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Kims Raketentest spielt Japans Premier Abe in die Hände

Japan-Korrespondentin Susanne Steffen über die nordkoreanische Rakete über Japan.

Der Raketentest über Japan ist wohl eine der bislang grössten militärischen Provokationen des jungen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un. Zum ersten Mal liess Pyongyang ganz offen eine potenziell atomwaffenfähige ballistische Rakete über Japan hinweg abfeuern. Frühere Raketentests wurden immerhin als friedliche «Satellitenstarts» getarnt. Ausserdem war dies der erste völlig unangekündigte Überflug eines Nachbarlandes.

Dass die Japaner – trotz diverser Drohungen – nicht einmal versucht haben, die Rakete abzuschiessen, lag wohl vor allem daran, dass die Rakete so hoch über Hokkaido flog, dass den Militärs schnell klar war, ihre Route würde im Meer und nicht auf japanischem Territorium enden. Ausserdem, so analysieren Militärexperten, lag die Flugbahn wohl ausserhalb der effektiven Reichweite der Patriot-Abwehrraketen der japanischen Selbstverteidigungskräfte.

Ist dieser Überraschungscoup also ein klarer Sieg für Kim Jong-un? Wenn es Kim darum gegangen ist, den Amerikanern zu demonstrieren, dass sich Nord­korea nicht von US-Drohungen einschüchtern lässt und schon gar nicht zurückrudert, wie Präsident Donald Trump kürzlich suggerierte, dann ja.

Nordkorea hat sein Ziel, die gesamten USA mit Atomwaffen zu bedrohen, trotz rasanter Fortschritte noch nicht erreicht. Deshalb braucht Kim weitere Raketentests auf möglichst realistischen Flugbahnen. Angesichts der martialischen Drohungen aus Washington hätten viele Beobachter den Nordkoreanern nicht so schnell einen so provokativen Test zugetraut. Auch das ist ein Erfolg für Kim.

Doch ungewollt hat Kim auch Japans Premier Shinzo Abe einen Gefallen getan. Abe, der nach diversen Skandalen gerade in einem Popularitätstief steckt und schon die Chancen schwinden sah, seine Reform der pazifistischen Nachkriegsverfassung durchzuboxen, nutzte seine Chance. Sofort positionierte er sich als Hardliner und bezeichnete den Raketentest als «noch nie da gewesene ernste Bedrohung». Abe will Artikel 9 der Verfassung, der Japan den Einsatz und auch die Androhung von Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung verbietet, bis 2020 überarbeiten.

Teile seiner Liberal-Demokratischen Partei (LDP) fordern gar, die Selbstverteidigungskräfte so auszurüsten, dass sie feindliche Stützpunkte angreifen können. Bislang stiessen derartige Pläne in der Bevölkerung nicht auf grosse Zustimmung. Doch der Schrecken, den die Sirenen des Frühwarnsystems der Bevölkerung eingejagt haben, könnte vielleicht so manchen zum Umdenken bewegen.

Auch wenn der Raketentest Japans Verfassungsreform noch lange nicht besiegelt, geht dieser Punkt klar an Abe.

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