Zum Hauptinhalt springen

Attentäterin vergiftete sich beim Mord an Kim Jong-nam

Das Nervengift VX hat zum Tod des Halbbruders von Kim Jong-un geführt. Die malaysischen Behörden lassen nun doch noch den Flughafen dekontaminieren.

foa/rub
Er soll vergiftet worden sein: Der Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Video: Tamedia/Reuters

Der Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wurde nach malaysischen Polizeiangaben offenbar mit dem Nervengas VX ermordet. Auf Augen und Gesicht von Kim Jong Nam seien Spuren des geächteten chemischen Kampfstoffs entdeckt worden, gab Chefermittler Khalid Abu Bakar am Freitag bekannt. Er verwies auf eine vorläufige chemische Analyse einer dafür zuständigen Behörde.

Eine der zwei Frauen, die die hochgiftige Substanz auf Kims Gesicht abgestreift haben sollen, habe später unter Erbrechen gelitten, sagte Khalid. Zudem werde der Flughafen von Kuala Lumpur entseucht, an dem der Nordkoreaner attackiert worden sei. Die Polizei prüfe noch, wie das Nervengas nach Malaysia gelangt sein könnte.

Steht in Malysia vor Gericht: Siti A. wird schwerbewacht. (Archivbild)
Steht in Malysia vor Gericht: Siti A. wird schwerbewacht. (Archivbild)
Mohd Rasfan, AFP
Steht unter Tatverdacht: Die 25-jährige Indonesierin Siti A. (19.Februar 2017).
Steht unter Tatverdacht: Die 25-jährige Indonesierin Siti A. (19.Februar 2017).
Royal Malaysian Police, AFP
Laut malaysischer Polizei hatten die Frauen ihre Hände in tödliches Gift getränkt und damit über Kims Gesicht gewischt. Zunächst war von einem Gifthandschuh berichtet worden. Die Ermittler an einer Medienkonferenz in Kuala Lumpur (19.Februar 2017).
Laut malaysischer Polizei hatten die Frauen ihre Hände in tödliches Gift getränkt und damit über Kims Gesicht gewischt. Zunächst war von einem Gifthandschuh berichtet worden. Die Ermittler an einer Medienkonferenz in Kuala Lumpur (19.Februar 2017).
Mohd Rasfan, AFP
Unter dem Pseudonym Ruby Ruby postete Huong Fotos von sich auf Facebook (22. Februar 2017).
Unter dem Pseudonym Ruby Ruby postete Huong Fotos von sich auf Facebook (22. Februar 2017).
AP Photo
Eines der Fotos auf ihrem Facebook-Account zeigt die Vietnamesin in einem weissen T-Shirt mit der Aufschrift «LOL», ähnlich dem T-Shirt, das auf dem Überwachungsvideo vom Attentat zu erkennen ist.Eine Aufnahme der Überwachungskamera zeigt die Tatverdächtige (14. Februar 2017)
Eines der Fotos auf ihrem Facebook-Account zeigt die Vietnamesin in einem weissen T-Shirt mit der Aufschrift «LOL», ähnlich dem T-Shirt, das auf dem Überwachungsvideo vom Attentat zu erkennen ist.Eine Aufnahme der Überwachungskamera zeigt die Tatverdächtige (14. Februar 2017)
Keystone
Die Frau im gelben Pullover: «Wenn sie wirklich eine Agentin wäre, wäre sie wohl nicht gefunden worden», lauteten die ersten Einschätzungen nach ihrer Inhaftierung.
Die Frau im gelben Pullover: «Wenn sie wirklich eine Agentin wäre, wäre sie wohl nicht gefunden worden», lauteten die ersten Einschätzungen nach ihrer Inhaftierung.
Keystone
Verstossen, weil er Disneyland sehen wollte: Der getötete Kim Jong-nam ist grosses Thema in den südkoreanischen Medien. (14. Februar 2017)
Verstossen, weil er Disneyland sehen wollte: Der getötete Kim Jong-nam ist grosses Thema in den südkoreanischen Medien. (14. Februar 2017)
AFP
Diplomatische Verstimmung: Der nordkoreanische Botschafter in Malaysia spricht in Kuala Lumpur vor Pressevertretern (20. Februar 2017).
Diplomatische Verstimmung: Der nordkoreanische Botschafter in Malaysia spricht in Kuala Lumpur vor Pressevertretern (20. Februar 2017).
AP Photo/Vincent Thian
Kang Chol, der Botschafter von Nordkorea, hatte gesagt, Malaysia versuche eventuell etwas zu «verbergen». Anlass war die Autopsie des Halbbruders von Machthaber Kim Jong-un (20. Februar 2017).
Kang Chol, der Botschafter von Nordkorea, hatte gesagt, Malaysia versuche eventuell etwas zu «verbergen». Anlass war die Autopsie des Halbbruders von Machthaber Kim Jong-un (20. Februar 2017).
AP Photo
Zwei Frauen sollen ihn ermordet haben: Ein südkoreanischer TV-Sender zeigt in den Nachrichten den Halbbruder von Kim Jong-un, Kim Jong-nam, sowie die beiden Tatverdächtigen. (15. Februar 2017)
