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Tepco gibt Verharmlosung der Tsunami-Gefahr zu

«Es gab eine latente Angst vor einer Schliessung»: Tepco veröffentlichte einen Bericht zur AKW-Katastrophe von Fukushima. Der Kraftwerksbetreiber kommt darin äusserst schlecht weg.

Es geschah am helllichten Tage: Um 14.46 Uhr (Ortszeit) ereignet sich etwa 125 Kilometer vor der Nordostküste Japans in zehn Kilometer Tiefe ein Erdbeben. Seine Stärke wird zunächst mit 8,9 beziffert und später auf 9,0 korrigiert. Das gewaltige Beben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Flutwelle richten verheerende Schäden an und verwüsten ganze Landstriche.
Es geschah am helllichten Tage: Um 14.46 Uhr (Ortszeit) ereignet sich etwa 125 Kilometer vor der Nordostküste Japans in zehn Kilometer Tiefe ein Erdbeben. Seine Stärke wird zunächst mit 8,9 beziffert und später auf 9,0 korrigiert. Das gewaltige Beben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Flutwelle richten verheerende Schäden an und verwüsten ganze Landstriche.
AFP
Die Flutwelle erreicht die Küste Japans in Natori: Mehrere Hundert Tote werden gemeldet, doch ist abzusehen, dass die tatsächliche Zahl der Opfer weit höher liegt.
Die Flutwelle erreicht die Küste Japans in Natori: Mehrere Hundert Tote werden gemeldet, doch ist abzusehen, dass die tatsächliche Zahl der Opfer weit höher liegt.
Keystone
Gewaltige Zerstörungskraft: Das Erdbeben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Tsunamiwelle richten verheerende Schäden an und lassen ganze Landstriche verwüstet zurück.
Gewaltige Zerstörungskraft: Das Erdbeben und die folgende, bis zu zehn Meter hohe Tsunamiwelle richten verheerende Schäden an und lassen ganze Landstriche verwüstet zurück.
Keystone
Drohende Gefahr: Die Tsunamiwelle erreicht die Küste Japans, wo auch das AKW Fukushima I steht.
Drohende Gefahr: Die Tsunamiwelle erreicht die Küste Japans, wo auch das AKW Fukushima I steht.
AFP
Der atomare GAU rückt näher: Explosion im Atomkraftwerk Fukushima.
Der atomare GAU rückt näher: Explosion im Atomkraftwerk Fukushima.
Reuters
Super-GAU: Satellitenaufnahmen zeigen das zerstörte und rauchende Kernkraftwerk.
Super-GAU: Satellitenaufnahmen zeigen das zerstörte und rauchende Kernkraftwerk.
Reuters
Die Helden von Fukushima I: Feuerwehrmänner bereiten sich auf den riskanten Einsatz vor, wie sich später herausstellte, nicht immer ganz freiwillig.
Die Helden von Fukushima I: Feuerwehrmänner bereiten sich auf den riskanten Einsatz vor, wie sich später herausstellte, nicht immer ganz freiwillig.
Keystone
Fortdauernde Rettungsarbeiten: Eine achtzigjährige Frau wird mit ihrem Enkel nach neun Tagen aus einem eingestürzten Haus geborgen.
Fortdauernde Rettungsarbeiten: Eine achtzigjährige Frau wird mit ihrem Enkel nach neun Tagen aus einem eingestürzten Haus geborgen.
Keystone
Erste Bilder aus dem Innern von Fukushima: Experten im Kontrollraum des Reaktors 1.
Erste Bilder aus dem Innern von Fukushima: Experten im Kontrollraum des Reaktors 1.
AFP
Verseuchtes Leitungswasser: Tokio beginnt an Familien Mineralwasser zu verteilen, nachdem im Leitungswasser kritische Werte gemessen wurden. Die evakuierte Bevölkerung im näheren Umkreis des Kraftwerkes wird seit Tagen auf Strahlung überprüft.
Verseuchtes Leitungswasser: Tokio beginnt an Familien Mineralwasser zu verteilen, nachdem im Leitungswasser kritische Werte gemessen wurden. Die evakuierte Bevölkerung im näheren Umkreis des Kraftwerkes wird seit Tagen auf Strahlung überprüft.
Keystone
Abschied nehmen: Erste Massenbegräbnisse der Opfer finden statt. Die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten dauern an.
Abschied nehmen: Erste Massenbegräbnisse der Opfer finden statt. Die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten dauern an.
Reuters
Zu hoch: Greenpeace misst erhöhte Strahlungswerte in Iitate.
Zu hoch: Greenpeace misst erhöhte Strahlungswerte in Iitate.
