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Irrfahrt auf hoher See

Vor Thailand und Indonesien treiben Tausende Bootsflüchtlinge auf dem Meer, Tausende weitere sind auf Inseln gestrandet. Augenzeugen berichten, wie der Kapitän eines Flüchtlingsschiffs mit einem Schnellboot davonfuhr.

Trieben in den Gewässern vor Thailand umher: Flüchtlinge aus Burma. (14. Mai 2015)
Trieben in den Gewässern vor Thailand umher: Flüchtlinge aus Burma. (14. Mai 2015)
Christophe ARCHAMBAULT, AFP
Viele der Flüchtlinge gehören der burmesischen Minderheit der Rohingya an.
Viele der Flüchtlinge gehören der burmesischen Minderheit der Rohingya an.
Christophe ARCHAMBAULT, AFP
Ein anderer Teil der Migranten stammt aus Bangladesh.
Ein anderer Teil der Migranten stammt aus Bangladesh.
AP Photo/Binsar Bakkara
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Das Schicksal von Tausenden auf hoher See treibenden Bootsflüchtlingen ruft die internationale Diplomatie auf den Plan. Die Vereinten Nationen riefen Thailand, Malaysia und Indonesien zur Rettung von Menschenleben auf. Auch die USA forderten die Regierungen auf, ankommende Bootsflüchtlinge nicht abzuweisen. Doch die Länder machten deutlich, dass die Migranten nicht willkommen seien.

Nach einer Irrfahrt in der Strasse von Malakka und nahe gelegenen Gewässern strandeten dennoch mehr als 1000 Bootsflüchtlinge an den Küsten Indonesiens und Thailands. Sie berichteten von wochenlangem quälenden Hunger, tödlicher Gewalt und Ausbeutung auf hoher See.

«Lieber gestorben»

«Wenn ich vorher gewusst hätte, dass die Bootsfahrt so schrecklich wird, wäre ich lieber in Burma gestorben», sagte die 16-jährige Manu Abudul Salam. Sie gehört der muslimischen Minderheit der Rohingya in der Region Rakhine in Burma an. Die Volksgruppe wird dort seit Jahren verfolgt. Viele Rohingyas ergriffen deshalb die Flucht.

Manu war an Bord eines Bootes, das am Freitag von Fischern in der indonesischen Provinz Aceh zum Dorf Langsa geschleppt wurde. An Bord waren Polizeiangaben 790 Menschen, darunter je 61 Frauen und Kinder. In einem anderen Boot, das ebenfalls in die Ortschaft gebracht wurde, befanden sich 47 Menschen.

Kapitän fuhr mit Schnellboot davon

Nach mehreren Tagen auf hoher See sei der Kapitän ihres Bootes mit einem Schnellboot davongefahren, schilderte Manu. Ehe er die Insassen verlassen habe, habe er den Motor des Bootes zerstört. Es begann zu treiben. Mit schwindenden Lebensmittel- und Wasservorräten seien die Spannungen auf dem Boot gestiegen und Kämpfe ausgebrochen. Ihr 20 Jahre alter Bruder gehörte laut Manu zu den Dutzenden Todesopfern der Zusammenstösse zwischen Bangladeschis und Rohinyas an Bord. «Sie dachten, dass der Kapitän aus unserem Land kommt und attackierten uns mit Stöcken und Messern», sagte sie. Die Leichen der Toten seien ins Meer geworfen worden.

Ein 19-jähriger Überlebender aus Bangladesh, Saidul Islam, sagte, Dutzende auf dem Boot seien verhungert oder ihren Verletzungen durch die Kämpfe erlegen. Die Bootsfahrt habe drei Monate gedauert. Alles habe damit begonnen, dass ein Mann in seinem Dorf aufgetaucht sei und gefragt habe, ob jemand an einer Reise nach Burma interessiert sei. Auf hoher See habe der Kapitän aber Hunderte Dollar von den Insassen verlangt und sie gezwungen, ihre Familien zwecks Bezahlung anzurufen. Auf dem beengten und heissen Boot seien sie zudem geschlagen worden, berichtete Islam. «Wir konnten nicht aufstehen. Wenn wir um Wasser gebeten haben, hat der Kapitän mit Draht auf uns eingeprügelt.»

Rund Hundert Bootsflüchtlinge auf thailändischer Insel entdeckt

Auf einer Insel der südthailändischen Provinz Phang Nga entdeckten die Behörden am Samstag 107 gestrandete Flüchtlinge. Wie sie auf die Insel gelangten, sei noch nicht geklärt, sagte der Provinzgouverneur der Nachrichtenagentur Reuters.

Vor den Küsten der südostasiatischen Länder treiben Schätzungen zufolge bis zu 6000 weitere Flüchtlinge in ihren Booten. Thailand, Indonesien und Malaysia verwehren ihnen Zutritt und haben sie bereits abgewiesen.

Burma will Flüchtlinge nicht zurücknehmen

Burma erklärte zudem, man werde Flüchtlinge, die sich als Rohingya bezeichneten, nicht wieder aufnehmen. «Wir können nicht sagen, dass die Flüchtlinge aus Burma kommen, bis wir sie identifizieren können», sagte Regierungssprecher Ye Htut. In Burma gelten die Rohingya den Behörden als illegale Migranten aus Bangladesh und werden daher «Bengalis» genannt. Dabei leben sie seit Generationen in Burma.

Die Vereinten Nationen zeigten sich über die Flüchtlingskrise alarmiert. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon werde die örtlichen Staatschefs drängen, Menschenleben an die erste Stelle zu setzen, sagte sein Sprecher Farhan Haq. «Wir wollen nicht, dass sie in treibenden Särgen sind», fügte er mit Blick auf die Bootsflüchtlinge hinzu.

Malaysia ruft Burma zum Handeln auf

Angesichts der Flüchtlingskrise im Golf von Bengalen forderte Malaysias Regierungschef Najib Razak Burma zum raschen Handeln auf. Die Menschen flöhen aus dem Land wegen «innerer Probleme, in die wir nicht eingreifen können», sagte Najib laut der amtlichen malaysischen Nachrichtenagentur Bernama. Sein Land bemühe sich angesichts der Krise um eine «positive Reaktion» aus Burma und wolle «etwas tun, bevor es noch schlimmer wird».

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