Zwei Frauen sollen ihn ermordet haben: Ein südkoreanischer TV-Sender zeigt in den Nachrichten den Halbbruder von Kim Jong-un, Kim Jong-nam, sowie die beiden Tatverdächtigen. (15. Februar 2017)
Jeaon Heon-Kyun, Keystone
Dieses Bild soll Kim Jong-nam am Flughafen Narita in Tokio zeigen. (4. Mai 2001)
Dieses Bild soll Kim Jong-nam am Flughafen Narita in Tokio zeigen. (4. Mai 2001)
Keystone
Kim Jong-il (rechts), Ende 2011 verstorben, und sein Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong-un bei einer Militärparade zu Ehren der Arbeiterpartei Nordkoreas. (10. Oktober 2010)
Kim Jong-il (rechts), Ende 2011 verstorben, und sein Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong-un bei einer Militärparade zu Ehren der Arbeiterpartei Nordkoreas. (10. Oktober 2010)
Keystone
Der 33-jährige nordkoreanische Diktator Kim Jong-un liebt die grossen Posen, wie etwa diese Selbstinszenierung auf dem höchsten Berg Nordkoreas, dem 2750 Meter hohen Mount Paektu. (18. April 2015)
Der 33-jährige nordkoreanische Diktator Kim Jong-un liebt die grossen Posen, wie etwa diese Selbstinszenierung auf dem höchsten Berg Nordkoreas, dem 2750 Meter hohen Mount Paektu. (18. April 2015)
Keystone
Kim Jong-un ist der dritte und jüngste Sohn von Kim Jong-il. Er gilt als unberechenbarer und grausamer Diktator. Im Dezember 2013 liess er seinen Onkel Jang Song-thaek (links), die «Graue Eminenz» des Staates, hinrichten. (16. Februar) 2012)
Kim Jong-un ist der dritte und jüngste Sohn von Kim Jong-il. Er gilt als unberechenbarer und grausamer Diktator. Im Dezember 2013 liess er seinen Onkel Jang Song-thaek (links), die «Graue Eminenz» des Staates, hinrichten. (16. Februar) 2012)
Keystone
Der heutige Herrscher Nordkoreas (im Bild eingekreist) soll als Jugendlicher in der Schweiz gelebt haben, wo er ein Internat im Kanton Bern besuchte. Zudem studierte er an der Uni Genf. (Bild ohne Datumsangabe)
Der heutige Herrscher Nordkoreas (im Bild eingekreist) soll als Jugendlicher in der Schweiz gelebt haben, wo er ein Internat im Kanton Bern besuchte. Zudem studierte er an der Uni Genf. (Bild ohne Datumsangabe)
Keystone
Kim Jong-nam ist der älteste Bruder von Kim Jong-un. Er war als Nachfolger von Kim Jong-il vorgesehen gewesen, fiel aber in Ungnade. (28. Juli 2011)
Kim Jong-nam ist der älteste Bruder von Kim Jong-un. Er war als Nachfolger von Kim Jong-il vorgesehen gewesen, fiel aber in Ungnade. (28. Juli 2011)
Reuters
Kim Jong-il herrschte von 1994 bis Ende 2011. Als der «Geliebte Führer» starb, herrschte in ganz Nordkorea – weitgehend staatlich verordnet – grosse Trauer. (28. Dezember 2011)
Kim Jong-il herrschte von 1994 bis Ende 2011. Als der «Geliebte Führer» starb, herrschte in ganz Nordkorea – weitgehend staatlich verordnet – grosse Trauer. (28. Dezember 2011)
Keystone
Seit der Staatsgründung 1948 wird Nordkorea von drei Generationen der Kim-Dynastie regiert. Kim Il-sung (1912–1994) verstand sich als Kommunist. Der erste Herrscher der Kim-Familie hat Kultstatus in Nordkorea. (21. Mai 1987)
Seit der Staatsgründung 1948 wird Nordkorea von drei Generationen der Kim-Dynastie regiert. Kim Il-sung (1912–1994) verstand sich als Kommunist. Der erste Herrscher der Kim-Familie hat Kultstatus in Nordkorea. (21. Mai 1987)
Keystone
Während seiner 17-jährigen Herrschaft ging es Kim Jong-il (1941–2011) vor allem um Machterhaltung und Modernisierung des international isolierten Landes. (23. August 2002)
Während seiner 17-jährigen Herrschaft ging es Kim Jong-il (1941–2011) vor allem um Machterhaltung und Modernisierung des international isolierten Landes. (23. August 2002)
Keystone
Kim Jong-un – hier mit Ehefrau Ri Sol-ju und hochrangigen Militärs – macht dort weiter, wo sein Vater aufhörte. Parolen sind die Leitlinien der Kim-Diktatur zur Erziehung des Volkes. Das letztjährige Motto lautete: «Verwandeln wir das Land in ein sozialistisches Märchenland.» (18. Februar 2016)
Kim Jong-un – hier mit Ehefrau Ri Sol-ju und hochrangigen Militärs – macht dort weiter, wo sein Vater aufhörte. Parolen sind die Leitlinien der Kim-Diktatur zur Erziehung des Volkes. Das letztjährige Motto lautete: «Verwandeln wir das Land in ein sozialistisches Märchenland.» (18. Februar 2016)
Keystone
1 / 22

