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Russland fliegt bislang heftigste Luftangriffe in Syrien

Russische und syrische Kampfjets haben an einem Tag mehr als 70 Einsätze geflogen – die meisten im Osten des Bürgerkriegslandes seit 2011.

Kampf gegen den IS: Russische Bomber greifen Ziele in Syrien an. (20. November 2015)
Kampf gegen den IS: Russische Bomber greifen Ziele in Syrien an. (20. November 2015)
Keystone

Die russischen und syrischen Luftangriffe richteten sich am vergangenen Freitag gegen mehrere Städte und drei Ölfelder in Deir Essor, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Grossbritannien am Samstag mitteilte. Mehr als 70 Einsätze wurden an diesem Tag geflogen. Dabei seien mindestens 36 Menschen getötet worden, darunter auch zehn Kinder. Es waren die bislang heftigsten Luftangriffe im Osten Syriens seit dem Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011.

Die ölreiche Provinz wird zu grossen Teilen vom IS kontrolliert. Die Regierungstruppen kontrollieren dort nur kleinere Gebiete und einen Militärflughafen.

Rund um den Flughafen lieferten sich IS-Kämpfer und Soldaten am Samstag heftige Gefechte, wie die Beobachtungsstelle unter Berufung auf ihr Aktivistennetzwerk in Syrien mitteilte. Die Angaben sind wegen der unübersichtlichen Lage in dem Bürgerkriegsland von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Assad zufrieden

Russland fliegt ebenso wie eine US-geführte Koalition Angriffe gegen den IS in Syrien. Allerdings richten sich die Luftangriffe auch gegen andere Rebellengruppen, die gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad kämpfen - einen Verbündeten Moskaus.

Seit Beginn der russischen Luftangriffe seien die Regierungstruppen an «fast jeder Front» vorangekommen, sagte Assad am Sonntag dem Fernsehsender Phoenix aus Hongkong. Die Lage in Syrien habe sich «sehr gut» entwickelt.

Russland hatte seinen Einsatz in Syrien zuletzt noch verstärkt, nachdem Ende Oktober eine russische Passagiermaschine über der ägyptischen Sinai-Halbinsel abgestürzt war. Dabei handelte es sich nach Einschätzung Moskaus um einen Bombenanschlag.

Frankreich geht seit den Anschlägen in Paris mit 130 Toten ebenfalls verstärkt gegen den IS in Syrien vor. Ab Montag sei auch der Flugzeugträger «Charles de Gaulle» im östlichen Mittelmeer «einsatzbereit», sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag im Radiosender Europe 1.

UNO-Resolution verabschiedet

Frankreichs Präsident François Hollande hatte nach den Anschlägen eine breitere Anti-IS-Koalition gefordert. Moskau zeigte Bereitschaft zur Teilnahme an einer solchen Allianz. Hollande und Aussenminister Laurent Fabius reisen nun kommende Woche nach Washington und Moskau, um «diese Fragen zu besprechen», wie Fabius am Samstag sagte.

Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedete am Freitagabend einstimmig eine Resolution, die alle Staaten auffordert, «alle nötigen Massnahmen» im Kampf gegen den IS im Irak und Syrien zu ergreifen. Der von Frankreich eingebrachte Text erteilt allerdings nicht die rechtliche Erlaubnis, militärisch gegen die IS-Miliz vorzugehen.

Zukunft mit oder ohne Assad?

Trotz der vorsichtigen Annäherung sind Russland und der Westen beim Syrien-Konflikt in zentralen Punkten weiter unterschiedlicher Ansicht: Russland will Assad in den Kampf gegen den IS einbeziehen, was die USA und andere westliche Staaten ablehnen.

Fabius bekräftigte, dass auch Frankreich an dem Ziel festhält, Assad von der Macht zu verdrängen. Frankreich sei der Auffassung, «dass Baschar al-Assad nicht die Zukunft Syriens sein kann», sagte Fabius.

Assad sagte dagegen in dem Fernsehinterview, dass es sein «Recht» sei, bei Neuwahlen wieder anzutreten. Für eine Entscheidung sei es aber noch «zu früh». Sie stehe ohnehin erst «in den nächsten Jahren» an und hänge letztlich davon ab, wie das syrische Volk zu ihm stehe. «Ich meine, wollen sie mich noch oder nicht?», sagte Assad.

SDA

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