschmelzen und Explosionen gekommen.

«Von Menschen verursachte Katastrophe»

Ein von der Regierung eingesetzter Untersuchungsausschuss hatte das Unglück Anfang Juli als vermeidbar und deshalb als «von Menschen verursachte Katastrophe» bezeichnet. Das Atomkraftwerk sei damals «verwundbar» gewesen. Die Atomkraftwerksbetreiber und die Regierung hätten die tatsächlichen Gefahren nicht wahrgenommen, weil sie dem «Mythos der atomaren Sicherheit» geglaubt hätten. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami vom 11. März 2011 führten in Fukushima zur Kernschmelze, grosse Gebiete wurden radioaktiv verseucht.

Tepco hatte den beinahe 15 Meter hohen Tsunami, der nach einem Erdbeben der Stärke 9 über das Kraftwerk hereinbrach, in den vergangenen Monaten immer wieder als «unvorhersehbar» bezeichnet. Inzwischen beschloss die Regierung in Tokio, bis zum Jahr 2040 aus der Atomkraft auszusteigen.

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