AFP
Erschwerte Arbeiten im Kontrollraum: Der Reaktor ist endlich mit Strom versorgt, wegen Rauch müssen die Einsatzkräfte aber wieder abziehen.
Erschwerte Arbeiten im Kontrollraum: Der Reaktor ist endlich mit Strom versorgt, wegen Rauch müssen die Einsatzkräfte aber wieder abziehen.
Keystone
Umdenken: In Tokio und Nagoya, Zentraljapan, finden sich je etwa 300 Menschen zusammen, um gegen Kernkraft zu demonstrieren.
Umdenken: In Tokio und Nagoya, Zentraljapan, finden sich je etwa 300 Menschen zusammen, um gegen Kernkraft zu demonstrieren.
Reuters
Schutt und Asche: Eine Drohne liefert erstmals hochauflösende Luftaufnahmen des zerstörten Kernkraftwerkes.
Schutt und Asche: Eine Drohne liefert erstmals hochauflösende Luftaufnahmen des zerstörten Kernkraftwerkes.
Keystone
Ein gefährlicher Riss wird entdeckt: Durch diesen Spalt fliesst offenbar das radioaktive Wasser ins Meer.
Ein gefährlicher Riss wird entdeckt: Durch diesen Spalt fliesst offenbar das radioaktive Wasser ins Meer.
Keystone
Schon in Tschernobyl wurde ein ähnliches Verfahren angewendet: Arbeiter gehen mit Kunstharz gegen die Ausbreitung der Radioaktivität vor. Die Substanz soll die radioaktiven Partikel binden und am Boden halten.
Schon in Tschernobyl wurde ein ähnliches Verfahren angewendet: Arbeiter gehen mit Kunstharz gegen die Ausbreitung der Radioaktivität vor. Die Substanz soll die radioaktiven Partikel binden und am Boden halten.
Keystone
Die Sperrzone um das zerstörte Kraftwerk wird von 20km auf 30km ausgeweitet: Bewohner des Städtchens Iitate hören sich am 13. April den Evakuierungsplan der Regierung an.
Die Sperrzone um das zerstörte Kraftwerk wird von 20km auf 30km ausgeweitet: Bewohner des Städtchens Iitate hören sich am 13. April den Evakuierungsplan der Regierung an.
Keystone
Vergleichbar: Die Reaktorkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl sind gemäss einer internationalen Skala gleich schwerwiegend - in Fukushima gelang aber bislang weniger Radioaktivität in die Umgebung.
Vergleichbar: Die Reaktorkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl sind gemäss einer internationalen Skala gleich schwerwiegend - in Fukushima gelang aber bislang weniger Radioaktivität in die Umgebung.
Reuters
Schutzmassnahmen: Stahlwände vor dem AKW sollen den Pazifik vor Radioaktivität schützen.
Schutzmassnahmen: Stahlwände vor dem AKW sollen den Pazifik vor Radioaktivität schützen.
TEPCO Handout, Reuters
Viele Vermisste: Seit Anfang April suchen die Rettungkräfte auch in der Sperrzone nach Toten.
Viele Vermisste: Seit Anfang April suchen die Rettungkräfte auch in der Sperrzone nach Toten.
Keystone
Roboter messen die Strahlung und liefern Fotos vom Reaktor 3: Mit den Aufnahmen der Roboter lassen sich Lecks besser erkennen.
Roboter messen die Strahlung und liefern Fotos vom Reaktor 3: Mit den Aufnahmen der Roboter lassen sich Lecks besser erkennen.
Reuters
Erstmals seit der Explosion vor zwei Monaten betreten Arbeiter wieder das Reaktorgebäude: Das Kühlsystem im Reaktor 1 soll wieder installiert werden.
Erstmals seit der Explosion vor zwei Monaten betreten Arbeiter wieder das Reaktorgebäude: Das Kühlsystem im Reaktor 1 soll wieder installiert werden.
Keystone
Nicht ohne Schutzanzug: Bewohner der Sperrzone werden nach und nach für kurze Besuche in ihre Häuser gelassen, um Habseligkeiten abzuholen.
Nicht ohne Schutzanzug: Bewohner der Sperrzone werden nach und nach für kurze Besuche in ihre Häuser gelassen, um Habseligkeiten abzuholen.
AFP
Nach einer Untersuchung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sei Japan ungenügend für ein Tsunami-Unglück vorbereitet gewesen. Gleichzeitig lobt die IAEA aber für die Reaktion nach der Katastrophe. Im Bild: IAEA-Mitglieder in Fukushima.
Nach einer Untersuchung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sei Japan ungenügend für ein Tsunami-Unglück vorbereitet gewesen. Gleichzeitig lobt die IAEA aber für die Reaktion nach der Katastrophe. Im Bild: IAEA-Mitglieder in Fukushima.
