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Nato-Bericht enthüllt Pakistans Doppelspiel

Der pakistanische Geheimdienst ist «eng verknüpft» mit den Taliban. Dies enthüllt ein geheimer Nato-Bericht. Demnach kennen die Pakistaner auch die Aufenthaltsorte der Führer der radikalen Organisation.

Spannungen zwischen Kabul und Islamabad wegen der Taliban: Taliban-Kämpfer treten dem Reintegrationsprogramm der afghanischen Regierung bei. (30. Januar 2012)
Spannungen zwischen Kabul und Islamabad wegen der Taliban: Taliban-Kämpfer treten dem Reintegrationsprogramm der afghanischen Regierung bei. (30. Januar 2012)
Reuters

Die pakistanischen Sicherheitskräfte unterstützen einem geheimen Nato-Bericht zufolge im Verborgenen die Taliban in Afghanistan. Wie die britische Zeitung «The Times» (Onlineartikel kostenpflichtig) und der Rundfunksender BBC heute unter Berufung auf das Nato-Dokument berichteten, ist die Regierung in Islamabad über den pakistanischen Geheimdienst ISI nach wie vor mit den Aufständischen «eng verknüpft». Demnach verfügt Pakistan über ein Netz von Mittelsmännern und Spionen, über die strategische Hinweise über die ausländischen Soldaten an die Taliban weitergeleitet werden können.

Der Nato-Bericht basiert laut BBC auf Daten aus 27'000 Verhören von mehr als 4000 Kämpfern des Terrornetzwerks al-Qaida und der Taliban. Den Angaben zufolge wurde er im vergangenen Monat der Nato-Führung in Afghanistan übergeben.

«Der ISI ist über die Taliban-Aktivitäten und den Verbleib von ranghohen Taliban-Kämpfern vollständig im Bilde», heisst es den Medienberichten zufolge in dem Dokument. Demnach kommen ranghohe Taliban regelmässig mit Vertretern des pakistanischen Geheimdienstes zusammen. Aus den Verhören geht laut BBC aber nicht hervor, ob Pakistan die Taliban mit Geldern oder Waffen unterstützt. Vielmehr hiess es, die Beziehungen seien für beide Seiten «nützlich», aber wenig vertrauensvoll.

Islamabad protestiert

Pakistanische Regierungsvertreter wiesen die Berichte scharf zurück. Diese seien «belanglos, um es noch milde auszudrücken», sagte der Sprecher des Aussenministeriums, Abdul Basit, der Nachrichtenagentur AFP. Ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte verwies darauf, dass der Nato-Bericht nie veröffentlicht worden sei. Die BBC und die «Times» gäben nur gezielt lancierte Informationen weiter, die es nicht «wert sind zu kommentieren». Aussenamtssprecher Basit versicherte, Islamabad verfolge eine strikte Politik der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.

Die afghanische Regierung wirft Islamabad regelmässig vor, für die Gewalt im Land verantwortlich zu sein. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern liegen auf Eis, seit im September der mit den Taliban-Friedensgesprächen betraute afghanische Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani von einem Selbstmordattentäter getötet wurde. Ein afghanischer Abgeordneter machte für dessen Tod pakistanische Spione verantwortlich.

Der nun bekannt gewordene Nato-Bericht droht einen Annäherungsversuch beider Länder zu überschatten: Der afghanische Präsident Hamid Karzai kommt heute in Kabul mit Pakistans Aussenministerin Hina Rabbani Khar zusammen.

AFP/rub

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