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Wegen Pornos? Japaner haben immer weniger Lust auf Sex

Junge Japaner haben offenbar immer weniger Interesse an Sex und Liebesbeziehungen. Laut einer Umfrage sind knapp ein Drittel aller unverheirateten Japaner auch mit Anfang 30 noch Jungfrau.

Gemäss der Studie könnte sich Freizügigkeit in Animes und Mangas negativ auf das Lustempfinden von Japanern auswirken.
Gemäss der Studie könnte sich Freizügigkeit in Animes und Mangas negativ auf das Lustempfinden von Japanern auswirken.
Keystone

Noch nie hatte Japans Jugend weniger Lust auf Liebe und Sex. Das ist das alarmierende Ergebnis einer Umfrage des National Institute of Population and Social Security Research unter mehr als 5000 nicht verheirateten Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren. Die Umfrage wurde bereits im Sommer 2015 durchgeführt, jedoch wurden die Ergebnisse erst jetzt veröffentlicht.

Über 40 Prozent hatten noch nie Sex

Besonders erstaunlich: Trotz der Pornoindustrie und der aus westlicher Sicht äusserst freizügigen Comicliteratur des Landes sind 42 Prozent der jungen Männer noch Jungfrau. Bei den Frauen waren es 44 Prozent. Selbst in der Altersgruppe der 30- bis 34-jährigen Singles gab noch knapp ein Drittel der Befragten beider Geschlechter an, noch nie Sex gehabt zu haben.

Zwar sind internationale Vergleiche angesichts mangelnder Vergleichsstudien nicht leicht, doch gehen japanische Kommentatoren davon aus, dass junge Japaner wohl weitaus weniger Interesse an körperlicher Liebe zeigen, als ihre Altersgenossen in anderen Industrieländern.

Zu viele Pornos

«Generation Zölibat» nennen japanische Soziologen mittlerweile die sex- und beziehungsunwillige Jugend. Über die Gründe wird hitzig debattiert. Während kleinere Umfragen Komplexe gegenüber dem eigenen Körper als Gründe herausstellen, warnen Kommentatoren wie die Sextherapeutin und ehemalige Pornodarstellerin Ai Aoyama, die Allgegenwart digitaler Pornografie mit oft übermenschlichen Körpermassen habe das Interesse an echtem Sex mit normalen Menschen und deren körperlichen Mankos schwinden lassen.

Sexlosigkeit scheint sich in der am schnellsten alternden Gesellschaft mit einer der niedrigsten Geburtenraten der Welt tatsächlich als neuer Lebensstil zu etablieren. Jedenfalls ist das sexuelle Interesse junger Japaner in den vergangenen Jahren deutlich geringer geworden, warnte das staatliche Institut, das die gleiche Umfrage alle fünf Jahre durchführt. Bei der letzten Umfrage im Jahr 2010 lag die Zahl der sexlos lebenden Jugendlichen noch gut 15 Prozent unter dem heutigen Wert.

Kein Interesse an Beziehung

Ähnlich gering ist das Interesse dieser Generation an Partnerbeziehungen. In der Umfrage des staatlichen Instituts gaben 70 Prozent der befragten Männer und 60 Prozent der Frauen an, dass sie in keiner Beziehung lebten. Ein Drittel der Dauer-Singles erklärte gar, überhaupt kein Interesse an einer Partnerschaft zu haben.

Der Rest wünsche sich schon einen Lebenspartner und strebe letztlich eine Ehe an, schlossen die Autoren der Studie. «Die Leute wollen immer noch gern heiraten, aber sie werden nicht aktiv und schieben den Plan immer weiter hinaus», heisst es in der Studie. «Die Kluft zwischen ihren Idealvorstellungen des anderen Geschlechts und der Realität ist einfach zu gross», erklärte Institutsleiter Futoshi Ishii in der «Japan Times».

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