Keystone
Dampf steigt aus dem Reaktor auf: In Fukushima wurden am 3. Juni die bisher höchsten Strahlenwerte gemessen.
Dampf steigt aus dem Reaktor auf: In Fukushima wurden am 3. Juni die bisher höchsten Strahlenwerte gemessen.
Keystone
Regierungswechsel: Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Naoto Kan wird Yoshihiko Noda (im Bild) zu seinem Nachfolger gewählt.
Regierungswechsel: Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Naoto Kan wird Yoshihiko Noda (im Bild) zu seinem Nachfolger gewählt.
Keystone
Staatliche Unterstützung: Die japanische Regierung kündigt eine Finanzhilfe von 900 Milliarden Yen (8,4 Milliarden Euro) für den angeschlagenen Kraftwerksbetreiber Tepco an.
Staatliche Unterstützung: Die japanische Regierung kündigt eine Finanzhilfe von 900 Milliarden Yen (8,4 Milliarden Euro) für den angeschlagenen Kraftwerksbetreiber Tepco an.
Keystone
Ernteeinbussen: Japan stoppt erstmals eine Lieferung von Reis aus der Umgebung von Fukushima wegen zu hoher Strahlenwerte.
Ernteeinbussen: Japan stoppt erstmals eine Lieferung von Reis aus der Umgebung von Fukushima wegen zu hoher Strahlenwerte.
Keystone
Optimistisch: Die japanische Regierung erklärt das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi für stabil.
Optimistisch: Die japanische Regierung erklärt das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi für stabil.
Keystone
Konsequenzen der Katastrophe: Die japanische Regierung beschliesst eine Begrenzung der Laufzeit seiner Atomkraftwerke auf 40 Jahre an.
Konsequenzen der Katastrophe: Die japanische Regierung beschliesst eine Begrenzung der Laufzeit seiner Atomkraftwerke auf 40 Jahre an.
Reuters
Alles andere als unter Kontrolle: Über ein Jahr nach dem Unglück beträgt der Kühlwasserstand in Reaktor 2 laut Tepco noch 60 Zentimeter: Tepco-Bild aus dem Sicherheitsbehälter.
Alles andere als unter Kontrolle: Über ein Jahr nach dem Unglück beträgt der Kühlwasserstand in Reaktor 2 laut Tepco noch 60 Zentimeter: Tepco-Bild aus dem Sicherheitsbehälter.
Reuters
Die Sperrzonen-Regelung wird gelockert: Bewohner der Ortschaft Kawauchi am Rand der 20-Kilometer-Zone dürfen zumindest zeitweise in ihre Häuser zurückkehren. Übernachten können sie dort jedoch nicht, dafür werden noch immer zu hohe Strahlungswerte gemessen. Polizisten entfernen in Kawauchi am Rand der Sperrzone Schilder, auf denen «Kein Durchgang» steht.
Die Sperrzonen-Regelung wird gelockert: Bewohner der Ortschaft Kawauchi am Rand der 20-Kilometer-Zone dürfen zumindest zeitweise in ihre Häuser zurückkehren. Übernachten können sie dort jedoch nicht, dafür werden noch immer zu hohe Strahlungswerte gemessen. Polizisten entfernen in Kawauchi am Rand der Sperrzone Schilder, auf denen «Kein Durchgang» steht.
Reuters
Gen-Mutationen: Das Atomunglück von Fukushima hat zu Missbildungen bei den Flügeln von Schmetterlingen in der Umgebung des japanischen Atomkraftwerks geführt. Die Radioaktivität in der Nähe des AKW führte noch bei den Nachkommen von Schmetterlingen in dritter Generation zu Gen-Mutationen, wie Wissenschaftler der Ryukyu-Universität in Okinawa herausfanden.
Gen-Mutationen: Das Atomunglück von Fukushima hat zu Missbildungen bei den Flügeln von Schmetterlingen in der Umgebung des japanischen Atomkraftwerks geführt. Die Radioaktivität in der Nähe des AKW führte noch bei den Nachkommen von Schmetterlingen in dritter Generation zu Gen-Mutationen, wie Wissenschaftler der Ryukyu-Universität in Okinawa herausfanden.
Keystone
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Mehr als anderthalb Jahre nach dem Atomunglück von Fukushima hat die Betreibergesellschaft Tepco heute erstmals die bewusste Verharmlosung von Gefahren eingeräumt. Tepco erklärte, dass die schwere Krise hätte vermieden werden können.

