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So werden die syrischen Chemiewaffen vernichtet

Das für die Neutralisierung der Kampfstoffe ausgerüstete US-Spezialschiff Cape Ray ist bereit zum Auslaufen. Die Hauptaufgabe übernehmen 63 Spezialisten – und zwei gewaltige Hydrolysetanks.

560 Tonnen Chemiewaffen werden auf dem US-Schiff Cape Ray auf hoher See unschädlich gemacht: Ein Crew-Mitglied des norwegischen Begleitschiffs bei einer Sicherheitsübung.
560 Tonnen Chemiewaffen werden auf dem US-Schiff Cape Ray auf hoher See unschädlich gemacht: Ein Crew-Mitglied des norwegischen Begleitschiffs bei einer Sicherheitsübung.
Keystone
Hier wird die erste Ladung C-Waffen aus Syrien erwartet: Eine Frau sitzt am Hafen von Limassol auf Zypern.
Hier wird die erste Ladung C-Waffen aus Syrien erwartet: Eine Frau sitzt am Hafen von Limassol auf Zypern.
AFP
US-Aussenminister John Kerry (rechts) – hier mit seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow – lobt die Kooperationsbereitschaft der syrischen Regierung bei der Vernichtung ihres Chemiewaffenarsenals.
US-Aussenminister John Kerry (rechts) – hier mit seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow – lobt die Kooperationsbereitschaft der syrischen Regierung bei der Vernichtung ihres Chemiewaffenarsenals.
Keystone
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In dem riesigen Frachtraum sind die beiden tragbaren Hydrolysesysteme und die Zisternen bereits fixiert. Das fast 200 Meter lange US-Spezialschiff wirkt bis auf das grosse weisse Plastikzelt, unter dem die Filteranlagen stecken, fast leer. Doch die MV Cape Ray ist komplett ausgestattet und wartet im Marinehafen Norfolk im US-Bundesstaat Virginia nur auf ihren Spezialeinsatz: die Zerstörung der syrischen Chemiewaffen.

«Ich warte auf den Befehl zum Auslaufen», sagt Kapitän Rick Jordan, der einen weissen Arbeitsanzug und einen Schutzhelm trägt. Er rechnet damit, dass die Mission in den kommenden zwei Wochen losgeht. Ursprünglich sollte der Abtransport der gefährlichsten Kampfstoffe – darunter Senfgas, Sarin und das Nervengas VX - aus Syrien bis zum 31. Dezember erfolgen. Doch schaffte es die Regierung in Damaskus nicht, die Chemikalien bis dahin zum Hafen Latakia zu bringen – wegen der Kämpfe im Land, schlechten Wetters und logistischer Probleme.

700 Tonnnen Chemikalien

Wann es nun losgehen wird, ist noch unklar. Doch starteten am Freitag vier skandinavische Schiffe, die den Transport begleiten sollen, mit Kurs auf Syrien. Von dort sollen die Waffen laut einem US-russischen Abkommen mit Damaskus zunächst nach Italien gebracht und auf das US-Spezialschiff umgeladen werden. Die «MV Cape Ray» soll dann ihre Ladung auf offener See neutralisieren. Wo das sein werde, wisse er nicht, sagt Jordan.

Rund 700 Tonnen Chemikalien sollen laut US-Vizeverteidigungsminister Franck Kendall auf dem Schiff zerstört werden. Dafür kommen sie in eine der Wannen der Hydrolyseanlagen. In den Tanks werden die chemischen Kampfstoffe mit Wasser und anderen Chemikalien vermengt. Auf diese Weise sollen die Stoffe zu mehr als 99 Prozent zerstört und ihre Giftigkeit auf ein Niveau gebracht werden, das Industriestandards entspricht.

63 Spezialisten an Bord

Ausserhalb des Zelts verlaufen zahlreiche dicke grüne Rohre durch ein Dickicht aus Ventilen und sechs grossen grauen Zisternen. In diesen sollen Rückstände aufbewahrt und deren Giftigkeit gemessen werden. Schätzungsweise 5,7 Millionen Liter Reststoffe werden dann in weisse Behälter auf einem unteren Deck geleitet. Von hier an sollen private Spezialfirmen das weitere Verfahren übernehmen. Auf die Ausschreibung der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW), die zusammen mit der UNO das mehrstufige Programm überwacht, meldeten sich bislang 42 Unternehmen.

Der gefährliche Prozess auf der «MV Cape Ray» wird von 63 Spezialisten überwacht, hinzu kommen 35 Crewmitglieder und Sicherheitskräfte. Die Neutralisierung von Kampfstoffen auf hoher See ist eine Premiere, doch die Technologie dafür gebe es schon lange, sagt der Chemiker Adam Baker vom Edgewood Chemical Biological Center des US-Militärs. «Im Prinzip ist es derselbe chemische Prozess, den wir für unsere eigenen Chemiewaffenvorräte angewandt haben, wir haben ihn nur auf eine tragbare Form verkleinert.»

Bedenken von Umweltschützern

Umweltschützer sind jedoch skeptisch. Die französische Organisation Robin des Bois etwa kritisiert, dass das 36 Jahre alte US-Schiff nur eine einfache Aussenhülle hat. Zudem verfüge es über keine Trennwände, die etwa Wasser oder Flammen stoppen könnten.

Solche Bedenken wischt Kapitän Jordan mit der Hand beiseite. Nur Öltanker und andere Transportschiffe hätten Doppelhüllen. Zudem befänden sich die Chemiewaffen in hermetisch verriegelten Containern. «Sicherheit ist unsere erste Priorität», versichert auch Pentagon-Vize Kendall. «Ohne Zweifel, wir haben es hier mit gefährlichem Material zu tun.»

Wenn alles nach Plan verläuft, dürfte die Zerstörungsaktion 45 bis 90 Tage dauern, schätzt das Verteidigungsministerium. Das hänge aber stark von Wetter und Wellengang ab, sagt Jordan. «Wenn das Meer zu aufgewühlt ist, unterbrechen wir die Operation.»

AFP/kle

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