Wenige Milligramm wirken tödlich

VX – Fachname O-Ethyl-S-2-diisopropylaminoethylmethylphosphonothiolat – ist eine farb- und geruchslose, ölige, gelbliche Flüssigkeit. Sie gilt als stärkstes Nervengas und wird über die Haut, Augen, Nahrung und Atemwege in den Körper aufgenommen. Dies führt zu Übelkeit, Lähmung der Atemmuskulatur und dann binnen weniger Minuten zum Tod durch Ersticken. Schon wenige Milligramm VX wirken tödlich. Das Gas VX wird auch als Chemiewaffe eingesetzt. Die UNO stuft die Substanz als Massenvernichtungswaffe ein.

Eine Gasmaske allein bietet keinen ausreichenden Schutz. Da der Stoff in erster Linie durch die Haut aufgenommen wird, ist ein spezieller Schutzanzug erforderlich. Einen wirksamen Schutz von Zivilisten gegen einen Anschlag mit VX gibt es deshalb nicht. Das beste Gegenmittel ist Atropin.

Massenvernichtungswaffe

Die Substanz wurde in den 50er-Jahren in Grossbritannien entwickelt und sollte ursprünglich als Pestizid eingesetzt werden, wurde aber als zu giftig befunden. Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein stand im Verdacht, den Kampfstoff im Ersten Golfkrieg eingesetzt zu haben. Auch in Syrien werden Vorräte vermutet.

Die einzigen Nationen, die zugegeben haben, VX oder eine vergleichbare chemische Waffe zu besitzen, sind die USA und Russland. Nordkorea ist eines von sechs Ländern weltweit, die die Chemiewaffenkonvention der UNO nicht unterschrieben haben. Beobachter vermuten dort einen der grössten Bestände chemischer Kampfstoffe überhaupt.

Die US-Armee und die Streitkräfte in der ehemaligen Sowjetunion produzierten und lagerten VX bis zur Unterzeichnung der Chemiewaffen-Konvention 1997, die die Zerstörung aller Vorräte verlangt. Der tödliche Stoff kann billig in Produktionsanlagen für Pflanzenschutzmittel hergestellt werden.

Vier Festnahmen

Der 45-jährige Kim Jong-nam war am 13. Februar am Flughafen von Kuala Lumpur ermordet worden. Südkoreanischen Medien zufolge sprühten ihm die Täter Gift ins Gesicht.

Vier Verdächtige wurden bereits festgenommen: ein 46-jähriger Nordkoreaner, eine 25-jährige Frau mit indonesischem Pass und ihr malaysischer Freund sowie eine 28-jährige Verdächtige mit vietnamesischem Pass.

Vier weitere Verdächtige aus Nordkorea, Männer im Alter von 33 bis 57 Jahren, haben sich nach Erkenntnissen der malaysischen Behörden nach Pyongyang abgesetzt. Die insgesamt fünf Verdächtigen aus Nordkorea sind nach Ansicht der malaysischen Polizei in den Mord verwickelt. Ausserdem hatten die malaysischen Ermittler am Mittwoch angekündigt, in dem Fall auch die Nummer Zwei der nordkoreanischen Botschaft in Kuala Lumpur vernehmen zu wollen.

Fragen zum Sicherheits-Management Malaysias

Mit der jüngsten Wendung im Fall rückt nun der Umgang der Behörden Malaysias mit der öffentlichen Sicherheit in den Blickpunkt. So sind elf Tage zwischen Kims Tod und der Entseuchung des Flughafens von Kuala Lumpur verstrichen.

Sollte VX beim mutmasslichen Giftmord an Kim zum Einsatz gekommen sein, wäre zudem nicht nur ein Teil des Airports kontaminiert, sondern auch jeder Ort, an dem er sich danach aufhielt - etwa medizinische Einrichtungen und der Krankenwagen, in dem er transportiert wurde. Das Nervengas verflüchtigt sich erst nach Tagen oder gar Wochen.

(AFP/AP)

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch