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Taliban entführen zwei US-Soldaten – Hoffnung auf Rettung ist klein

Die Taliban haben zwei US-Soldaten entführt und einen davon getötet. Der Überlebende ist praktisch verloren: Die US-Armee geht seit 2007 auf Forderungen von Entführern nicht mehr ein.

Tödlicher Anschlag in Kandahar: US-Soldat vor einem brennenden M-ATV.
Tödlicher Anschlag in Kandahar: US-Soldat vor einem brennenden M-ATV.
Reuters

Zwei Soldaten entführt, vier bei einem Anschlag im Süden Afghanistans getötet: Die Internationale Schutztruppe ISAF bestätigte die Vorfälle, machte aber keine Angaben zur Herkunft der Opfer. Die vermissten Soldaten verliessen nach ISAF-Angaben am Freitagnachmittag ihren Stützpunkt in der afghanischen Hauptstadt und kehrten nicht mehr zurück. Nach inoffiziellen Militärangaben handelt es sich bei allen sechs um US-Amerikaner.

Ein Taliban-Sprecher erklärte, die Kämpfer hätten zwei mit Waffen und Funkgeräten ausgerüstete US-Soldaten in der an Kabul angrenzenden Provinz Logar gefangen genommen. Nach Angaben der Provinzbehörden von Logar wurde ein Amerikaner unmittelbar danach getötet. Die ISAF-Schutztruppe startete sofort eine grosse Suchaktion mit Helikoptern und Fahrzeugen.

Die ISAF setzte am Sonntag südlich der Hauptstadt Kabul mit Flugzeugen und Helikoptern die Suche nach den beiden verschwundenen Männern fort. Offiziell gelten sie als vermisst. Die ISAF sprach nicht von Entführung. Das US-Militär soll ein Belohnung von 20'000 Dollar für Hinweise ausgesetzt haben.

Identität nicht restlos geklärt

Die Identität der Entführten war zunächst nicht restlos geklärt. Der Sprecher des Provinzgouverneurs von Logar sagte, die Taliban hätten zwei US-Zivilisten entführt, die auf dem Weg in die südöstliche Provinz Paktia gewesen seien.

«Unsere Polizeikräfte haben ihr Fahrzeug angehalten und sie vor den Taliban gewarnt, aber sie haben das nicht beachtet», sagte der Sprecher. Nach den Berichten der örtlichen Behörden hätten die Taliban eine der beiden Geiseln getötet und die andere an einen unbekannten Ort gebracht.

Verstärkung erwartet

Entführungen von ausländischen Soldaten sind den Taliban seit Beginn des Afghanistan-Kriegs 2003 nur sehr selten gelungen. Seit Mitte 2009 ist allerdings der US-Soldat Bowe Robert Bergdahl in den Händen der Taliban. Seitdem haben die Aufständischen in mehreren Propaganda-Videos Aufnahmen Bergdahls veröffentlicht, zuletzt im April.

In den meisten Geiselfällen hatten die Taliban die Feilassung von Kampfgefährten aus afghanischen Gefängnissen oder aus US-Gewahrsam gefordert. In der Vergangenheit gab es Fälle, bei denen tatsächlich Taliban freikamen - seit 2007 etwa aber reagieren weder die afghanische Regierung noch die internationalen Truppen auf die Forderungen, um keinen Ansporn für weitere Kidnappings zu schaffen, wie «Spiegel online» schreibt.

Derzeit sind etwa 90'000 US-Soldaten in Afghanistan, im August werden 10'000 Mann Verstärkung erwartet. Ausserdem sind 50'000 Soldaten aus anderen Staaten im Einsatz.

Die Zahl der in Afghanistan getöteten Nato-Soldaten ist in den vergangen Monaten stark gestiegen. Laut der Zählung des unabhängigen Internetdienstes icasualties.org kamen seit Jahresbeginn mehr als 390 ausländische Soldaten ums Leben. Allein im Juli starben bereits mindestens 70 ausländische Soldaten.

Anschlag auf Moschee

Unterdessen wurde bei einem Anschlag auf eine Moschee ist im Osten Afghanistans ein Kandidat für die Parlamentswahl im September getötet. 20 weitere Menschen wurden nach Angaben der Polizei bei dem Attentat am Freitag in Chost verletzt.

Da die Ermittlungen andauerten, könne noch nicht gesagt werden, wer für die Tat verantwortlich sei, erklärte der Polizeichef der Provinz am Samstag weiter.

(SDA)

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