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Koran-Demonstranten lösen Gewaltorgie aus

In Afghanistan zieht seit Tagen ein Mob religiöser Fanatiker durch die Strassen, der es auf westliche Ziele abgesehen hat. Heute kam es erneut zu einem Anschlag.

Die gewaltsamen Proteste in Afghanistan treffen vor allem US-amerikanische Ziele: Demonstranten in Mazar-i- Sharif.
Die gewaltsamen Proteste in Afghanistan treffen vor allem US-amerikanische Ziele: Demonstranten in Mazar-i- Sharif.
Reuters
Bei einem Selbstmordattentat starben am Samstag in Kabul mindestens drei Personen.
Bei einem Selbstmordattentat starben am Samstag in Kabul mindestens drei Personen.
Reuters
Der Groll richtet sich hauptsächlich gegen die Koran-Verbrennungen in den USA. Im Bild: Pater Terry Jones, der im letzten Jahr eine solche Verbrennungsaktion anzettelte.
Der Groll richtet sich hauptsächlich gegen die Koran-Verbrennungen in den USA. Im Bild: Pater Terry Jones, der im letzten Jahr eine solche Verbrennungsaktion anzettelte.
Reuters
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Vier als Frauen verkleidete Selbstmordattentäter haben heute versucht, in eine US-Basis in einem östlichen Randbezirk der afghanischen Hauptstadt Kabul einzudringen. Wie die Polizei mitteilte, wurden sie aber von Sicherheitskräften daran gehindert.

Zwei von ihnen wurden getötet. Die beiden anderen hätten ihre Sprengladungen zünden können. Der Polizeioffizier konnte nicht sagen, ob es weitere Opfer gegeben habe. Der Anschlagsort wurde vom US-Militär abgeriegelt. Anwohner berichteten von zwei schweren Explosionen und Schüssen.

Angriff auf UN-Gebäude

Der Anschlag fügt sich in den herrschenden anti-Amerika-Protest ein, der derzeit in Afghanistan herrscht. Bei einem Angriff auf ein UN-Büro in Afghanistan sind gestern elf Menschen getötet worden, darunter sieben ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Rund 2000 Muslime demonstrierten nach Behördenangaben zunächst friedlich vor dem Gelände in der Stadt Masar-i-Scharif. Später eröffneten einige von ihnen das Feuer auf Polizisten und stürmten das UN-Gebäude. Der Weltsicherheitsrat kündigte noch für den Abend eine Sondersitzung an.

Bei vier der getöteten Ausländer handelt es sich um Sicherheitsleute aus Nepal. Nach Angaben der Regierungen in Stockholm und Oslo sind unter den Opfern ausserdem ein Schwede und eine Norwegerin. Das afghanische Innenministerium erklärte, zudem seien vier Demonstranten ums Leben gekommen. Die Demonstranten sollen offenbar äusserst brutal vorgegangen sein, schreibt der Spiegel: Zwei der Mitarbeiter seinen einem Provinzsprecher zufolge bei den Krawallen enthauptet worden.

Die Täter hätten sich zudem Waffen der UN-Wachleute gegriffen und auf dem Gelände Feuer gelegt, sagte ein Behördensprecher. Ein Geschäftsmann aus Masar-i-Scharif erklärte, Geistliche hätten am Donnerstag über Lautsprecher in der gesamten Stadt zur Teilnahme an einer friedlichen Protestveranstaltung aufgerufen. Nach dem Freitagsgebet seien Gläubige an die geplante Demonstration erinnert worden.

Der mutmassliche Drahtzieher des Angriffs wurde noch gestern festgenommen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Insgesamt seien mehr als 20 Verdächtige festgesetzt worden.

Demonstranten in Herat verbrennen US-Flagge

Grund für den Protest waren Berichte, ein Pastor aus dem US-Staat Florida habe im März eine Ausgabe des Korans verbrannt. Demonstrationen gab es gestern ausserdem in Herat im Westen Afghanistans, wo Teilnehmer eine amerikanische Flagge verbrannten. Nahe der US-Botschaft in Kabul nahmen etwa 100 Menschen an einer Protestkundgebung teil.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die mutmassliche Koran-Verbrennung vergangene Woche als Verbrechen gegen die Religion verurteilt und die USA und die Vereinten Nationen aufgerufen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag und erklärte, die Arbeit der UN sei unerlässlich, um Afghanistan zu stärken. Bundesaussenminister Guido Westerwelle äusserte sich während seiner China-Reise «tief entsetzt» über die gewaltsame Erstürmung des UN-Büros in Masar-i-Scharif.

SDA/mrs

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