Polizei färbt Wasser gegen Demonstranten blau

Am Wochenende sind die Menschen in Hongkong wieder auf die Strasse gegangen. Bei einer nicht genehmigten Demonstration soll die Polizei Reizstoffe eingesetzt haben.

Damit will die Polizei Protestierende identifizieren können: Eine Demonstrantin mit blauer Farbe im Gesicht. (20. Oktober 2019)

Damit will die Polizei Protestierende identifizieren können: Eine Demonstrantin mit blauer Farbe im Gesicht. (20. Oktober 2019)

(Bild: Reuters Kim Kyung-Hoon)

Nach zwei vergleichsweise ruhigen Wochen sind in Hongkong wieder schwere Unruhen ausgebrochen. Die Polizei ging am Sonntag mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die Brandsätze unter anderem auf eine Polizeiwache warfen. Entlang der Strecke einer nicht genehmigten Kundgebung wurden U-Bahn-Stationen sowie Hunderte Geschäfte verwüstet. Schwarz gekleidete Demonstranten warfen Waren auf die Strassen und nahmen auch chinesische Banken ins Visier. An verschiedenen Stellen legten sie Brände. Die Polizei räumte mit schweren Fahrzeugen von Protestierenden errichtete Strassensperren.

Beobachtern zufolge setzte die Polizei Wasserwerfer so intensiv ein wie kaum zuvor bei den seit Monaten andauernden Protesten. Zudem deuteten Hustenanfälle von Menschen daraufhin, dass die Polizei dem Wasserstrahl Reizstoffe zugesetzt hatte. Die Polizei färbt zudem das Wasser blau, um Demonstranten später identifizieren zu können.

«Lieber tot als rot»

Die Polizei hatte die Demonstration mit der Begründung untersagt, die öffentliche Sicherheit werde gefährdet. Trotz des Verbots gingen Zehntausende Menschen auf die Strassen. Zuletzt war es vor gut zwei Wochen bei der Einführung eines Vermummungsverbots auf Grundlage von Gesetzen aus der Kolonialzeit zu schweren Ausschreitungen gekommen. Am Sonntag trugen viele Demonstranten Schirme, um sich vor Überwachungskameras zu verbergen. Auf Transparenten war zu lesen «Befreit Hongkong», an Wände wurde gesprüht «Lieber tot als rot» und «Wir wollen lieber auf unseren Füssen sterben, als auf Knien zu leben.»

Die Proteste hatten vor gut vier Monaten als Widerstand gegen einen inzwischen zurückgezogenen Gesetzentwurf für Auslieferungen Beschuldigter an die Volksrepublik China begonnen. Doch die Demonstranten sehen darüber hinaus allgemeine Freiheiten gefährdet, die die ehemalige britische Kronkolonie geniesst. Inzwischen richten sich die Proteste auch direkt gegen die Regierung in Peking. Hongkong ist seit 1997 eine Sonderverwaltungszone der Volksrepublik.

roy/Reuters

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