Das Unternehmen erklärte in einem Bericht über eine «fundamentale Reform», das Risiko heruntergespielt zu haben, um eine Schliessung des Atomkraftwerks aus Sicherheitsgründen zu vermeiden. «Es gab eine latente Angst vor einer Schliessung», heisst es in dem Bericht.

Angst vor einer Anti-Atom-Stimmung

Wären vor dem Unglück weitreichende Sicherheitsmassnahmen angeordnet worden, so hätte dies den Eindruck erweckt, Atomkraftwerke seien nicht sicher. Man habe befürchtet, dass eine Erhöhung der Sicherheitsmassnahmen gegen schwere Unfälle eine Anti-Atom-Stimmung in der Bevölkerung bewirkt hätte, berichtete die Sonderkommission unter der Leitung von Konzern-Chef Naomi Hirose.

Der Kraftwerksbetreiber hätte demnach die Folgen des verheerenden Tsunamis mildern können, indem er internationalen Standards und Empfehlungen mehr Beachtung geschenkt und Mitarbeiter in Krisenmanagement geschult hätte.

Tepco-Vertreter hatten seit dem Unglück im März 2011 bislang beteuert, dass der Konzern auf Krisensituationen vorbereitet gewesen sei. In Fukushima war es nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe zu mehreren Kernschmelzen und Explosionen gekommen.

«Von Menschen verursachte Katastrophe»

Ein von der Regierung eingesetzter Untersuchungsausschuss hatte das Unglück Anfang Juli als vermeidbar und deshalb als «von Menschen verursachte Katastrophe» bezeichnet. Das Atomkraftwerk sei damals «verwundbar» gewesen. Die Atomkraftwerksbetreiber und die Regierung hätten die tatsächlichen Gefahren nicht wahrgenommen, weil sie dem «Mythos der atomaren Sicherheit» geglaubt hätten. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami vom 11. März 2011 führten in Fukushima zur Kernschmelze, grosse Gebiete wurden radioaktiv verseucht.

Tepco hatte den beinahe 15 Meter hohen Tsunami, der nach einem Erdbeben der Stärke 9 über das Kraftwerk hereinbrach, in den vergangenen Monaten immer wieder als «unvorhersehbar» bezeichnet. Inzwischen beschloss die Regierung in Tokio, bis zum Jahr 2040 aus der Atomkraft auszusteigen.

(AFP/dapd)

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